Ausverkauf in Altstätten

Es gab einmal den Klosterhügel, wo wir Kinder im Winter die Bobs aus dem Manor auf ihre Belastbarkeit testeten. Leider gibt es keinen Manor mehr und der Klosterhügel wurde komplett verbaut.

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Es gab einmal den Klosterhügel, wo wir Kinder im Winter die Bobs aus dem Manor auf ihre Belastbarkeit testeten. Leider gibt es keinen Manor mehr und der Klosterhügel wurde komplett verbaut. (Seit Manor weggezogen ist, findet man nicht mehr alles, was man im Alltag so braucht, und samstags bilden nur einige wenige Stände den Markt.)

Löcher in der Stadtmauer

Später schlichen wir uns hinter die Stadtmauer beim Frauenhof, um gemütlich aus dem alten Taubenschlag auf das beschauliche Städtchen zu blicken, wo das Leben einst pulsierte. Heute hat die Mauer grosse Löcher, damit aus der dahinter liegenden Altersresidenz durch das zerstörte historische Denkmal geblickt werden kann. Spannend, wie die Stadtplanung diese Residenz in die «Multergasse» von Altstätten einfügte.

Der Stadtkern präsentiert sich immer mehr als reine Wohnzone, so dass das Einkaufen und Kulturelles in der Vorstadt oder gar in anderen Gemeinden zu suchen sind.

Meine Leidenschaft für Basketball musste ich wegen fehlender (abgeschraubter) Körbe bei den Schulen andernorts ausleben. Immerhin überlebte die Gesa, aber es gibt eben noch andere Sportarten als Fussball und Tennis.

Wegbetonierte Erinnerungen

Meine Jugend habe ich zuerst im Jugendtreff im Josefsheim verbracht (das wenigstens noch steht), danach im längst von neuem Wohnraum abgelösten Löwen. Wegbetoniert sind die Erinnerungen. Weil aussen kaum noch etwas bleibt, ist wenigstens eine Wandmalerei aus dem «alten» Rathaus für 100 000 Franken gerettet worden, damit innen nicht alles verschwindet. Da fällt mir ein: Auch das Bordell gibt es ja noch.

Die einst wunderschöne Felsenburg wird derzeit überbaut, der Freihof, an den unzählige Erinnerungen vieler Altstätter geknüpft sind, musste einer Riesenüberbauung weichen. Dafür wurde die schöne Prestegg mit der wohl schönsten (potentiellen) Gartenwirtschaft von Altstätten in ein «Brauhaus» umgewandelt.

Strassen wurde neu gespannt, riesige Bäume auf dem alten Balmer- und Pneu-Egger-Areal wurden ruckzuck gefällt, viel Grün musste Beton weichen, auch beim Balmer-Haus, vor dem es nur noch Asphalt gibt.

Nun wächst die Schande

So geht es munter weiter, die letzten Wiesen an der Rorschacherstrasse werden planiert, die letzten Gärten aus dem Städtli verbannt, nur hier und da wird einem kleinen zarten Bäumchen eine triste Existenz in einem Betonloch gegönnt.

Altstätten war mehr als die Fasnacht, die Röllelibutzen, die Marktgasse. Altstätten bestand aus Ecken und Kanten, aus Giebeln, aus Grünflächen, die Raum schufen, aus Bäumen, die Schatten spendeten und Geschichten zu erzählen hätten, wenn sie denn noch wachsen würden. Doch nun wächst die Schande über all die Sünden, die begangen wurden.

Bisher verschont blieben der Forsthügel mit seiner 350-jährigen Eiche und die Forstkapelle. Auch hier liesse sich problemlos eine Luxusüberbauung pflanzen, die dann einen wunderschönen Blick aufs nicht mehr wunderschöne Städtli böte.

Angesägte Wurzeln

Geradezu ein Sinnbild für die Stadtentwicklung ist die neue öffentliche Toilette beim neu entstehenden Bushof. Sie, die in die Mauer bei der Kirche integriert wird, ist der Grund dafür, dass grosse alte Bäume bei der Kirche zu verschwinden haben. Tief wie ihre Wurzeln reichen auch diejenigen zahlreicher Altstätterinnen und Altstätter. Meine eigenen reichten auch tief, wurden aber über all die Zeit verbetoniert und angesägt.

Philipp Metzler, seit 38 Jahren in Altstätten wohnhaft

Lächeln statt handeln

Während in den Kantonen die Wogen bezüglich der Asylmisere hochgehen, tourt Sommaruga anlässlich ihres Sommerausflugs durch die Schweiz und lächelt die Probleme einfach weg. Dass sich Volk und Kantone Sorgen machen? Unverständlich für die Bundesrätin. Dass die Luzerner Regierung einen Brief nach Bundesbern schickt und die Regierung zum Handeln auffordert? Völlig übertrieben.

Frau Sommaruga winkt jegliche Kritik einfach ab. Die Realität und Fakten spielen offenbar ebenso wenig eine Rolle, wie die einfachen Sorgen der Bürger. Was muss noch passieren, damit Bern reagiert?

Philippe Sinz

Trogenerstrasse 106, Altstätten