Behelfsbrücke: Alles lief glatt

ST. MARGRETHEN. Wie am Schnürchen und ohne Panne verlief in der Nacht auf Sonntag der Einschub der 280 Tonnen schweren Behelfsbrücke über die Autobahn von Höchst nach St. Margrethen.

Gernot Brabher
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Nächtliche Präzisionsarbeit. Sie lief wie am Schnürchen. (Bild: Gernot Grabher)

Nächtliche Präzisionsarbeit. Sie lief wie am Schnürchen. (Bild: Gernot Grabher)

Um 20.40 Uhr strafften sich die beiden Stahlseile, es knackte im Gitterwerk der von österreichischer Seite her über den Alten Rhein aufgebauten Hilfsbrücke – und die gewaltige Last setzte sich langsam Richtung Schweiz in Bewegung. Die nötige Kraft brachte ein Pannenfahrzeug mit seinen beiden Winden auf, die 35 und 25 Tonnen Zugkraft leisten können. Zusätzlichen Schub brachte eine Hydraulikmaschine auf österreichischer Seite.

In 80 Minuten erledigt

Gegen 22 Uhr war das Gröbste getan, die Behelfsbrücke, die für die Zeit des Neubaus des Grenzübergangs den Verkehr übernehmen wird, erreichte planmässig das Widerlager am Zollamtsplatz St. Margrethen. Noch in der Nacht wurde auch der Fussgängersteg an die Aussenseite der Konstruktion montiert und es begann das Einheben der Fahrbahnelemente. Die vorübergehend gesperrte Autobahn konnte am frühen Sonntagmorgen wieder befahren werden.

Die aufsehenerregende Aktion, die neben den beschäftigten Bauleuten auch viele Schaulustige anzog, war präzise vorbereitet. Die Arbeitsgemeinschaft von Schweizer Firmen, die unter der Federführung der Gautschi Bau den Auftrag der Erneuerung des Grenzüberganges durchführt, hatte schon vor Wochen mit der Errichtung der Widerlager begonnen. Dazu mussten insgesamt 20 Tragsäulen am Rand und im Mittelstreifen der A1 betoniert werden.

Erhebliche Kosten

Alle Auflagenpunkte tragen Rollen, auf denen sich die Behelfsbrücke unter verhältnismässig geringem Kraftaufwand bewegen liess.

Die eigentliche Hilfsbrücke, die nach einem Baukastensystem zusammengesetzt ist, wurde von einer deutschen Spezialfirma für die Zeit des Neubaus angemietet. Das 95 Meter lange, 10 Meter breite und für das Erreichen der statischen Festigkeit 5 Meter hohe Tragwerk wurde von Arbeitern aus halb Europa eines eingesetzten englischen Subunternehmens zusammengesetzt und kann auch Lastwagen sogar über 40 Tonnen problemlos aufnehmen. Der Neubau des Grenzübergangs ist nicht gerade billig. Nach Auskunft von Dirk Stihl, der im Auftrag des Bundesamtes für Strassen (Astra) vor Ort war, betragen die Gesamtkosten rund 10 Millionen Franken, allein der Aufwand für die Behelfsbrücke inklusive Miete der Konstruktion beträgt für 2,5 Jahre 2,8 Millionen Franken.

Den Anteil der Brückenstrecke, der über die Autobahn aufläuft, muss der Schweizer Bund berappen. Was den Brückenteil über den Alten Rhein betrifft, teilen sich der Kanton St. Gallen und das Land Vorarlberg die Kosten.

Enger Zeitplan

Der Zeitplan für das gesamte Bauwerk ist eng. Die beschäftigten Unternehmen sind aber zuversichtlich, ihn einhalten zu können. Die eingezogene Behelfsbrücke macht noch den Bau von Zufahrtsrampen auf beiden Seiten nötig, ab Mitte September soll das Provisorium den grenzüberschreitenden Verkehr übernehmen.

Sofort nach der Inbetriebnahme wird mit dem Abbruch der alten Brücke begonnen, von der Teile inzwischen über 100 Jahre alt sind.