BALGACH: Mit dem Körper Geschichten erzählen

Die 15-jährige Yara Lutz aus Balgach möchte später als professionelle Tänzerin in Opernhäusern auftreten. Seit diesem Sommer besucht die frühere OMR-Sportschülerin das Tanz-Gymnasium in Essen-Werden (Deutschland).

Yves Solenthaler
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Die 15-jährige Yara Lutz aus Balgach besucht die nächsten vier Jahre ein Gymnasium in Deutschland, um ihrem Berufsziel – künstlerischer Bühnentanz – näher zu kommen. (Bild: PD)

Die 15-jährige Yara Lutz aus Balgach besucht die nächsten vier Jahre ein Gymnasium in Deutschland, um ihrem Berufsziel – künstlerischer Bühnentanz – näher zu kommen. (Bild: PD)

Angefangen hatte Yara Lutz als kleines Mädchen in der Rhythmischen Gymnastik, wo sie es bis ins Ostschweizer Leistungszentrum geschafft hat. Als Dritte der Schweizer Meisterschaft 2012 besass sie gar eine Swiss-Olympic-Talentcard.

Über eine Kollegin ist Yara Lutz vom Tanzfieber infiziert worden. In der Dance Hall Götzis fand sie eine ihr zusagende Tanzschule. Erfolge stellten sich rasch ein, gar auf internationaler Ebene: 2015 wurde sie Vizeweltmeisterin im «Solo Contemporary».

Das künstlerische Flair hatte die Balgacherin zum Tanzen hingezogen. «Auch im Sporttanz ist gerade bei den zeitgenössischen Tänzen mehr Ausdruck möglich als in der Rhythmischen Gymnastik, wo es vor allem darauf ankommt, sehr präzis zu turnen», sagt Yara Lutz. Aber auch da gibt es strenge Wertungsrichter, die für ein leichtes Abweichen von der Norm Zehntelpunkte abziehen.

Künstlerischer Ausdruck statt sportlicher Präzision

Erst vor einem Jahr ist der Balgacherin klar geworden, dass sie nicht eine sportliche oder kommerzielle Laufbahn einschlagen möchte. Ihr Traum ist es, auf grossen europäischen Bühnen in anspruchsvollen Produktionen mitzuwirken. Deshalb nimmt Yara Lutz nun eine vertiefte künstlerische Tanz-Grundausbildung in Angriff. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Schulbildung.

Eine Karriere als Tanzprofi ist kurz, die Gagen sind selten so üppig, dass sich gross vorsorgen lässt. «Die schulische Ausbildung ist auch deshalb wichtig», sagen die Eltern Claudia und Marco Lutz. In Essen (Bundesland Nordrhein-Westfalen) kann Yara Lutz in vier Jahren das deutsche Abitur erlangen, das von den Möglichkeiten her mit der Schweizer Matura gleichzusetzen ist.

Das Gymnasium Essen-Werden ist die einzige deutschsprachige Schule, die eine höhere Schulbildung sowie eine klassische und zeitgenössische Tanzausbildung anbietet. Um an einer derart renommierten Schule aufgenommen zu werden, muss natürlich eine Aufnahmeprüfung bestanden werden. Bei 17 Prüfungsteilnehmerinnen (fast nur Mädchen) waren gerade zwei Plätze zu vergeben. Nach dem Vorsprechen und einer zweitägigen Aufnahmeprüfung bekam Yara Lutz den Zuschlag, die Schule und das Tanzinternat im Ruhrpott zu besuchen. Das angestrebte Upgrade fürs Sport-Tanzinternat bekam sie kurz darauf.

Seit zwei Wochen lernt, trainiert und wohnt Yara Lutz nun in Essen, rund sechs Autostunden von Balgach entfernt: «Dass Yara unter Heimweh leidet, glaube ich nicht», sagt die Mutter, «sie ist eine, die sich anpassen kann und jeweils schnell neue Freundinnen findet.»

Choreos schreiben und mit dem Herzen tanzen

Yara Lutz bedauert bloss die Tatsache, dass sie für das Abschiedsfest ihrer ehemaligen Schulklasse an der OMR (Oberstufe Mittelrheintal) in Heerbrugg nicht die Choreographie schreiben kann. Denn die Tanzelemente zu einem ganzen Stück zu verweben, ist eine Freizeitbeschäftigung der Tanzbegeisterten. Manchmal ist sie mit selbst choreographierten Tänzen auch an kleinen Festen aufgetreten – eine Möglichkeit, die sie im Ruhrpott nicht hat.

Ihre Entfaltungsmöglichkeiten sieht Lutz im zeitgenössischen Tanz. Aber für die Grundlage gehört der klassische Tanz ebenso zur Ausbildung: «Ballett ist für mich fast dasselbe, wie es früher die Rhythmische Gymnastik gewesen ist: Es bildet die Basis. Mit dem Herzen dabei bin ich aber bei modernen Tänzen.»

Im Gespräch ist spürbar, wie Yara Lutz' Herz fürs Tanzen schlägt. Ohne darob den Kopf zu verlieren; ihre Vorstellungen der Zukunft sind recht konkret. Sie möchte nicht Unterhaltungstänzerin sein, sondern strebt in einigen Jahren – bis die Ausbildung zur Bühnentänzerin abgeschlossen ist, dauert es mindestens sechs Jahre – ein Engagement etwa in Duisburg an, wo der Appenzeller Martin Schläpfer als künstlerischer Direktor arbeitet. Nach den Bühnenjahren sieht sie sich als Choreographin und/oder Tanzpädagogin.

Aber vorerst ist Yara Lutz etwas ganz anderes wichtig, das sie mehrmals erwähnt: «Ich möchte den Leuten mit meinem Körper eine Geschichte erzählen.»