BERNECK: Jodellieder, Hits, Talerschwingen

Mal so und mal so. Das ist beim «Hitzigen Appenzeller Chor» Programm: Urchig und volkstümlich, poppig verrückt, jazzig und temperamentvoll, verträumt, auf jeden Fall immer abwechslungsreich und überraschend.

Max Pflüger
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Hitzig-turbulente, «jodelige, rappige und hitige» Unterhaltungs-Show. (Bild: Max Pflüger)

Hitzig-turbulente, «jodelige, rappige und hitige» Unterhaltungs-Show. (Bild: Max Pflüger)

BERNECK. Am vergangenen Freitagabend lud das Kulturforum Berneck zu einem unterhaltsamen und nicht ganz alltäglichen Konzertabend ins Weingut Tobias Schmid & Sohn ein. Über 200 Gäste folgten dem Ruf in die Hinterburg und genossen im vollbesetzten Saal den turbulenten Auftritt der neun jungen Appenzeller Sängerinnen und Sänger.

Der romantisch verwinkelte, alte Gebäudekomplex des Weinguts mit seinen Treppen und seinem Balkenwerk ist immer wieder Schauplatz besonderer Konzerte von volkstümlichen Anlässen aus der näheren Umgebung und Folklore aus aller Welt, über Schlagerabende bis hin zu Jazzkonzerten für Liebhaber und Kenner. Für den Hitzigen Appenzeller Chor also genau das richtige Ambiente.

Abwechslungsreicher Cocktail

Was die fünf jungen Männer und ihre vier hübschen Begleiterinnen in bunten Appenzeller Trachten dem Publikum boten, war ein bunter und süffiger Cocktail, gemischt aus einer Vielfalt an Musikrichtungen. Meist angerichtet auf der Basis von Appenzeller Volksmusik, mit Zutaten von «Ade bin i loschtig gsi» bis zum Popsong «Rivers of Babylon», von «Täär i nöd e bitzeli» bis zum Spiritual «Down By The Riverside» oder vom «Hau drüberabe» bis zum Schweizer Hit «I han e Träne in mine Ouge».

Hits und Ruggusserli, urchiger Jodel, Rapp und Jazz verschmolzen in immer wieder überraschenden und amüsanten Wendungen. Originelle und unerwartete Kombinationen fanden die «Hitzigen» auch innerhalb der Lieder. Nur ein Beispiel: Sowohl textlich als auch melodiös geschickt verbanden sie das Appenzeller Sennenlied «Gang rüef de Bruune» mit dem bekannten «Lioba» des Greyerzer Kuhreihen «Ranz des Vaches».

Reizvolle Inszenierung

Was den Reiz des Konzertabends ausmachte, war ebenso vielseitig, wie das Programm: Da waren einmal die jugendlichen, frischen, vor allem aber gut und präzise beherrschten Stimmen der neun Sängerinnen und Sänger.

Neben virtuosen Soli hörte man immer wieder perfekt inszenierten A-cappella-Chorgesang. Denn musikalische Präzision ist immer wieder eines der Markenzeichen der «Hitzigen».

Ebenso gekonnt wirkte die gesamte Inszenierung, die Körperbeherrschung und die Bühnenpräsenz jedes Einzelnen sowie die wirkungsvolle Choreographie: Vom zarten Liebesduett bis zum bisweilen slapstickartigen Klamauk, ob in originaler Appenzeller Tracht oder in modischer Trainerjacke mit Kapuze und Schlotterhosen «auf Halbmast». Kabarett und Parodie mischte sich in den musikalischen Vortrag.

Alles in allem: Was der Hitzige Appenzeller Chor bietet, ist vielleicht vor allem eine völlig neue Interpretation des sprichwörtlichen Appenzeller Witzes: Er zeichnet das Bild von humorvollen Bäuerchen. Er will seine eigene Volksmusik nicht mehr als stämmiger Mann, ernst und mit den Händen in den Hosentaschen vortragen. Er singt munter und weltoffen und vor allem mit einer gehörigen Portion Selbstironie – einfach nur zur guten Unterhaltung seiner Zuhörer.