Bädele und festen im Güllefasspool

Für ihre Lehrabschlussarbeit hatten drei junge Elektriker aus dem Rheintal und Werdenberg eine ziemlich schräge Idee: Sie bauten ein altes, verrostetes Druckfass in einen mobilen, beheizbaren Whirlpool mit Soundanlage um.

Max Tinner
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REBSTEIN/LÜCHINGEN/OBERSCHAN. Ein Güllefass und ein Whirlpool. Das eine ist dreckig und stinkt, das andere sauber und entspannend. Malik Bucher aus Lüchingen, Fabian Oesch aus Rebstein und Samuel Sätteli aus Oberschan beweisen nun aber, dass sich beides vereinen lässt. Die drei jungen Elektriker wollten für ihre Abschlussarbeit einen mobilen Pool bauen – einen Pool, weil in der heutigen hektischen Zeit das Bedürfnis nach Erholung gross ist und sich dafür ein Whirlpool besonders eignet. Mobil sollte er sein, damit alle drei etwas von ihm haben.

Schwer aufzutreiben

Nach einigem Hin-und-her-Überlegen entschieden sie sich für ein Druckfass, weil sie fürchteten, einen umgebauten Autoanhänger nicht durch die Motorfahrzeugkontrolle zu bekommen. Ein ausrangiertes Güllefass aufzutreiben, erwies sich dann aber als gar nicht so einfach. Die drei überlegten sich schon, eines in Deutschland zu kaufen, als sie im Internet dann doch noch auf eines bei einem Garagisten in Flums stiessen.

Mit Sättelis Traktor holten sie das über 50 Jahre alte Druckfass ab und fuhren es nach Lüchingen, wo ihnen Vater Bucher für ihr Umbauprojekt Platz in einer Remise gemacht hat. Als erstes stand eine gründliche Reinigung an. Dann ging es ans Aufschneiden des Fasses. Als mühsam erwies sich das Entfernen der alten Farbe und der vielen Rostflecke. Sandstrahlen und abbeizen brachten nichts; nur abschleifen half. Armierungseisen wurden zurechtgebogen und als Kantenschutz verbaut, Stützen wurden angeschweisst sowie die alten, spröden Reifen durch Lastwagenpneus ersetzt.

Ausgestattet mit allen Schikanen

Dann ging es ans Ausstatten des Fasses mit Sitzbänken, mit Unterwasserscheinwerfern, mit einer Holzfeuerung samt Schutzgitter und mit einer Soundanlage. Für alles waren vorgängig Halterungen anzuschweissen. Nicht zu vergessen die Luftzufuhr der Sprudelanlage. Vor dem Einbauen der Technik wurde das Fass neu grundiert und mit einem Poolanstrich versehen. Auch ihr Elektrikerwissen brauchten die drei Lehrlinge, beispielsweise für die Stromversorgung und die Steuerungen für Licht-, Ton- und Sprudelanlage, aber auch für spezielle Anpassungen, etwa damit ein altes für drei Phasen vorgesehenes Gebläse an einem einphasigen Generator betrieben werden kann.

Acht Tage à zehn Stunden haben Malik Bucher, Fabian Oesch und Samuel Sätteli an ihrem Güllefasswhirlpool gearbeitet und dazu noch an so manchem Abend nach der Arbeit. Zwei Wochen vor Abschlusstermin wurden sie fertig – dann galt es noch die Dokumentation zu schreiben. Insgesamt gab das Projekt viel mehr Arbeit, als sie gerechnet hatten. Dass es gelungen ist – und bei der Präsentation der Abschlussarbeiten den zweiten Preis gewann – freut sie umso mehr, als ihr Lehrer zunächst an der Machbarkeit innerhalb der gesetzten Frist gezweifelt hatte, wie sie sagen. Allerdings würden sie sich diesen Aufwand auch sicher nicht ein zweites Mal antun, geben sie zu.

Trotz Unterstützung durch Sponsoren (unter anderem durch die Brauerei Sonnenbräu und die Tamina Therme, Bad Ragaz) steckte jeder über 1000 Franken aus dem Lehrlingslohn für Materialkosten in das Projekt.

Tageweise zu mieten

Über kurz oder lang dürften sie diese Auslagen aber wieder hereinholen. Über Facebook haben sie ihren mobilen Güllefasswhirlpool nämlich vor einer Woche zur tageweisen Miete ausgeschrieben. Seitdem wurde die Bildergalerie fast 200-mal geteilt. Und bereits ist der Pool für neun Wochenenden gebucht.

www.facebook.com/ mobilerWhirpool