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Bedingte Strafe nach Raubüberfall

ALTSTÄTTEN. Die beiden Männer haben im Februar 2009 den Kiosk der BP-Tankstelle in Diepoldsau überfallen. Sie bedrohten die allein arbeitende Kiosk-Angestellte mit einer Waffe und wiesen sie an, die Kasse zu leeren. Gestern kam auch der zweite Täter vor Gericht glimpflich davon.
René Schneider
Zwei Vermummte und Bewaffnete überfielen im Februar 2009 den Shop der Garage Thurnherr am Dorfeingang von Diepoldsau. (Bild: René Schneider)

Zwei Vermummte und Bewaffnete überfielen im Februar 2009 den Shop der Garage Thurnherr am Dorfeingang von Diepoldsau. (Bild: René Schneider)

ALTSTÄTTEN. Die Kioskfrau wird damals einen nachhaltigen Schreck erlebt haben. Sie mochte sich auf Anfrage nicht mehr äussern zum Überfall. Sie arbeitet nicht mehr in jenem Kiosk. Das habe aber nichts zu tun mit dem Überfall, sagt ihre Arbeitskollegin. Gegenüber den Untersuchungsbehörden verzichtete die Überfallene auf eine Zivilforderung, und sie erklärte sich stillschweigend einverstanden mit dem «Urteil im abgekürzten Verfahren».

Das Kreisgericht Rheintal verurteilte gestern den zweiten Täter (der andere war in einem ähnlichen Verfahren zu einer ähnlichen Strafe verurteilt worden) zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren.

Filmreifer Überfall

Der damals 22-Jährige betrat am 19. Februar 2009 abends um acht Uhr zusammen mit einem Kollegen den Kiosk, vermummt mit einer Maske. Die allein im Laden arbeitende Angestellte konnte nicht erkennen, dass die echt aussehende Pistole nur ein Feuerzeug war. Die Täter drängten sie unter Drohungen mit der Waffe zur Kasse. Mit 2894.75 Franken flüchteten sie. Später teilten sie sich die Beute.

Das Geld war gemäss Anklageschrift «bestimmt für Drogen, Ausgang und zum Tilgen von Schulden». Dass der Angeklagte während der Tat unter Alkoholeinfluss stand, rechneten ihm Staatsanwältin und Gericht als mildernde Umstände an. Als strafverschärfend erachteten Staatsanwältin und Gericht, dass der Mann nach dem Tankstellen-Überfall noch zweimal straffällig wurde: 2010 verurteilte ihn ein Gericht wegen Raufhandels und Verkehrsdelikten zu einer Geldstrafe und einer Busse; 2012 das Kreisgericht Rheintal zu einer Geldstrafe wegen Körperverletzung.

Allerletzte Chance

Der Angeklagte zeige sich jetzt aber geläutert und reuig. Er habe sich von Grund auf gewandelt, erklärten vor Gericht die Staatsanwältin und der Pflichtverteidiger. Der gelernte Koch habe erfolgreich eine Zusatzausbildung abgeschlossen, von seinem ehemaligen Leben und jenen Kollegen Abstand genommen, lebe in «günstigen familiären Verhältnissen» und habe beste berufliche Zeugnisse. Sein Mandant lebe finanziell am Rand des Existenzminimums, um all seine Schulden abzustottern, erwähnte der Verteidiger. «Eine unbedingte Freiheitsstrafe würde dem Zweck der Verbrechensverhütung zuwiderlaufen», steht in der Anklageschrift. Darum sei dem Angeklagten «im Sinn einer allerletzten Chance» der bedingte Strafvollzug zu gewähren.

Die ungewöhnlich lange Probezeit von vier Jahren soll gemäss Staatsanwältin «bleibenden Bedenken Rechnung tragen». Der Verurteilte wird trotz des milden Urteils beim Staat und seinem Anwalt Schulden von weiteren rund 10 000 Franken abstottern müssen – mit einem Gehalt von monatlich netto 3280 Franken.

Abgekürztes Verfahren

Ist die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe kürzer als fünf Jahre, der Sachverhalt klar und der Beschuldigte einsichtig, kann der Täter ein abgekürztes Verfahren beantragen. Haben die Staatsanwaltschaft und das Gericht keine Einwände, wird das Hauptverfahren ohne Beweisaufnahme durchgeführt. Das Gericht befragt lediglich die Parteien und vergleicht die Aussagen mit den Akten. Befindet das Gericht das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmass für angemessen, wird dieses als Urteil gesprochen. Ist das Gericht nicht einverstanden, wird das abgekürzte Verfahren eingestellt und ein ordentliches begonnen.

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