Berneck hält zu Andreas Zellweger

Im Restaurant Brauerei in Berneck sitzen am Mittwochvormittag die letzten Arbeiter beim Znüni, als das Telefon klingelt. Peter Egger nimmt den Hörer ab: Ein «Blick»-Journalist meldet sich. Er will wissen, ob man in der Dorfbeiz den Grund für Andreas Zellwegers Festnahme bereits kennt.

Seraina Hess
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Die Bernecker Bevölkerung wurde gestern Vormittag von der Meldung überrascht. (Bild: Seraina Hess)

Die Bernecker Bevölkerung wurde gestern Vormittag von der Meldung überrascht. (Bild: Seraina Hess)

Im Restaurant Brauerei in Berneck sitzen am Mittwochvormittag die letzten Arbeiter beim Znüni, als das Telefon klingelt. Peter Egger nimmt den Hörer ab: Ein «Blick»-Journalist meldet sich. Er will wissen, ob man in der Dorfbeiz den Grund für Andreas Zellwegers Festnahme bereits kennt.

«Von der Untersuchungshaft wusste ich bisher überhaupt nichts», sagt Egger eine Viertelstunde später. «Ich war völlig baff, zumal wir immer gut mit dem Gemeindepräsidenten ausgekommen sind.»

«Ein ganz guter Typ»

Ähnlich sieht es im Dorfladen Volg aus: Niemand weiss, dass der Bernecker Gemeindeammann derzeit nicht in seinem Büro sitzt. Auch in der Bäckerei Eschenmoser, gleich gegenüber vom Rathaus, ist die Verkäuferin Barbara Graf überrascht. Die Kunden würden ihr zwar viel erzählen, doch über Zellweger sei bisher kein böses Wort gefallen.

Während das Leben im Dorf wie gewohnt verläuft, fällt im Wohnquartier des Gemeindepräsidenten sofort auf, dass etwas anders ist als sonst. Ein Reporter von TVO hat sein Auto in der Nähe von Zellwegers Einfamilienhaus parkiert und versucht, Informationen von Anwohnern zu bekommen. Eine Nachbarin, die anonym bleiben möchte, sagt kurze Zeit später: «Ich meinte erst, der Reporter sei ein Einbrecher, der die Strasse auskundschaftet.» Bis «20 Minuten» anrief und von ihr Näheres über Zellweger erfahren wollte. «Ich habe gleich klargestellt: Von mir gibt's keine Information.»

Andere Nachbarn sind redseliger, aber auch sie lassen nichts Schlechtes über den Gemeindepräsidenten verlauten. Hans Frei etwa, der seit über 15 Jahren neben Zellweger wohnt, pflegt einen guten Kontakt zur ganzen Familie. «Ein ganz guter Typ» sei Zellweger, «einer, der keinem ein Haar krümmen würde.»

Derweil will der TVO-Reporter ein paar Aufnahmen des Quartiers machen, als ihm eine Frau entgegenstürmt. Es gelte die Unschuldsvermutung, und Aufnahmen seien hier nicht erwünscht!

«Muss ein Missverständnis sein!»

Die Frau heisst Myrtha Mathis, ist direkte Nachbarin des Bernecker Gemeindeammanns und hat als Präsidentin der SP-Ortspartei auch politisch ab und an mit ihm zu tun. Wie Hans Frei schwärmt sie vom guten Kontakt – und fügt hinzu: «Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, was vorgefallen sein könnte. Es muss ein Missverständnis sein!»

Inzwischen ist Christine Waibel, die vis-à-vis von Andreas Zellweger wohnt, auf das Auto des Regionalfernsehens aufmerksam geworden. Als sie die Tür aufmacht, hat sie sich bereits im Internet informiert. «Jetzt, da ich es weiss, fällt mir ein: Ich habe letzte Woche ein Polizeiauto die Strasse entlangfahren sehen. Mit Andreas Zellweger hätte ich es niemals in Verbindung gebracht.»

Von der Meldung überrascht

Zurück in der «Braui», weiss der Wirt noch immer nicht mehr, als er schon dem «Blick»-Journalisten gesagt hat.

Inzwischen ist die Nachricht zu den Gästen durchgesickert: Karl Bürki las eben auf rheintaler.ch, was passiert ist. Auch er kann es nicht glauben: «Vom Gemeindepräsidenten halte ich viel – zumindest wurde nur Gutes über ihn erzählt.»

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