Bauriet: Vielfältiges Versorgungsreservoir

In die Kälteperiode nach der Mitte des 18. Jahrhunderts fallen die Aufteilungen des Bauriets und des Eisenriets. Auslöser waren Missernten und daraus folgende Engpässe in der Getreideversorgung, die zu Hungersnöten führten.

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Flugansicht auf das Bauriet und den Flughafen Altenrhein (1954). (Bild: Foto Gross, St. Gallen)

Flugansicht auf das Bauriet und den Flughafen Altenrhein (1954). (Bild: Foto Gross, St. Gallen)

In die Kälteperiode nach der Mitte des 18. Jahrhunderts fallen die Aufteilungen des Bauriets und des Eisenriets. Auslöser waren Missernten und daraus folgende Engpässe in der Getreideversorgung, die zu Hungersnöten führten. Aus den Teilungen und Privatisierungen des gemeinsam genutzten Weidelands erhoffte man sich eine Ertragssteigerung und eine bessere Selbstversorgung mit Ackerfrüchten. Die aussagekräftigen «Verordnungen» über die Teilung des Bauriets aus dem Jahr 1770 lagern im Ortsgemeindearchiv von Rheineck.

Als Allmend benutzt

Das Bau- oder Buriet reichte von der Ortschaft Buriet bis zum Bodenseeufer in der Speck. Es wurde von den Gemeinden Thal und Rheineck als Allmend benutzt und durch das gemeinsame «Untergangsamt» verwaltet. Die Nutzungen deckten ein breites Spektrum von existenziellen Bedürfnissen ab. Das Rietgras ernährte Vieh und Pferde, die zahlreichen Obstbäume, Felben (Weissweiden) und Eichen versorgten die Bevölkerung mit Baumfrüchten und Holz, die Eicheln dienten der Schweinemast. Holz war ein wichtiger und vielseitig verwendbarer Rohstoff. Es konnte zum Heizen und Kochen, für Dammbauten und für Weinfässer verwendet werden. Kompostierte Streue und eingesammelter Dung von Weidetieren lieferten den dringend benötigten Dünger für den Rebbau. Lehm aus dem Rietboden diente damals als Grundstoff für Ziegel und Öfen. Aus dem Steinbruch «unter dem Thürli» wurden Steine für den Dammbau zum Rhein transportiert.

Durch Kinder verlost

Die meisten dieser Nutzungen wurden in der Teilungsurkunde von 1770 geregelt. Der Boden wurde parzelliert, durch «unschuldige Kinder» an die einzelnen Haushaltungen verlost und den Bürgern zur freien Bebauung überlassen. Diese Zuteilung an die Haushaltungen erfolgte bis Ende des 18. Jahrhunderts auch im südlich gelegenen, grösseren Eisenriet. 1771 wurde mit der Verteilung an die Gemeinden Altstätten, Oberriet, Marbach-Rebstein, Balgach, Berneck, Widnau-Haslach eine Voraussetzung dafür geschaffen. Johann Rudolph Steinmüller, Pfarrer und Landwirtschaftsreformer in Gais und Rheineck, beurteilte die Eisenriet-Teilungen als «reiche Quelle des Wohlstandes». Über weitere Funde im Rahmen des Projekts «Rechtsquellen und Geschichte des Rheintals» wird demnächst berichtet. (pd)