Barock auf Schloss Grünenstein

BALGACH. Ein barockes Schlösschen, drei Barockkonzerte mit grosser Bandbreite und ein barockes Lebensgefühl für Kinder. Gegen hundert Besucher jeden Alters liessen sich am Wochenende von Schloss Grünenstein und einer bedeutenden Epoche der Geschichte verzaubern.

Maya Seiler
Merken
Drucken
Teilen
Das Publikum war ergriffen von den Darbietungen der Musiker, die mit den Räumen des Schlosses harmonierten.

Das Publikum war ergriffen von den Darbietungen der Musiker, die mit den Räumen des Schlosses harmonierten.

Das kleine Barock-Festival auf Schloss Grünenstein, inszeniert von Urs Stieger, Luzia Bänziger und dem Froschkönig-Team, wurde zu einem grossen Erfolg. Die zahlreichen Besucher schätzten die intime Atmosphäre der kleinen Konzerträume, in denen das Echo der fernen Epoche noch nachzuhallen schien. Trinklieder und satirische Songs des schwedischen Barock-Barden Carl Michael Bellmann eröffneten die speziellen Begegnungstage. Urs Stieger sang mit der Bellmannsband von Wein und Liebe, begleitet von Susanne Scheier, Gitarre, und Veronika Ortner-Dehmke, Flöte. Das Barockensemble Girandola riss die Besucher mit seinen Folias und Tientos in den Strudel ihrer Musik. Neben Telemann und Corelli begeisterten quirlige italienische Barockstücke sowie englische Tänze aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Mit Girandola hatte die Cembalistin Marie-Louise Dähler ihren ersten Auftritt anlässlich der Barocktage auf Grünenstein. Sie begleitete Annina Stahlberger, Blockflöte, Christine Baumann, Violine, Gerhard Oetiker, Cello, und Maria Ferré, Laute und Barockgitarre.

Prinz oder Prinzessin sein

Während drei Barockkonzerte auf die erwachsenen Gäste warteten, erlebten Kinder die Freuden und Pflichten adliger Fräuleins und junger Herren dieser Epoche. Wie Porträts im Musiksaal beweisen, wohnten auch vor 200 Jahren Kinder auf Schloss Grünenstein. Der Froschkönig persönlich führte die jungen Besucher in das Leben von damals ein. Sie erhielten barocke Gewänder und durften ein Schwert bemalen. Die Schlossbewohnerin Heidi Rohner lud die jungen Besucher zudem in ihre Gemächer. Sie erzählte das Märchen von «Dornröschen», das die Gebrüder Grimm vor 200 Jahren aufgeschrieben hatten. Als die Erzählerin zu der Stelle kam, wo Dornröschen zuoberst in den Schlossturm steigt, wies der Froschkönig auf eine kleine Eisentür, die in den Turm hinaufführt. Oben im Turmzimmer fanden die Kinder eine alte Frau am Spinnrad; von ihr hörten sie den Schluss des Märchens. Mo Keist sowie Martina und Claudia Jenny bereiteten den Eintages-Prinzen und -Prinzessinnen einen unvergesslichen Nachmittag.

Beeindruckende Leistung

Am Sonntagabend konnte das kleine Turm-Foyer die Besucher kaum fassen, die gekommen waren, um Paul Giger und Marie-Louise Dähler zu erleben. Herbstanfang und Vollmondnacht prägten ihr Programm, das drei Sonaten umfasste: die Triosonate in h-Moll von Bach, flankiert von Isabella Leonarda und Dario Castello. Diese barocken Perlen waren eingefasst von Improvisationen und Eigenkompositionen: der Hall des grossen Gongs, atmosphärische Violinklänge, die mit den Obertönen jonglierten, das Windsäuseln der Cembalosaiten. Die Geräusche wurden zu Rhythmen auf Saiten oder auf dem Resonanzkörper des Streichinstruments. Paul Giger spielte eine ganze Percussions-Improvisation mit dem Rand des Bogen-Bezugs, mit Handflächen und Fingern. Marie-Louise Dähler zupfte die Cembalo-Saiten oder bespielte sie wie ein Hackbrett mit Ruten. Die so erzeugten Töne entzogen sich jeder Beschreibung; atemlos folgten die Zuhörer den Spährenklängen. Das Cembalo wechselte zu barockem Wohllaut, und man glaubte, frühere Schlossbewohner zu sehen, sich im Menuett drehend oder im Garten lustwandelnd.

Das ergreifende Konzert endete humorvoll mit einem Zäuerli, gesungen von der Geige und begleitet vom Barock-Cembalo als Hackbrett. Die Zuhörer dankten mit lang anhaltenden stehenden Ovationen.

Paul Giger und Marie-Luise Dähler spielten vor vielen Zuhörern.

Paul Giger und Marie-Luise Dähler spielten vor vielen Zuhörern.

Märchenstunde für Kinder, die sich wie Adelige kleiden durften. (Bilder: Maya Seiler/pd)

Märchenstunde für Kinder, die sich wie Adelige kleiden durften. (Bilder: Maya Seiler/pd)