AU/WIDNAU/KOBLACH: Bohren für die Brunnen-«Knacknuss»

Die Internationale Rheinregulierung (IRR) darf im Rheinvorland bohren, um weitere Versuchsbrunnen zu setzen. Bis im nächsten Frühjahr sollen Pumpversuche Aufschluss geben, ob man bestehende Grundwasserbrunnen verschieben kann.

Kurt Latzer
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Die ertragreichsten Grundwasserbrunnen im Rheinvorland sind in unmittelbarer Nähe des Mittelgerinnes. Weitere Tests sollen Klarheit schaffen, ob die Brunnen weiter in Richtung Hochwasserdamm verlegt werden können. (Bild: Kurt Latzer)

Die ertragreichsten Grundwasserbrunnen im Rheinvorland sind in unmittelbarer Nähe des Mittelgerinnes. Weitere Tests sollen Klarheit schaffen, ob die Brunnen weiter in Richtung Hochwasserdamm verlegt werden können. (Bild: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

Kommenden Montag beginnen in Koblach die Gespräche zwischen der Gemeinde und der IRR. Dort geht es um landwirtschaftlich genutzten Boden, der der Gemeinde gehört. Ein Teil der Flächen möchte die IRR für die Aufweitung des Rheindammes nutzen. Die Gemeinde Koblach hat im Sommer mehr Mitspracherecht bei Rhesi verlangt und stellte Forderungen. Die geplanten Dammabrückungen hatte die Gemeinde bereits zweimal abgelehnt. Nun liegt ein neues Projekt auf dem Tisch, bei dem Koblach weniger Fläche verlieren würde. «Ich bin überzeugt, dass sich die Gemeindevertretung und die Internationale Rheinregulierung noch vor Jahresende einigen», sagt Fritz Maierhofer, Bürgermeister von Koblach.

Untersuchungsergebnisse bis Sommer vorlegen

Koblach ist die vorletzte «Rhesi-Knacknuss», die letzte liegt zwischen Widnau und Au. Diese zu knacken, hat sich Markus Mähr, IRR-Projektleiter Rhesi, auf die Fahne geschrieben. «Die zusätzlichen Brunnen, die bis Ende Jahr gebohrt sein sollen, geben Aufschluss, ob man einen Teil der Brunnen in der Nähe des Mittelgerinnes in Richtung Hochwasserdamm verschieben kann», sagt Mähr. Die Bewilligung, auf dem Gemeindegebiet von Au zu bohren, hat die IRR kürzlich bekommen. Der Rhesi-Projektleiter geht davon aus, die Bohrungen bis Ende Jahr abzuschliessen. «Danach folgen Pumpversuche, die je nach Wasserstand bis März/April 2018 dauern können», sagt Markus Mähr. Den Schlussbericht erwartet die Internationale Rheinregulierung bis Juni 2018. Dann wird sich zeigen, ob Brunnen, die weiter vom ­Mittelgerinne entfernt sind, die gewünschte Wasserqualität und -quantität haben. Die Untersuchungen im Rheinvorland finden in Absprache mit dem Kanton St. Gallen und dem Wasserwerk Mittelrheintal statt.

Die Fronten sind klar bezogen

Kann mit der Alternative zu den bestehenden Wasserfassungen, den sogenannten Viscose-Brunnen, zu wenig gutes Wasser geschöpft werden, stehen wahrscheinlich schwierige Verhandlungen bevor. Die Fronten zwischen IRR, den Gemeinden, den Naturverbänden und der Landwirtschaft stehen. Während es in Widnau hiess «ohne Brunnen kein Rhesi», wollen die Naturverbände dem Rhein so viel freien Lauf wie möglich lassen. Dafür aber müssten zwischen Widnau und Au die Brunnen im Vorland versetzt werden. Und die Bauern wollen nicht auf das seit je landwirtschaftlich genutzte Rheinvorland verzichten.

Bei der IRR hat ein Ziel oberste Priorität, nämlich die Hochwasserdämme so rasch als möglich sanieren und stabilisieren zu können. Daniel Dietsche, Schweizer Rheinbauleiter, sagte in einem Interview im Juni 2016: «Die Hochwasserdämme sind über 100 Jahre alt. Sie werden nicht noch einmal 100 Jahre halten.»