BALGACH: Hutter prägt das Musical neu

Zum siebten Mal ist Willy Hutter Regisseur beim Nostalgietheater. Das volkstümliche Musical «Nach em Räge schint d' Sunne» hat er von Grund auf überarbeitet. Am 7. Oktober ist Premiere.

Monika von der Linden
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«Nach em Räge schint d' Sunne» – Regisseur Willy Hutter inszeniert für den Pressetermin sogar den Titel des Stücks, mit dem das Nostalgietheater Balgach am 7. Oktober Premiere feiert. (Bild: Monika von der Linden)

«Nach em Räge schint d' Sunne» – Regisseur Willy Hutter inszeniert für den Pressetermin sogar den Titel des Stücks, mit dem das Nostalgietheater Balgach am 7. Oktober Premiere feiert. (Bild: Monika von der Linden)

BALGACH. Ein Augenschein in der Mehrzweckhalle Riet erklärt, warum der Verein Nostalgietheater Balgach jeweils drei Jahre zwischen zwei Produktionen verstreichen lässt. Obwohl nicht geprobt wird, herrscht reger Betrieb, auf und hinter der Bühne. Alle Details sollen an der Premiere passen. Das alles zu koordinieren, ist Willy Hutters Aufgabe. Der Regisseur bespricht gerade mit den Technikern, wie sie die schweren Scheinwerfer aufhängen und ausrichten sollen, damit Kulissen, Schauspieler, Tänzer und Sänger im rechten Licht stehen.

Diesmal hat Willy Hutter ein besonders aufwendiges Stück ausgesucht. «Nach em Räge schint d' Sunne» hatte er schon lange im Hinterkopf. Doch erst nach seiner Pensionierung fand er die Zeit, das Musical von Grund auf zu überarbeiten. Das 1954 entstandene Werk ist kaum bekannt. In der Zeit des Rock'n'Rolls wollte niemand solch brave Lieder aufführen. Zum Balgacher Theater passt es gut, es pflegt nostalgische Musicals in alter Form.

Schauspieler bringen eigenen Charakter ein

«Die Theaterfamilie ist fröhlich und langsam nervös», sagt Willy Hutter. «Ist die Stimmung hinter der Bühne gut, fühlt sich jeder gut aufgehoben. Das wirkt sich auf das Stück aus.» Damit er die Schauspieler bei der Stange halten kann, beansprucht der Regisseur sie möglichst wenig. Zum Beispiel bietet er sie nur auf, wenn sie etwas zu tun haben. Einerseits ist das effizient, andererseits wird das Stück nicht chronologisch einstudiert. Dadurch fällt es den Schauspielern manchmal schwer, sich mit der Figur zu identifizieren.

Die Rollen entwickeln sich, je nachdem wie viel der Schauspieler vom eigenen Charakter einbringt. «Ideal ist beim Amateurtheater, wenn sich der Darsteller selbst spielt.»

Zum Beispiel das Meieli: Sollte sie die Tussi vom Land oder die selbstbewusste, sogar aufmüpfige Frau sein? Oder der ältere Herr in der Stadt, der sich in ein Landmädchen verliebt: Sollte er Spinner oder Draufgänger sein? «Wie bringe ich den Schauspieler dazu, den Charmeur zu spielen, ohne ihn lächerlich zu machen?», fragt Hutter rhetorisch. Der Zuschauer soll darüber schmunzeln, dass das Meieli nicht will und er sich wie ein verliebter Teenager benimmt. Gern hätte Willy Hutter Zeit für noch intensivere Proben der gesprochenen Szenen gehabt. Erst wenn man sich vom Spielpartner beeinflussen lässt, kann man improvisieren. Das Wechselspiel untereinander und mit dem Zuschauer schärft die Rolle. Inzwischen haben sich die Abläufe automatisiert und Willy Hutter spürt, dass es bald losgeht. «Das ist ein schönes Gefühl.»

Hutter ist Regisseur, nicht Schauspieler

Die Choreographie mit Tanzschritten habe er an jemanden ausgelagert, der sich mit Swing, Tango und Volkstanz auskenne, sagt Hutter. «Der Gesang ist schön geworden», fasst er die Arbeit von Goran Kovacevic (Musikalischer Leiter), René Reiter (Chorleiter/Chor-Arrangements) und Isabella Pincsek-Huber (Korrepetition) zusammen.

Noch ist der Fokus auf die Premiere gerichtet. Trotzdem meldet sich leise die Frage, wie es danach weitergeht. Im Kernteam sind noch sechs der sieben Gründer vertreten, die sich Ende der 1990er-Jahre gefunden haben. Alle machen es gern, werden aber älter, und es ist nicht sicher, ob in dieser Zusammensetzung auf die siebte Produktion eine achte folgt. Auch beim Alter müssen die Rollen mit den Akteuren übereinstimmen. «Ein junges Liebespaar muss ich suchen», sagt Willy Hutter.

«Sobald ich als Schauspieler auf der Bühne stehe, fühle ich mich verloren», sagt Willy Hutter zum Versuch, selbst einmal in eine Rolle zu schlüpfen. Er könne nicht gleichzeitig Regisseur und Schauspieler sein. «Ich bin der Kontroll-Typ und muss alle Fäden in der Hand haben.»

Vorverkauf Telefon 079 357 06 46 (8.30 bis 11.30 Uhr), www.nostalgiethea ter.ch oder in allen Geschäftsstellen der Alpha Rheintal Bank (Schalterverkauf).