Beispielhaft schlichte Friedhofskunst

ALTSTÄTTEN. Die Stadt Bern prämiert jedes Jahr die besten Grabmale. Eines der 18 Grabmale, die heuer ausgezeichnet wurden, hat ein Rheintaler geschaffen – der Altstätter Bildhauer Silvan Mattle. Den Experten hat gefallen, wie schlicht und doch individuell gestaltet der Stein ist.

Max Tinner
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Silvan Mattle: «Die Schrift ist auf einem Grabstein elementar.» (Bild: Max Tinner)

Silvan Mattle: «Die Schrift ist auf einem Grabstein elementar.» (Bild: Max Tinner)

Auf das Grab eines Verstorbenen dürfen die Angehörigen nicht einfach stellen, was ihnen gerade so einfällt. Die Gemeinden regeln in Friedhofreglementen, was gestattet ist. Damit will man zum einen die Würde des Ortes bewahren, zum anderen möchte man ein harmonisches Gesamtbild des Friedhofs. Besonderen Wert darauf legt die Stadt Bern. Deren Grabmalkommission zeichnet jährlich beispielhafte Grabmale aus, um die Bedeutung der Friedhofkultur hervorzuheben. Ausserdem möchte man Angehörige zu einem vertieften Dialog mit dem Künstler bewegen, um auf diese Weise eine Grabmalgestaltung zu erreichen, die dem Verstorbenen auch tatsächlich entspricht.

Der Gotte zum Gedenken

Bei der diesjährigen Prämierung letzte Woche wurden 18 Grabmale ausgezeichnet. Eines hat der Altstätter Bildhauer Silvan Mattle geschaffen. Den Grabstein hat er seiner Gotte Margrit Blatter zum Gedenken geschaffen, die in Bern wohnte. Für ihr Grabmal hat er einen rötlichen Stein gewählt – weil Bordeaux die Lieblingsfarbe seiner Gotte war. Zentrales Element ist die Beschriftung des Steins mit dem Vornamen und dem Namen der Verstorbenen sowie den Jahrzahlen ihrer Geburt und ihres Ablebens. Mattle wählte dafür eine römische Antiqua, eine für einen Grabstein geradezu klassische Schrift, die aber typographisches Feingefühl erfordert: «Proportionen und Grösse der Schrift müssen gut aufeinander abgestimmt sein», erklärt der Bildhauer. Im Übrigen ist der Grabstein seiner Gotte ausgesprochen schlicht gehalten: Die Frontfläche des Steins hat Mattle gespitzt und grob angeschliffen, den Umlauf hat er matt geschliffen. Auf Figürliches hat er bewusst verzichtet. Die Schlichtheit entspreche dem Naturell seiner Gotte, sagt Silvan Mattle.

Ausgesprochen fachmännisch

Gerade diese Schlichtheit hat auch das Fachgremium angesprochen, das die Grabmale auf den stadtbernischen Friedhöfen begutachtet hat. Gelobt wurden weiter die Proportionen, das gewählte Gestein mit seiner speziellen Farbe und Struktur, die saubere, fachmännische Bearbeitung und das bei der Gestaltung der Schrift gezeigte Feingefühl.

Die Würdigung seiner Arbeit freut Silvan Mattle. Und sie bestärkt ihn, weiter als Bildhauer zu wirken – obwohl er bereits im Pensionsalter wäre. Solange er gesund sei, möchte er weiterarbeiten, sagt er, zwar reduziert, aber mit noch mehr Augenmerk auf gerade jene Qualitätsansprüche, die ihm zu der Ehrung aus Bern verholfen haben. «Und überhaupt», meint er, «das Kreativsein würde mir im Ruhestand fehlen.»

Das ausgezeichnete Grabmal. (Bild: z. Vfg.)

Das ausgezeichnete Grabmal. (Bild: z. Vfg.)