Balgistanisches Wintermärchen

«Knatsch um Antrag», Ausgabe vom 26. November

Willy Gerber, Balgach
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«Knatsch um Antrag»,

Ausgabe vom 26. November

Es war einmal ein kleines Königreich im Morgenland, das hiess Balgistan. Seine Bewohner waren seit jeher fleissige und sparsame Leute, was ihnen einigen Wohlstand bescherte. Besonders stolz waren die Balgistaner jedoch darauf, ihr Geschick weitgehend selbst bestimmen zu können. Sie lebten denn auch mehrheitlich zufrieden und glücklich dahin, bis sich eines Tages ihre Königin, in die sie anfänglich grosse Hoffnungen gesetzt hatten, zunehmend von ihnen entfremdete. So machten sich die Königin und ihr Hofrat daran, die über lange Zeit durch die Untertanen mühsam geäufnete Schatzkammer zu plündern. Es sollte mit den vielen Golddukaten eine luxuriöse Prunkbaute errichtet werden, allein um das Ansehen ihres Königreiches in der weiten Welt zu mehren. Dies missfiel jedoch vielen ihrer sparsamen und demokratisch gesinnten Untertanen, und sie begannen zu murren.

Die Königin wollte jedoch weder auf vernünftige Hofräte, noch auf Hofnarren und ihre Untertanen hören. Sie wurde immer autoritärer und zog sich schmollend in die königlichen Arbeitsgemächer zurück. Das geplagte Volk rief nun in seiner Not seine Schutzpatrone an, die heiligen Drei Könige, und bat sie um Hilfe: Sie mögen doch bitte durch den Himmelsboten Aloisius auch ihrer Königin, mitsamt dem Hofrat, die göttlichen Eingebungen überbringen lassen! Bis heute hoffen sie darauf allerdings vergebens. Doch auch in Balgistan gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und wenn sie nicht gestorben sind, so hoffen sie noch heute.

P. S.: Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten wären weder zufällig noch ungewollt!