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AUSBILDUNG: Keine Quote in Sicht

Die tiefe Maturitätsquote beunruhigt den Kantonsrat. Massnahmen an Oberstufenschulen werden erwogen, finden aber neben Befürwortern auch Kritiker.
Carmen Kaufmann
Leistungsklassen wären aus Zugpferdchen der Regelklassen zusammengesetzt. (Bild: depositphotos)

Leistungsklassen wären aus Zugpferdchen der Regelklassen zusammengesetzt. (Bild: depositphotos)

Carmen Kaufmann

Seit Jahren weist der Kanton St. Gallen die tiefste Maturitätsquote in der Schweiz hin. Mit 14,2% (Stand 2016) hinkt er dem Mittelwert von 20,2% hinterher. Im Rheintal beträgt die Quote nur zehn Prozent.

Der St. Galler Regierungsrat untersuchte die Ursachen für die tiefe Quote. Der dualen Berufsbildung wird ein hoher Stellenwert beigemessen und die Auswahl an Lehrstellen ist im industriell geprägten Kanton gross. Ohne die Berufslehre in den Schatten zu stellen, möchte der Kantonsrat die gymnasiale Maturität aufwerten. Es läge in der Hand der Oberstufenschulen und Lehrkräfte, mehr zu Information und Beratung beizutragen. Das Einführen von Progymnasien an Mittelschulen oder Sekundarklassen mit erhöhten Anforderungen wäre eine Möglichkeit. Die Regierung hat den Antrag aber verworfen. Es liegt nun im Ermessen der Gemeinden, ob sie eine Leistungsklasse einführen.

Bestehende Leistungsklassen

An der Kantonsschule am Burggraben besteht das einzige Untergymnasium im Kanton. Es dient der Vorbereitung auf die Maturitätsschule. 2011 wurde vom Kanton beschlossen, keine weiteren Progymnasien einzurichten.

Die Oberstufe Mittelrheintal (OMR) in Heerbrugg führt eine Sekundarklasse mit erhöhten Anforderungen. Im Anschluss an die sechste Primarklasse können sich Schüler mit grösserem schulischen Potenzial einem Zuweisungstest unterziehen, wobei neben den geprüften Fächern 40% in die Wertung der Lehrkraft einfliesst. Regionalen Schulen gewährt der Kanton keine finanzielle Unterstützung. OMR-Schulratspräsident Ivo Riedi und Schulleiter Markus Waser berichten von positiven Erfahrungen. Der Unterricht verläuft fliessend. Gerne und effizient lernten die Schüler. «Es ist, als würde man Vögeln Futter hinhalten – sie beginnen sofort zu picken», sagt Ivo Riedi. Dass «Zugpferdchen» in den Regelklassen fehlten, können Riedi und Waser nicht bestätigen. Jetzt tun sich jene Schüler hervor, die es zuvor weniger gewagt hatten, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Markus Waser meint, das Selbstwertgefühl sei nun grösser. Riedi und Waser stellen klar, dass sie die Leistungsklasse nicht als Mittel verstehen, die Maturitätsquote zu erhöhen. Beide unterstützen die Berufslehre im gleichen Masse.

Schulpräsident Remo Maurer aus Altstätten könnte sich vorstellen, eine Leistungsklasse einzuführen, sollte dies auf regionaler Ebene möglich sein.

Unterschiedliche Schwerpunkte

Maurer bezweifelt aber, dass die Maturitätsquote so erhöht würde, denn Schüler, die eine Leistungsklasse besuchen, gehen anschliessend nicht unbedingt ins Gymnasium. Ebenso ein Befürworter ist Schulpräsident Oscar Kaufmann aus Rheineck. Die Gemeinde hat aber nicht genug Schüler, um eine Klasse zu bilden. Amtskollege Roger Trösch aus St. Margrethen ist der Ansicht, für die optimale Förderung und das Klassenklima brauche es eine Leistungsdurchmischung. Die Zugpferdchen zögen die Schwächeren mit und profitierten gleichzeitig ebenfalls von dieser Heterogenität. Schulpräsident Roland Schönauer aus Rebstein hält eine Leistungsklasse für unnötig. Es würden bereits Vorbereitungslektionen für die Kantonsschule angeboten, ebenso Wahlfächer, die zur Selbstförderung beitragen. Es sei nicht Aufgabe der Schule, die Schüler in die gymnasiale Richtung zu drängen.

Schulpräsident Karl Loher aus Oberriet sagt, im Rheintal könne man von der sehr guten Wirtschaftslage nur profitieren. Eine Lehre sei genauso gut, besonders für schulmüde Schüler. Später könne man sich immer noch weiterbilden. Nach heutigem Stand würde er die Einführung einer Leistungsklasse ablehnen. Schulpräsident Patrik Spirig aus Diepoldsau distanziert sich ebenfalls von der Idee einer Leistungsklasse. Lieber würde er Klassen nach Alter und Stufe mischen. Er ist der Ansicht, jeder könnte einen Vorteil daraus ziehen. Die Jüngeren oder weniger Begabten lernten von den Älteren oder Leistungsfähigeren und umgekehrt könnten diese dadurch den Stoff repetieren. Nur anhand einer Quote könne man nicht sagen, was zu tun sei.

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