BERNECK: Noch Jahre bis zum Baubeginn

Das Thema «Hochwasserschutz am Littenbach» bewegt die Bewohner von Au und Berneck: 150 Personen liessen sich am Mittwoch über das Vorprojekt informieren, das die Gemeindevertreter Anfang Woche dem Kanton vorgestellt hatten.

Maya Seiler
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Rhesi XS: In zehn Jahren wird auf der linken Seite des heute begradigten Littenbachs (Bildmitte, rechts) vielleicht eine natürliche Bachlandschaft entstehen, die dazu dient, den Feinsand abzulagern. (Bild: Maya Seiler)

Rhesi XS: In zehn Jahren wird auf der linken Seite des heute begradigten Littenbachs (Bildmitte, rechts) vielleicht eine natürliche Bachlandschaft entstehen, die dazu dient, den Feinsand abzulagern. (Bild: Maya Seiler)

BERNECK. Die Auer und Bernecker wissen, was passiert, wenn die Bäche Hochwasser führen: Seit 1998 sind am Littenbach und Aecheli schon fünf Hochwasser mit teilweise grossen Schäden an Gebäuden und Kulturen aufgetreten. Meist machten die engen Brücken, aber auch der Rückstau durch den hochgehenden Rheintaler Binnenkanal (RBK) Probleme.

Gefahr gemeinsam angehen

Bereits seit 2008 ist in beiden Gemeinden ein entsprechendes Vorprojekt zum Hochwasserschutz in Arbeit. Das gemeinsam erarbeitete Papier wurde im letzten Juni von beiden Ratsgremien genehmigt; der Kanton nahm es diese Woche wohlwollend entgegen. Nun geht es ans konkrete Bauprojekt; auch im besten Fall kommt der Baubeginn nicht vor 2020; wenn es – wie zu erwarten – Einsprachen gibt, kann es auch viel länger dauern.

Trotz vorübergehendem Planungsstop – um die Ergebnisse des Schutzprojekts für den RBK abzuwarten – erweiterte man 2006 den Geschiebesammler Schlossbrugg von 900 auf 2000 Kubikmeter, baute zwei Jahre später den Holz- und Geschiebesammler im Dürrenbommert und hob 2015/16 die Kobelbrugg an, um ein Ausufern des Littenbachs ins Auer Quartier Wees zu verhindern.

Ein Retentionsraum im Gebiet Kloteren/Emseren bildet den Kern der Schutzmassnahmen am Littenbach und Aecheli. Übersteigt die Abflussmenge die Kapazität des Littenbachs (24 m³/s), soll das Wasser über einen Entlastungskanal beim Kiessammler Schlossbrugg abgezweigt und in eine Rückhaltefläche geleitet werden. Dieser Kanal verläuft offen am Hangfuss der Strasse nach Heerbrugg und unterquert diese auf der Höhe des Fürstenhauses. Eine Wehrklappe wird bei Hochwasser geöffnet und zuerst der Retentionsraum Kloteren überflutet. Kann das Aecheli das Wasser nicht mehr abführen, überschwemmt das Gebiet Emseren.

Weniger auffällig, aber ebenso wichtig ist eine Ausweitung der Gerinne und der Brücken- und Bachdurchlässe.

Viele offene Fragen

Nach einstündiger Information meldeten sich zahlreiche Votanten mit Fragen, Einwänden und Anregungen. Obwohl Gemeindepräsident Bruno Seelos mahnte, nur Fragen von allgemeinem Interesse zu stellen, brachten Direktbetroffene ihre persönlichen Sorgen vor. So wollten Hobbygärtner mit Pflanzplätzen am Aecheli im Gebiet Emseren wissen, ob sie ihre Hütten abbrechen müssten und wer das bezahle. Der Auer Präsident Christian Sepin beruhigte: «Pius, du musst morgen nicht hingehen und dein Hüttli abreissen, denn wir sind erst im Vorprojekt; die Details sind noch offen.» Ein anderer Aecheli-Anstösser beklagte die wuchernde Vegetation in diesem Bächlein. Der Auer Gemeinderat Alex Frei erklärte, seit man 2013 das Aecheli ausgebaggert habe, wachse dort Brunnenkresse, die sehr schwer zu bekämpfen sei. Mehrere Wortmeldungen gab es auch zur Schwemmholzsperre im Dürrenbommert. Viele der Votanten waren überzeugt, die Abstände zwischen den Stahlsäulen seien zu gross, um alles Holz und Geschiebe zurückzuhalten. Ingenieur Reto Walser bestätigte, dass mehr Volumen nötig sei und verschiedene Standorte geprüft würden; im Vordergrund stehe der Bau einer zusätzlichen Holzrückhalteanlage im Bereich Papieri. Landwirt Hermann Ritz wollte sich mit der Überflutung seiner Äcker nicht abfinden. Er meinte, wenn man schon bei den Drei Brücken am Binnenkanal ein riesiges Retensionsbecken plane, brauche es nicht noch weitere Rückhalteräume im Gebiet Kloteren/Emseren. Wirksamer und billiger wäre es, die Bäche mit Betonsohlen aufs Maximum auszubauen. Walser erklärte, ein Projekt mit Betonsohle sei nicht mehr bewilligungsfähig. Auch plane man Massnahmen zu Bodenverbesserung im betroffenen Gebiet. Zwar schloss Bruno Seelos nach einer weiteren Stunde die Fragerunde, der Meinungsaustausch wurde aber beim Apéro noch lange und intensiv fortgesetzt.

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