Bäche zähmen: ein Generationenwerk

Die Unwetter von 2004 und zuletzt 2009 hätten viel tragischer enden können, hätte man nicht bereits im vorletzten Jahrhundert begonnen, Auer-, Dürren- und Kobelwiserbach zu zähmen. Am 30. März entscheiden Eichbergerinnen und Eichberger über weitere Schutzmassnahmen.

Kurt Latzer
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Wären die Geschiebe- und Holzrechen in den vergangenen Jahren nicht sukzessive erneuert und ergänzt worden, hätte es bei den Unwettern von 2004 (Bild) und 2009 zu noch grösseren Zerstörungen kommen können. (Archivbild: Bänziger Partner AG)

Wären die Geschiebe- und Holzrechen in den vergangenen Jahren nicht sukzessive erneuert und ergänzt worden, hätte es bei den Unwettern von 2004 (Bild) und 2009 zu noch grösseren Zerstörungen kommen können. (Archivbild: Bänziger Partner AG)

EICHBERG. Auslöser für die jüngsten Hochwasserschutz-Projekte an Auer-, Dürren- und Kobelwiserbach war das Unwetter vom 8. August 2009. «Das Hochwasser hat nicht nur gezeigt, wie wichtig der Erhalt bestehender Bachverbauungen ist, sondern hat auch die noch vorhandenen Defizite aufgezeigt», sagt Reto Walser, Projektverfasser der Bänziger Partner AG in Oberriet. Im Rahmen der Sofortmassnahmen seien nach dem 8. August 2009 allein am Auerbach rund 1,3 Millionen Franken investiert worden, um die grössten Schäden zu reparieren, die Gerinne zu räumen und die Kiesfänge zu leeren.

Zwei Projekte für den Auerbach

Am Freitag, 30. März, entscheiden die Eichbergerinnen und Eichberger über ergänzende Hochwasserschutz-Massnahmen am Auerbach. Diese sind in zwei Projekte unterteilt: «Geschiebe- und Holzrückhalt Wanne» und «Oberlauf». Die Kosten für beide Projekte belaufen sich auf 4,01 Millionen Franken. «Stimmen die Bürgerinnen und Bürger dem Kredit zu, könnte im nächsten Winter mit den Arbeiten am Auerbach begonnen werden», meint Reto Walser. Nach Abzug der zu erwartenden Zuschüsse aus Bern und St. Gallen in der Höhe von 2,35 Millionen Franken, bleiben der Gemeinde Eichberg bei den Massnahmen Auerbach Kosten von gut einer Million, Oberriet 163 000 und Altstätten gut 112 000 Franken. Die Perimeterpflichtigen müssen mit Kosten von rund 199 000 Franken rechnen. Dies entspricht nicht ganz fünf Prozent der Gesamtaufwendungen. In erster Linie geht es bei den Projekten darum, die bei einem Unwetter auftretenden Geschiebe- und Holzmassen zurückzuhalten. Mit dem Ausbau sollen die Bauwerke auf eine Wassermenge von 54 (Lattenwald) bis 70 m3 pro Sekunde (Kiesfang Käpfli) ausgebaut und mit der Vergrösserung der bestehenden und dem Bau von neuen Rückhalteanlagen kann eine Geschiebefracht von 12 000 m3 sowie 2500 m3 Holz zurückgehalten werden.

Arbeit noch lange nicht getan

Weitere Projekte zur Verbesserung des Hochwasserschutzes für Gebiete der Gemeinden Oberriet, Eichberg und der Stadt Altstätten sollen am Dürrenbach und seinen Seitenbächen sowie am Kobelwiserbach realisiert werden.

Die Massnahmen beschränken sich auf die Erweiterung und Ergänzung von bestehenden Anlagen und die Instandsetzung von bestehenden Schutzbauten am Dürrenbach oberhalb des Kiesfangs Dürrenbach. Im Detail handelt es sich um hydraulische Verbesserungen am Kiesfang, den Neubau der Brücke Hard und der Brücke Engtobelbach, um eine Gerinneaufweitung und den Neubau eines Holzrückhalterechens im Gebiet Studen sowie um umfangreiche Instandsetzungsmassnahmen an den zahlreichen, durch Hochwasser beschädigten Sperren am Oberlauf des Dürrenbaches und seinen Seitengewässern.

Für die Realisierung rechnet man mit Kosten von 2,12 Millionen Franken am Dürrenbach und mit 1,2 Millionen Franken am Kobelwiserbach. «Der Umbau des Kiesfanges Dürrenbach und der Bau des Holzrechens haben am Dürrenbach erste Priorität. Am Kobelwiserbach sind die Massnahmen zum Rückhalt des Geschiebes und des Holzes vorrangig. Die Arbeiten sollen innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre realisiert werden», sagt Walser.

Schlimmeres verhindert

Der Ingenieur ist überzeugt, dass die Schäden beim Unwetter von 2009 viel grösser gewesen wären, hätte man an Auer-, Dürren- und Kobelwiserbach in den letzten Jahrzehnten nicht schon so viele Massnahmen umgesetzt. Erste Verbauungen am Galgenbach etwa wurden Ende des 19. Jahrhunderts erstellt, mit zum Teil bis zu sechs Meter hohen Holzsperren. «Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden der Dürrenbach, der Galgenbach und seine Seitengewässer Sandbach, Tuggsteintobel- und Neuenalpbach in verschiedenen Etappen verbaut», heisst es im Bericht von Reto Walser. Erstellt wurden durchgehend Sperrtreppen aus Holz, Stein- und Stein-Betonsperren.

Die alten Verbauungen am Dürrenbach, die zum grossen Teil ihre Lebensdauer erreicht hatten, wurden auf der Basis von drei Projekten in den Jahren 1990 bis 2004 erneuert. «Es wurden 49 neue Sperren gebaut, 116 Bauwerke saniert und weitere Instandstellungsarbeiten bewältigt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 8,16 Millionen Franken. Das war gut investiertes Geld», meint Reto Walser.

Laut Bericht haben die Verbauungen das Hochwasser vom August 2009 meist gut überstanden, obwohl sie für die Wassermassen eines Hochwassers, mit dem alle 200 Jahre zu rechnen ist, nicht dimensioniert waren. Die meisten der 158 Sperren und Schwellen aber hätten den hohen Beanspruchungen standgehalten.

Dass die erwähnten Bäche auf dem Gebiet der Gemeinden Eichberg, Oberriet und der Stadt Altstätten auch künftigen Hochwassern widerstehen, müssen Bauwerke auch in Zukunft überwacht und allenfalls mit weiteren Anlagen ergänzt werden. «Mit den Massnahmen am Auerbach und an Dürren- und Kobelwiserbach ist das grösste Problem gelöst – das Zurückhalten von Geschiebe und Holz», ist Reto Walser überzeugt.