Barock- statt Froschkonzert

Als Kontrapunkt zu den vielfältigen kulturellen Themen der Vollmond-Gespräche plant Froschkönig, der Kulturverein von Schloss Grünenstein, Ende September erstmals ein kleines Barockfestival.

Maya Seiler
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Die Initianten der Barock-Tage, Urs Stieger, Luzia Bänziger und Werner Lippuner (von links), vor dem Gartenhaus im Barockgarten. (Bild: Maya Seiler)

Die Initianten der Barock-Tage, Urs Stieger, Luzia Bänziger und Werner Lippuner (von links), vor dem Gartenhaus im Barockgarten. (Bild: Maya Seiler)

BALGACH. Schloss und Garten atmen den Geist des Barocks; schliesst man die Augen, meint man das Rascheln von seidenen Roben und die Klänge barocker Musik zu hören. Und in einem der Räume trifft man vielleicht das Porträt des wohl wichtigsten Schlossherrn in der Geschichte von Grünenstein, Jacob Laurenz Custer. Darauf ist ein barocker Herr zu sehen, im farbigen Just-au-corps, in reich gestickter, seidener Weste, den wertvollen Degen an der Seite, ein typischer Vertreter des zweiten Standes, der Oberschicht.

Standesgemässe Residenz

Der erfolgreiche Geschäftsmann und Politiker kaufte 1791 das Schloss Grünenstein als Sommersitz, wo er ein gastfreundliches Haus pflegte. Der Rokoko-Musiksaal im Osttrakt mit einem Hammerflügel aus der Zeit Beethovens war oft Schauplatz für Konzerte im Kreis von Freunden.

Custer, selber kinderlos, errichtete für die Erben seines Bruders die Custer'sche Familienstiftung. Diese überliess den Nachkommen nur den Ertrag; das Vermögen selbst blieb unangetastet. In finanziellen Angelegenheiten nicht sehr haushälterisch, hatten die nächsten Generationen kein Geld, um im Schloss etwas zu verändern, was sich heute für Grünenstein als grosses Glück erweist: Der Bau aus dem 18. Jahrhundert zeigt noch unveränderte barocke Formen und originales Mobiliar.

1983 übernahmen Max und Walter Custer, selber Begünstigte der Stiftung, das herrschaftliche Anwesen und nutzen seither das Schloss im Sinne von Jacob Laurenz Custer: Es wird von mehreren Parteien bewohnt und steht der Allgemeinheit zu besonderen Gelegenheiten zur Verfügung.

Barocke Musik im Schloss

Was lag daher näher, als Schloss Grünenstein zum Ort barocker Begegnungen zu wählen? Der Kulturverein lädt am 26. und 27. September alle Musikfreunde zu Barockmusik aufs Schloss. Mit den Vollmond-Gesprächen, initiiert von Schlossverwalterin Luzia Bänziger, ist das Schloss Grünenstein seit Jahren ein wichtiger Pfeiler der Rheintaler Kulturlandschaft. Mit dem kleinen Barock-Festival kommt eine neue Facette hinzu. Musiker und Minnesänger Urs Stieger, Mitbegründer des Kulturvereins Froschkönig, hat durch die Lieder des schwedischen Rokokosängers Carl Michael Bellmann eine Affinität zur Epoche.

Als Fachmann weiss er auch, dass in der damaligen Zeit die Harmonik der Räume mit der Musik korrespondierte. Mit barocken Kompositionen will er die Klänge aus dieser Zeit ins Schloss zurückbringen.

In authentischer Umgebung, im kleinen Kreis – der Konzertsaal bietet Platz für höchstens 50 Besucher – spielen am letzten September-Wochenende das Barockensemble Girandola und das Duett Paul Giger/Marie-Louise Dähler Musik aus dieser Epoche. Urs Stieger singt mit der Bellmanns-Band Lieder des schwedischen Dichters und Komponisten. Ein Kinderprogramm lässt junge Besucher in die Rolle der Barock-Prinzessin oder des -Prinzen schlüpfen.