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AUSGEHEN: Ist «Luisa» auf der Gästeliste?

In Rheintaler Bars und Clubs gibt es vorerst noch kein Codewort für sexuelle Belästigung. Das Problem ist bekannt, aber anscheinend nicht schwerwiegend genug, damit spezielle Massnahmen ergriffen würden.
Benjamin Schmid
Obschon es «Luisa» nicht auf die Gästeliste schafft, werden Massnahmen gegen sexuelle Belästigung getroffen. (Bild: Depositphotos/vchalup2)

Obschon es «Luisa» nicht auf die Gästeliste schafft, werden Massnahmen gegen sexuelle Belästigung getroffen. (Bild: Depositphotos/vchalup2)

Benjamin Schmid

Sexuelle Belästigung gibt es schon lange. Nicht erst seit Weinstein oder Spacey. Sie ist im Berufsalltag, in Vereinen und im Ausgang allgegenwärtig. Um dem entgegenzuwirken, entstand in Deutschlands Nachtleben das Projekt «Luisa». Mit der Frage: «Ist Luisa da?», wird angezeigt, dass man sexuell belästigt wird und Hilfe braucht. Was in über 30 Städten in Deutschland zum Ausgang dazugehört, gibt es seit letztem Monat auch in Winterthur. In St. Gallen und im Rheintal hat es «Luisa» aber noch nicht auf die Gästeliste gebracht.

«Sinnvolle Sache, wenn Bedarf»

Was in Ballungszentren seit Längerem zu grösseren Problemen führt, scheint auf dem Lande bisher weniger problematisch zu sein. Peter Sieber, Inhaber der «Habsburg»-Bar hat keine Kenntnisse über Probleme mit sexueller Belästigung. Er sieht im Projekt «Luisa» eine sinnvolle Sache, sofern Bedarf dafür vorhanden ist. Auch in der Bierhalle Linde in Balgach kennt man das Problem nicht, wie Katja Schmitter, In­haberin, sagt: «Wir wissen, wer kommt und geht. Bei unangemessenem Verhalten handeln wir entschieden und werfen die betreffenden Personen aus dem Lokal.»

Gemäss der Kantonspolizei St. Gallen kam es im Kanton in den letzten acht Jahren zu durchschnittlich 55 Fällen sexueller Belästigung pro Jahr. Anders als bei sexueller Gewalt, die als Offizialdelikt vom Staat verfolgt wird, handelt es sich bei sexueller Belästigung um ein Antragsdelikt. Dieses wird nur von den Strafbehörden verfolgt, wenn der oder die Geschädigte selbst die Straftat anzeigt. Doch genau dies geschieht nicht in allen Fällen, weshalb es eine hohe Dunkelziffer gibt. Aus unterschiedlichen Gründen erstatten einige Betroffene keine Strafanzeige bei der Polizei. Nach Brigitte Huber, Geschäftsleitung der Opferhilfe SG-AI-AR, aus Scham oder Angst, aber auch um das Erlebte verdrängen und vergessen zu können oder weil man sich dafür mitverantwortlich fühlt und die Schuld bei sich selbst sucht.

Gerade bei Anlässen mit grösserem Publikumsandrang, wie etwa bei der Rhema oder der Fasnacht, könnte man davon ausgehen, dass es im Schutze der Anonymität eher zu sexueller Belästigung kommt. Doch die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen ein anderes Bild. Gemäss Messeleiter Simon Büchel sind und waren sexuelle Belästigungen weder an der Messe noch im Unterhaltungsbereich ein Thema. «Das heisst aber nicht, dass es zu keinen verbalen Fehltritten, Berührungen oder Vorfällen gekommen ist», sagt Büchel. Eine Herausforderung sei, dass die persönliche Empfindung unterschiedlich ist. Vor, während und nach der Rhema macht man sich intensive Gedanken über das Sicherheitskonzept sowie den Jugendschutz und man tauscht sich mit Fachpersonen und Fachstellen aus. Die Veranstalter sind überzeugt, mit den bereits getroffenen und geplanten Massnahmen einen hohen Sicherheitsstandard zu haben. Auch wenn die Situation aktuell unproblematisch ist, sind die Veranstalter bestrebt, die Bevölkerung weiter zu sensibilisieren.

Die offene Jugendarbeit Altstätten geht davon aus, dass an Grossevents wie der Fasnacht tendenziell mehr belästigt und bedrängt wird: «Besonders in dämmrigen Partybereichen mit hohem Suchtmittelkonsum sind die vielfältigen Gefahren nicht zu unterschätzen», sagt Ruedi Gasser, Leiter der Jugendarbeit.

Ähnlich sieht es Serjoscha Graber, Geschäftsführer der «Soirée»-Bar. Während der Fasnacht, wenn das mehrheitlich weibliche Personal freizügiger serviert, könne es vorkommen, dass Gäste die Grenzen nicht kennen. Dann handelt die Geschäftsführung konsequent: «Unser Personal ist kein Freiwild. Bei Fehlverhalten greifen wir ein, stellen den Gast zur Rede oder werfen ihn aus dem Lokal.» Darin sind sich alle einig: Einen 100-prozentigen Schutz vor Übergriffen gibt es nicht.

Aufschrei der Empörung im Internet

Weltweit bekunden Personen ihre Solidarität mit Opfern sexueller Belästigung und Gewalt. Über «#me too» wird seit diesem Sommer auf das Problem aufmerksam gemacht. Brigitte Huber begrüsst diese Entwicklung, sieht aber weiteren Handlungsbedarf: «Nicht die Opfer, sondern die Täter müssen die Konsequenzen ihrer Handlungen spüren.» Es brauche mehr Anlaufstellen und gleichzeitig eine grössere Sensibilisierung in der Gesellschaft. Dafür treten auch Doris Papendieck und das ganze Frauenforum Rheintal ein. «Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt.» Vielen Betroffenen fällt es schwer, Grenzen zu setzen und Hilfe zu holen. Umso wichtiger ist es, das Problem anzusprechen und nicht zu verharmlosen. Denn mit Sensibilisierungskampagnen und Präventionsmassnahmen kann die Zahl der Vorfälle reduziert werden.

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