Bayern drohen Kulturverein Widnau

WIDNAU. Der Bayrische Rundfunk (BR) bittet den Kulturverein Widnau, den Begriff «Kunst und Krempel» nicht mehr zu verwenden für allfällige weitere Auktionen. «Kunst und Krempel» heisst eine Erfolgssendung des Bayrischen Rundfunks. Die Marke sei geschützt. Auch in der Schweiz.

René Schneider
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Auktionator Kuspi im vergangenen September zusammen mit Urs Spirig vom Kulturverein an der letzten «Kunst und Krempel»-Versteigerung. (Bild: Archiv/mia)

Auktionator Kuspi im vergangenen September zusammen mit Urs Spirig vom Kulturverein an der letzten «Kunst und Krempel»-Versteigerung. (Bild: Archiv/mia)

Da staunte Urs Sieber, Präsident des Kulturvereins Widnau: Mitten in den Sommerferien bekam er einen Brief vom Bayrischen Rundfunk. «Wir haben erfahren, dass Sie die Bezeichnung Kunst und Krempel verwenden zur Kennzeichnung einer Auktion.» Die Marke sei vom BR in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingetragen und geschützt. Man bitte den Kulturverein, die Bezeichnung nicht mehr zu verwenden. «Über die Möglichkeit einer Umstellungs- und Aufbrauchsfrist können wir gern sprechen», steht im anderthalbseitigen Schreiben. Wenn der Verein nicht reagiere, würden juristische Schritte eingeleitet. «Eher belustigt als erschrocken» seien er und der Vorstand, sagt Urs Sieber. Seine Antwort an die Bayrischen Fernsehmacher umfasste zwei Zeilen: Man habe «mit Verwunderung» zur Kenntnis genommen, dass «Kunst und Krempel» eine geschützte Marke ist und werde die Versteigerung in Zukunft anders nennen.

Es hat fast ein Jahr gedauert, von der Auktion des Kulturvereins bis zur Intervention der Bayern. Im letzten September, zum Abschluss der Kulturtage in Balgach, versteigerte der Kulturverein Widnau im Garten von Bildhauer Jürg Jenny in Balgach 174 Werke und Raritäten von Rheintaler Künstlern. Eine ähnliche Versteigerung, die ebenfalls «Kunst und Krempel» hiess, führte der Kulturverein Widnau vor sechs Jahren am Moschti-Fäascht durch. Die Auktion in Balgach wird die letzte dieses Namens gewesen sein, sagt Urs Sieber. Der Vorstand habe sich noch auf keinen neuen Namen festgelegt, werde aber bestimmt einen finden. Eine Anregung mag bei der Namensfindung die Auswahl an Synonymen (s. Kasten) aus dem aktuellen Duden sein. Und wenn dies nicht reicht, böte sich das alte Rheintaler Wort «Glump» für Krempel an.

Noch keinen neuen Namen für ihren regelmässigen kleinen Flohmarkt im Widnauer «Forum»-Innenhof suchen Susi und Hannes Köppel. Auch er heisst «Kunst und Krempel» oder «K&K». Hannes Köppel lacht: Bei ihm habe sich der Bayrische Rundfunk noch nicht gemeldet. Und falls, werde er erklären, dass K&K für «Köppel und Köppel» steht. Köppels sind nicht allein: Im deutschsprachigen Raum gibt es reihenweise Flohmärkte, Kindernachmittage, Galerien und gar ein Museum dieses Namens. Sogar der Caritas-Shop in Zürich heisst «Kunst und Krempel».