BERNECK: Petrus half beim Verschwellen

Traditionell laden in den ungeraden Jahren Vereine und Winzer am ersten September-Wochenende zum nostalgischen Weinfest, heuer litt der Verschwell-Abend unter dem Regen.

Maya Seiler
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Wetterfeste Besucherinnen und Besucher des Verschwell-Abends.

Wetterfeste Besucherinnen und Besucher des Verschwell-Abends.

Maya Seiler

Früher mussten die Weinfässer gewässert werden, damit sie wieder dicht waren. Heute verdrängen Metall und Kunststoff die traditionellen Holzgebinde des Wimmets; sie müssen nicht mehr «verschwellt» werden. Der Brauch soll aber an die alten Zeiten erinnern und auf einen gemütlichen Abend mit Wein und Musik einstimmen. Zwar brauchen die Trauben Regen und Sonnenschein zum Reifen, aber am Verschwell-Abend hätten die Winzer gerne auf die Mithilfe von Petrus verzichtet.

Der Auftakt zum Torkelfest von gestern Freitagabend sollte den Besuchern eine erste Gelegenheit geben, die Vielfalt der Rheintaler Weine zu probieren. Oder wie es Nachtwächter und Weinbauer Felix Indermaur in gereimte Form fasste: «Miar verschwellid mit em goata Wii üseri Magewänd.» In acht Weinbars rund um den Rathausplatz bo­- ten einheimische Weinproduzenten ihre besten Tropfen an. Man erstand ein Torkelfestglas und löste den Eintritt, dann durfte man an der Theke das Glas füllen lassen.

Das Verschwellen der Bütten

Als Beda Germann das Publikum begrüsste, waren knapp 300 Personen auf dem Rathausplatz. Unter dem Regenschirm oder von den Bar-Pavillons aus verfolgte die Menge das Hauptereignis, das in dieser Art nur in Berneck gefeiert wird. Unter Applaus eröffneten die Lüchinger Tambouren den Festakt. Nachtwächter Felix Indermaur erklärte, was es früher mit der Arbeit des Verschwellens auf sich hatte: Die Eichenfässer, längere Zeit leer, waren ausgetrocknet und undicht geworden.

«All Johr s’Gliich – alls ischt läch (=undicht) und lottara tuats oo» formulierte es Winzer Indermaur in urchigem Bernecker Dialekt. Darum mussten die Holzgeschirre gewässert werden, bis sich die Fugen zwischen den Fassdauben wieder geschlossen hatten. Mit grossem Eifer gingen die Winzer Kaspar Wetli, Christian Frei, Peter Indermaur, Ralph Heule, Jakob Federer und Lukas Fürst an die Schläuche und spritzten nach Herzenslust. Dass Petrus tüchtig mitwässerte, tat dem Spass keinen Abbruch.

Midlife Jazzband spielte

Rund um den Platz gab es Festbeizen, wo man sich bestens verpflegen konnte. Ein Grill­buffet, Fischknusperli, Winzernudeln, Raclette oder «Öpfelchüechli» sollte den Besuchern den nötigen «Boden» geben, um den Wein ohne Reue zu geniessen. Unter den Rathausbögen spielte die Rheintaler Midlife Jazzband, eine wie zauberhaft wirkende Lichtregie tauchte den ganzen Platz in stimmungsvolle Beleuchtung, der Festbetrieb dauerte bis in die Nacht.

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