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BALGACH: Grünenstein-Torkel wird neu

Auch wenn der Löwe das Gemeindewappen ziert anstatt einer Rebe, hat Wein im Ort eine lange Tradition. Weil das Schloss Grünenstein ein Teil davon ist, wollen dessen Besitzer nun in den Weinbau investieren.
Kurt Latzer
Die Besitzerfamilie des Schlosses Grünenstein investiert in die Neuausrichtung des Weinbaus und in den Torkel. (Bild: Kurt Latzer)

Die Besitzerfamilie des Schlosses Grünenstein investiert in die Neuausrichtung des Weinbaus und in den Torkel. (Bild: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

Keine Scheune, kein Stall, weder Gasthaus noch Herberge: Viele Leute kennen zwar den Holzbau am Fusse des Schlosses Grünenstein, wenige aber seine Geschichte. Es ist der Torkel, und der gehört seit je zu Grünenstein. Die heutige Form verdankt das Schloss mit seinem mittelalterlichen Turm dem Zufall, einem Gewinn in der niederländischen Staatslotterie im Jahre 1776. Wenige Jahre später, 1790, kaufte Jakob Laurenz Custer das Schloss, das er als Sommersitz nutzte. Lorenzo Custer, Architekt und Mitglied der heutigen Besitzerfamilie, glaubt, das Holzgebäude in den Reben stamme aus jener Zeit, als der einstige Lehenssitz zum Barockschloss umgebaut wurde. «Auf der Tür des Torkels ist die Jahreszahl 1859 zu lesen», sagt Custer, «in Wirklichkeit, so vermute ich, ist der Torkel älter, er dürfte zwischen 1780 und 1790 bebaut worden sein.» Teile davon könnten sogar älter sein.

Burgunder Keller ist das «Familiensilber»

Aufgrund seiner Grösse und Gestaltung geht der Architekt davon aus, beim Gewölbe handle es sich um einen Keller, wie er damals und heute im Burgund zu finden ist. «Das Mass der Burgunder Keller basiert auf dem der Barrique. Genau vier Reihen dieser Fässer passen in das Gewölbe», sagt Lorenzo Custer. Neben anderen Abklärungen habe man diesen Sommer die Temperatur im Keller gemessen. Während draussen über 30 Grad Celsius herrschten, wurden im Gewölbe konstant 16 Grad gemessen.

Der Weinexperte Christian Zündel, der an der Neuorientierung des Merlots im Tessin beteiligt war und Präsident des Clubs Memoire des Vins Suisse ist, habe eine Expertise erstellt. «Er hat uns gesagt, ihr müsst den Torkel wieder in Betrieb nehmen. Der sei wie das Familiensilber», sagt Lorenzo Custer mit einem Lächeln. Danach habe man ein Konzept ausgearbeitet, um im Torkel Qualitätsweine zu produzieren. «Der Weinbau hat in Balgach eine Chance, wenn wir in Richtung lokaler Top-Weine gehen», sagt der Architekt.

Alte Presse nicht zu verwenden

Zudem sehen die Schlossbesitzer den Torkel mit den Reben als einen Teil der Parkanlagen des Schlosses, der 2012 in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Kanton aufgewertet und 2013 eingeweiht wurde. «Wir hatten uns schon vor längerer Zeit die Neuorientierung des Rebbaus zum Ziel gesetzt, bei der der Torkel als Produktionsort weiter verwendet wird», sagt Lorenzo Custer. Die alte Weinpresse im Torkel könne man nicht mehr verwenden, da wesentliche Teile, wie etwa der Torkelbaum, fehlen. Geplant sei eine Produktion mit modernen Mitteln in Verbindung mit der Lagerung der Weine im Gewölbe, in Barrique. Früher wurden Torkel und Keller für Partys und andere Anlässe genutzt. Wird das im neuen Torkel wieder so sein? «Nein. Wir haben mit den Nachbarn vereinbart, dass es nur noch sporadisch Anlässe wie etwa Weindegustationen geben soll.»

Die Schlossbesitzer investieren in das Projekt etwa eine Million Franken. Es handle sich um eine konservative Restaurierung in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege. «Der Gang weg von Massen- und hin zu Qualitätsweinen ist uns sehr wichtig. Mit dieser Neuausrichtung wollen wir einen Beitrag zur Weinkultur in Balgach und in der Region leisten», sagt Lorenzo Custer.

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