Bereit für den Frühling

Garten

Urs Stieger
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Auch ohne Schnee äusserst reizvoll: Wintergarten. (Bild: Urs Stieger)

Auch ohne Schnee äusserst reizvoll: Wintergarten. (Bild: Urs Stieger)

Man kann mir ja vorwerfen, ich sei kein «Winterling» und dieser Text sei nur verkapptes Wunschdenken. Ganz falsch wäre das nicht. Wer aber mit offenen Augen jetzt durch Garten und Wald geht, macht sicher ähnliche Erfahrungen. Viele Pflanzen sind so weit, denkt man sich, es fehlt nur noch etwas Wärme und Licht. Dabei haben sie etliche Strategien, wie sie dem wechselvollen Wetter trotzen können.

Ich habe einmal gehört, dass bezüglich Heu für Bauern an Lichtmess etwa der halbe Winter vorbei sei. Der halbe Winter! Nicht «so kurz vor dem Frühling» oder «noch ein paar Wochen, dann» ... Gärtnern lehrt Geduld.

In den letzten Wochen, noch vor dem Schnee, habe ich Bäume geschnitten und «Tööpe abgfrore». Die Knospen sind vielfach kurz vor dem Aufspringen. Meine ich wenigstens. Die Tage werden ja auch wieder länger. Unmerklich zwar, aber die Meteorologen haben das berechnet. Setzlinge, Tomaten säen, Auberginen, von Schoggicosmos habe ich ja auch noch Samen, für Einjährige wäre es jetzt doch Zeit. Ähnliches kommt einem in den Sinn.

Was man als Vorvorfrühlingssyndrom belachen kann, gehört zur Überlebensstrategie, um den Winter in unseren Breiten halbwegs zu ertragen. Bäume und Sträucher helfen da tüchtig mit.

Der Blauglockenbaum hat schon im Oktober so ausgesehen, als ob er jetzt dann seine blauen, langen Blüten zeigt. Die Samenkapseln vom letzten Jahr sind auch noch vorhanden. Der Frost hat daraus ein Bild gemacht, das fast künstlich wirkt. Der Baum braucht einen guten, freundlichen Herbst, damit er im Frühling die Blüten präsentieren kann, Tausende! Logisch, dass die Japaner in ihm den Glücksbaum sehen, auf dem der Phönix landet und Garten sowie Haus Glück bringt. Dem Buch «Findet mich das Glück?» von Fischli/Weiss wäre darum hinzufügen: Blauglockenbaum pflanzen?

Schon im Dezember haben die winzigen Knospen der Kornelkirsche (Tierlibaum) gelb durch die braunen Deckblätter geschimmert. Diese Blüten gehören dann im Februar zu den ersten Futterpflanzen, die die Bienen besuchen. Fast überall bei Grossverteilern und Discountern gab es vor Weihnacht weisse Christrosen, blühend. Ob die nicht erfrieren bei uns, wurden sie doch mit Wärme und Licht «behandelt», damit sie ein bis zwei Monate vor Termin blühen? Der verwandte Nieswurz färbt sich aber jetzt schon hellgrün, bald werden die grünen Blüten folgen.

Er hat, das ist kein Witz, eine eingebaute Heizung! In den Blüten produzieren Hefekulturen Wärme, bis 6° Celsius Unterschied sollen die schaffen.

Wenn dann der Schnee weg ist.

Leider immer noch zu wenig für ein mildes Frühlingslüftchen.

Urs Stieger

Berneck

www.u-stieger.com