Bei ihr ist jedes Geheimnis sicher

HEERBRUGG. Seit acht Jahren arbeitet Christine von Allmen in der Bäckerei Eschenmoser in Heerbrugg. Für die Schüler der nebenan liegenden Kantonsschule ist sie längst mehr als nur eine Verkäuferin.

Anina Gächter
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Christine von Allmen versüsst mit ihrem Lächeln den Alltag der Schüler. (Bild: Anina Gächter)

Christine von Allmen versüsst mit ihrem Lächeln den Alltag der Schüler. (Bild: Anina Gächter)

Die automatische Tür der Bäckerei Eschenmoser öffnet sich, Christine von Allmen schaut vom Tresen auf und begrüsst mich fröhlich. In der kleinen Bäckereifiliale scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Sofort fühle ich mich wieder in meine Zeit als Gymnasiastin zurückversetzt, in der ich unzählige Stunden im «Eschi» verbracht habe.

Hier habe ich Pommes gegessen, fünf Minuten vor Lektionsbeginn Hausaufgaben gelöst und an Freitagnachmittagen den Beginn des Wochenendes gefeiert. Und immer stand Christine von Allmen hinter dem Tresen, um mit uns zu plaudern oder uns für Prüfungen Mut zuzusprechen. Für uns war die «Eschifrau» mehr als nur eine Verkäuferin. Sie war Psychologin, Freundin und Mutter in einem.

«Hier erzählt jeder seine Sorgen»

Obwohl Christine von Allmen erst seit acht Jahren in der Bäckereifiliale arbeitet, kennt sie den Eschenmoser seit ihrer Kindheit. In Balgach, wo sie aufwuchs, steht die erste der insgesamt vier Filialen. Als ihr Bruder ihr erzählte, dass für die Filiale in Heerbrugg eine neue Filialleiterin gesucht wird, war ihr sofort klar, dass sie sich bewerben wollte. «Der <Eschi> in Heerbrugg ist noch ein richtiger Tante-Emma-Laden. Hier kommt jeder vorbei, um seine Sorgen zu erzählen», meint die ehemalige Floristin. Am meisten Kundenkontakt hat sie mit den Schülern der nebenan liegenden Kantonsschule. Jeden Morgen um 10 Uhr stehen sie Schlange, um Brötchen und Süssigkeiten zu kaufen, und am Mittag sitzen sie um die runden Tische und essen Chicken Nuggets.

Christine von Allmen weiss viel über die Jugendlichen: «Sie erzählen mir von ihrem Liebeskummer, ihren Alkoholexzessen und vom Kiffen. Wenn sie eine Prüfung haben, lernen sie im <Eschi> und berichten mir danach, wie es gelaufen ist. So bleibe ich immer auf dem neuesten Stand.»

Alle Geheimnisse sind sicher

Zuhören konnte Christine von Allmen schon immer gut. Als Kind habe sie oft den Nachbarn im Garten geholfen und mit ihnen geplaudert. Deshalb habe sie immer als Erste den neuesten Nachbarschaftsklatsch erfahren. Auch ihre Eltern haben ihr oft Dinge anvertraut, die ihre vier älteren Geschwister nicht wussten. Etwas weitererzählt habe sie aber nie.

Auch heute sind Geheimnisse bei Christine von Allmen sicher. «Manchmal kommen Eltern und fragen, was ihre Kinder mir erzählen. Ich sage dann einfach, ich könne mich leider nicht mehr daran erinnern», sagt sie lachend. Da sie selbst einen 20-jährigen Sohn hat, ist sie mit der Welt der Jugendlichen vertraut. So stört es sie auch nicht, wenn die Schüler auf der Terrasse Wasserpfeife rauchen oder vor der Tür alte Prüfungen verbrennen.

Langjährige Freundschaften

In den acht Jahren, in denen Christine von Allmen im «Eschenmoser» arbeitet, hat sie viele Freundschaften geschlossen. «Was ich am meisten schätze ist, wenn mich die Schüler nach der Kantizeit wieder einmal besuchen», meint sie, «es ist schön zu sehen, wie sie sich in der Zwischenzeit entwickelt haben. Auch wenn ich manchmal zweimal hinschauen muss, weil sie sich so verändert haben.»

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