BALGACH: «Üsers Verahus ischt schpitze»

Zusammen mit den Pensionären feierte die Bevölkerung am Samstagmittag das 50-Jahr-Jubiläum vom «Verahus». Der Tag der offenen Tür fand regen Anklang.

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Gross war das Interesse der Bevölkerung am Tag der offenen Tür im «Verahus». Und so hiessen Gemeindepräsidentin Silvia Troxler und Heimleiter Manuel Allemann nach dem Imbiss im Wintergarten zur schlichten 50. Geburtstagsfeier des Senioren- und Spitexzentrums Verahus willkommen. Einen besonderen Gruss entbot die Gemeindepräsidentin ihrem Vorgänger Ernst Metzler und dem früheren Heimleiter Markus Zäch.

Etwas Wertvolles erschaffen und weiterentwickelt

«Fünfzig Jahre sind eine lange Zeit», stellte Silvia Troxler fest. Da lohne es sich ganz bestimmt, innezuhalten und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Im Verlauf des vergangenen halben Jahrhunderts habe sich am Grünensteinerfeld etwas sehr Wertvolles entwickelt. Dank dem Wohlwollen der Balgacher Unternehmerdynastie Schmidheiny sei der Stein ins Rollen gekommen. So teilte im Dezember 1964 Max Schmidheiny der Gemeinde mit, dass seine Familie aus dem Nachlass der verstorbenen Mutter Vera der Gemeinde 1,5 Mio. Franken für den Bau eines Alters- und Pflegeheimes schenken wollte. Als Standort schlug Schmidheiny den gemeindeeigenen Boden hinter der Kiesgrube im Grünen­steinerfeld vor. An die Schenkung war jedoch die Bedingung geknüpft, dass die Gemeinde den Boden zur Verfügung stellt und das Projekt innerhalb der nächsten drei Jahre verwirklicht wird.

Die Balgacher hätten sich nicht lange bitten lassen, meinte Silvia Troxler. 1965 wurde ein Projektwettbewerb ausgeschrieben und im September des gleichen Jahres das Siegerprojekt, verfasst von der Architektengemeinschaft Rausch, Ladner und Clerici, der heutigen RLC Architektur aus Rheineck, ausgewählt. 1966 wurde zudem ein Staatsbeitrag in Höhe von 400000 Franken zugesichert. Weniger erfreut habe die damit verbundene Vorgabe, dass das «Verahus» auch Personen aus dem regionalen Einzugsgebiet offen stehen müsse, sagte Troxler weiter. Das Gesuch des Gemeinderates, von dieser Regelung abzusehen, sei vom Regierungsrat zurückgewiesen worden. Am 12. August 1967 fand dann die offizielle Eröffnung statt und schon kurz danach war das Altersheim mit 36 Altersheimzimmern und zehn Pflegebetten voll besetzt. Trotz eines Mehrausbaus von sechs Zimmern im Dachgeschoss waren die Baukosten von 2,7 Mio. Franken gegenüber dem Kostenvoranschlag um 62000 Franken unterschritten worden.

Damit man künstlerischen Schmuck finanzieren konnte, verschickte man einen Bettelbrief. Die Gedenktafel zu Ehren der Stifterfamilie wurde vom einheimischen Bildhauer Robert Jenny geschaffen. Mit einem Teil der Spenden, nämlich 25000 Franken, wurde überdies ein Fonds zur Linderung von Härtefällen gemeindeeigener Pensionäre errichtet.

Dank stetigem Ausbau noch jugendlich frisch

Wie Gemeindepräsidentin Silvia Troxler erklärte, wurden im Verlauf der Jahre verschiedene Arbeiten ausgeführt: 1985 Erweiterung des Lifts bis ins dritte Stockwerk; 1987 Erweiterung der Pflegeabteilung um vier Betten; 1994 bis 1996 grosse Sanierung von Fassade, Dach und Erweiterung des Speisesaals; 2008 Erweiterung der Cafeteria um einen Wintergarten und Einbau eines zweiten Lifts. All das habe dazu beigetragen, dass das «Verahus» nach 50 Jahren noch jugendlich und frisch dastehe, erklärte Troxler. Man wolle älteren Mitmenschen ein würdiges Zuhause bieten. Zudem gelte der Menschlichkeit ein besonderes Augenmerk, was in den Dienstleistungen zum Ausdruck komme. Dies wurde spürbar, als die Bewohnerin Fini Kehl aufstand und als wohlgemeintes Dankeschön ausrief: «Üsers Verahus ischt schpitze – die Köche, der Service und die professionelle Betreuung.»

Silvia Troxler wagte auch einen Ausblick. Selbst wenn das «Verahus» heute noch mit Glanz dastehe, müsse man sich im Beirat mit der Zukunft befassen, denn die Gesellschaft befinde sich im steten Wandel. Die Menschen würden älter und seien mitunter fitter. Somit veränderten sich die Anforderungen und Bedürfnisse. Ob möglichst langer Freiheit und Unabhängigkeit wolle man Leistungen abrufen, wenn man sie brauche. Bei der Spitex drängen mehr private Anbieter auf den Markt. So befasse sich der Beirat derzeit mit stationären und vorgelagerten Aufgaben und stelle dabei die Bedürfnisse der älteren Generation in den Mittelpunkt, sagte Troxler. So gesehen werde es im «Verahus» mit Mitarbeitenden im Hausdienst und in der Pflege künftig noch viele schöne Jubiläen zu feiern geben.

Bald spielte bei Kaffee und Gebäck die Kapelle Bienengift auf, wobei das eine oder andere Tänzchen gewagt wurde. Gruppenweise überzeugten sich die Besucher im Rundgang davon, dass im «Vera­hus» die Menschlichkeit als oberstes Gebot gilt.

René Jann

Impressionen vom Jubiläumsfest finden sich auf rheintaler.ch unter Bilderstrecken.