Bei Asbest haftet die Bauherrschaft

Während der Sanierung des ehemaligen Postlokals im Rüthner Rathaus wurde Asbest festgestellt und entsorgt. Gebäudeteile auf Asbest prüfen zu lassen, ist nicht nur bei öffentlichen Bauten Pflicht, sondern auch bei Einfamilienhäusern.

Kurt Latzer
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Asbest muss unter strengen Sicherheitsvorkehrungen entfernt und entsorgt werden. Das Gesetz schreibt die «Ermittlungspflicht des Bauherrn» vor. (Bild: pd)

Asbest muss unter strengen Sicherheitsvorkehrungen entfernt und entsorgt werden. Das Gesetz schreibt die «Ermittlungspflicht des Bauherrn» vor. (Bild: pd)

RÜTHI. Nachdem die Post aus dem Parterre ausgezogen war, mussten die Räume für den neuen Mieter, Volg, umgebaut und saniert werden. Bei Probebohrungen haben die Fachleute nicht nur im Parterre Asbest festgestellt, sondern auch im Untergeschoss. Die Altlasten wurden von der Firma Achermann Revital AG unter strengen Sicherheitsvorkehrungen beseitigt. Das Erd- und das Untergeschoss waren belastet. Wie steht es mit den anderen Etagen? «Asbest wurde in den Bodenbelägen gefunden. Da wir in den anderen Stockwerken Teppiche haben, gehen wir nicht davon aus, dass die oberen Etagen belastet sind», sagt Thomas Ammann, Gemeindepräsident von Rüthi.

Weitere Gebäude nicht bekannt

Weil man mit dem Bau des Rathauses 1969 begonnen hatte und dieses 1971 bezog, könne durchaus mehr Asbest zum Vorschein kommen. Ammann sagt: «Die Sanierung des Rathauses ist 2017 vorgesehen. Dann lassen wir alle Räume auf Asbest testen.» Und wie steht es mit anderen öffentlichen Gebäuden? «Meines Wissens waren bisher in Gebäuden der Politischen Gemeinde keine Asbestsanierungen nötig. Jedenfalls nicht während meiner Amtszeit.»

Seit 1989 verboten

Gleiches gilt laut Thomas Untersander, Präsident der Baukommission der Primarschulgemeinde Rüthi, für die Rüthner Kindergärten und Schulen.

Stephan Bischof ist Geschäftsführer der Achermann Revital AG mit Hauptsitz in Dübendorf und einer Filiale in Widnau. Er kennt die problematischen Bauten und die Gefahren: «Asbest kommt am häufigsten in Gebäuden vor, die zwischen 1950 und 1990 gebaut, umgebaut oder saniert wurden.» Hochkonjunktur habe Asbest am Bau zwischen 1955 und 1975 gehabt. In der Schweiz gilt seit 1989 ein Asbestverbot.

Eine Garantie, dass in Häusern kein Asbest verbaut wurde, die man nach 1990 erstellt hat, gibt es allerdings nicht. Bischof sagt: «Wir kennen etwa 2500 asbesthaltige Bauprodukte. Wird man in Häusern fündig, die man nach 1990 errichtet hat, wurden Baumaterialien aus Lagerbeständen verarbeitet.» Der Experte geht davon aus, dass dies in den meisten Fällen aus Unwissenheit geschehen ist. Von asbesthaltigen Baumaterialien, wie etwa Bodenbelägen, geht bei einer normalen Nutzung kaum eine Gefahr aus.

Betriebe ziehen Fachleute hinzu

Gesundheitsschädlich kann es sein, wenn die Materialien mechanisch bearbeitet werden. Es ist deshalb nicht nur ratsam, vor grösseren Sanierungsmassnahmen einen Test durchzuführen, sondern sogar Pflicht. Moritz Meichtry, Präsident des Schweizer Baumeisterverbandes, Sektion Rorschach-Rheintal, sagt: «Wenn man für die Renovation einem guten Fachbetrieb den Auftrag gibt, wissen die Bodenleger, Elektriker oder Sanitärler, auf was sie achten müssen. Im Zweifel ziehen sie Fachleute zu.» Gemäss Bauvorschrift sind alle Werkstoffe am Bau, die vor 1990 verwendet wurden, auf Schadstoffe (also auch auf Asbest) zu prüfen. ? OBERES RHEINTAL 37