BERNECK: Kinder erleben Welt der Indianer

Die ersten beiden Herbstferienwochen stehen im Husen unter dem Motto «Houw … grosser Manitu». Der Pro-Juventute-Ferienplausch zieht viele Familien ins Tipidorf und zeigt Kindern das Leben der Indianer.

Sophia Zimmerer
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Kinder basteln unter Anleitung freiwilliger Helfer persönliche Erinnerungsstücke an das Indianer-Leben im Tipidorf. (Bild: Sophia Zimmerer)

Kinder basteln unter Anleitung freiwilliger Helfer persönliche Erinnerungsstücke an das Indianer-Leben im Tipidorf. (Bild: Sophia Zimmerer)

BERNECK. Ein Kind nach dem anderen läuft in Berneck die Husenstrasse hinauf. Manche werden von ihren Eltern begleitet, andere sind in kleinen Gruppen unterwegs. Sobald ein bestimmter Wegweiser zu sehen ist, jubeln sie und laufen schneller. Und plötzlich steht es da, zwischen Rebbergen und Wald: das Tipidorf.

Die Stimmung ist entspannt. Kinder sitzen konzentriert vor den Zelten und basteln, Eltern unterhalten sich auf den Festbänken bei einem Kaffee. Ein wenig Rauch weht von einer Feuerstelle über das Gelände.

Kinder bestimmen ihren Indianer-Alltag

Zwei Wochen lang können hier Kinder in die Welt der Indianer eintauchen. Von Tanzunterricht über gemeinsames Trommeln und Schatzsuchen ist alles dabei, was spannende Herbstferien und ein Indianer-Leben ausmacht. Die Gründerin Birgit Königsdorfer wollte für Kinder einen Ort ohne Zwang zum Tun schaffen und ihnen Zeit zum Erleben schenken. Alle Kinder sollen im Indianerdorf selbst bestimmen können, was sie in ihrer freien Zeit unternehmen möchten.

Und das tun sie. Während die einen ihre eigene Axt basteln, lassen sich die anderen eine Kriegsbemalung im Gesicht auftragen. Zwischen den Zelten stehen selbst hergestellte Töpferwaren. Ein Mädchen lässt sich von ihren Kolleginnen Bänder in die Haare flechten und einige Buben verweilen vor dem Feuer und braten Schlangenbrot. An einem 13 Meter hohen Kletterbaum hängt ein Kind gesichert in der Luft, während die Mutter einige Fotos aufnimmt. Bei den Ostschweizer Bogenschützen kann man neben dem Gelände Bogenschiessen lernen, und die Pfadi Mittelrheintal hat einmal in der Woche das Outdoor-Programm übernommen.

Bei schönem Wetter sind die Tipis leer und alle geniessen die sonnigen Herbsttage. Rund 180 Kinder besuchen das Tipidorf an einem Tag. Einmal pro Woche können sie alleine oder in Begleitung in den Zelten übernachten. Das Angebot war diese Woche ausverkauft. 60 Personen verbrachten die Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag im Indianerdorf. Am Nachmittag zuvor wurden für einen stimmungsvollen Abend Fackeln gezogen.

Helfer machen das Projekt möglich

Vor zwölf Jahren wurde das erste Tipidorf Mittelrheintal aufgestellt. Dieses Jahr hat sich die Wiese im Husen ob Berneck bereits zum fünften Mal in ein Indianer-Dorf mit Tipi-Zelten, Feuerstellen und Totempfahl verwandelt. Nathalie Egger erklärt, dass ein jährliches Tipidorf wegen der enormen Vorbereitungen nicht realisiert werden könne. Deshalb sei der Dreijahresrhythmus entstanden. So habe jedes Kind vom grossen Kindergarten bis zur sechsten Klasse zweimal die Möglichkeit, dabei zu sein. Maximal 200 Kinder können pro Tag ihre freien Herbsttage im Tipidorf verbringen. Wären es mehr, müssten sie bei den verschiedenen Posten zu lange anstehen, sagt Nathalie Egger. Das Projekt finanziere sich durch Spenden. Ohne die vielen freiwilligen Helfer wäre die Umsetzung des Tipidorfes jedoch nicht möglich. Über 40 Personen haben das Dorf aufgebaut und bis zu 30 unterstützen das neunköpfige Team an einem Tag.