Aus Überzeugung kein Alkohol

Das Ehepaar Erika und Hans Sonderegger-Berger prägte den Blaukreuzverein Rheineck während 60 Jahren. Mit ihrem grossen Engagement haben die beiden vielen Menschen geholfen, von der Alkoholabhängigkeit wegzukommen.

Bea Sutter
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Erika und Hans Sonderegger setzten sich 60 Jahre lang für alkoholkranke Menschen ein. (Bild: Bea Sutter)

Erika und Hans Sonderegger setzten sich 60 Jahre lang für alkoholkranke Menschen ein. (Bild: Bea Sutter)

Rheineck. Die Zahl 60 hat für das Ehepaar Erika und Hans Sonderegger-Berger eine grosse Bedeutung. Die beiden sind 60 Jahre miteinander verheiratet und genau so lange im Blaukreuzverein Rheineck als äusserst aktive Mitglieder tätig. Hans Sonderegger, der seit 1957 dem Verein als Präsident vorgestanden war, wurde erst kürzlich durch Lydia Schmid abgelöst. Mit diesem Wechsel ging im Blaukreuzverein Rheineck eine aussergewöhnlich lange Ära zu Ende.

Das Ehepaar Sonderegger hat das Motto des Vereins – «Evangelium und Abstinenz» – stets vorgelebt. Der Blaukreuzverein Rheineck darf als Lebenswerk von Erika und Hans Sonderegger betrachtet werden.

Blaukreuz war Voraussetzung

Ende der Vierzigerjahre begann in Rheineck eine rührende Liebesgeschichte. Der junge Hans Sonderegger war in Rheineck Sekundarlehrer und war angetan von der Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerin Erika Berger. Als er ihr 1948 einen Heiratsantrag machte, antwortete die junge Frau: «Wenn du Blaukreuz-Mitglied wirst, dann heirate ich dich noch so gerne.» So kam Hans Sonderegger zum Blauen Kreuz. Erika Sonderegger-Berger wuchs in Balgach in einer Stickereifabrik auf. Die Krise der Dreissigerjahre machte ihrem Vater so schwer zu schaffen, dass er alkoholabhängig wurde. Das Blaue Kreuz half dem Fabrikanten, vom Alkohol wegzukommen und wieder ein florierendes Geschäft aufzubauen. Das alkoholfreie Leben wurde zur Selbstverständlichkeit in der Familie Berger. Dass bei Hans Sonderegger in jungen Jahren die Krankheit Porphyrie festgestellt wurde, war ein Wink des Schicksals. Ein Glas Rotwein hätte zu lebensbedrohlichen Lähmungen führen können. Das junge Paar war sich von Anfang an darin einig, dass es alkoholkranken Menschen helfen wollte.

Über 100 Menschen geholfen

Dass so stark engagierte junge Leute im Blaukreuzverein Rheineck sofort Ämter und Verantwortung hatten, liegt auf der Hand. 1955 wurde Hans Sonderegger als Vize-Präsident in den Vorstand gewählt. Seit 1957 leitete er die Geschicke des Blaukreuzvereins Rheineck, immer tatkräftig unterstützt von seiner Gattin.

Hans Sonderegger hatte in der Folge auch Einsitz in den Vorständen des Kantonalverbandes, des Deutschschweizer und des Schweizerischen Blauen Kreuzes sowie in einem Komitee des Blauen Kreuzes in Österreich. In den sechs Jahrzehnten hatten Sondereggers viel Leid und Elend gesehen, welches die Alkoholsucht eines Familienmitgliedes verursacht hat. Hans Sonderegger wurde manchmal auch bedroht. Dass ihm aber dieser Mann später, als er abstinent war, von Herzen für die Beharrlichkeit und Hilfe dankbar war, erfüllte Hans Sonderegger heute noch mit Freude. «Wir waren Gott immer sehr dankbar, wenn jemand den Weg zurück ins alkoholfreie Leben gefunden hat», sagte der pensionierte Sekundarlehrer. «Ich habe immer gebetet, bevor ich zu jemandem, der Hilfe brauchte, gegangen bin.» Sondereggers haben weit über 100 Alkoholkranken helfen können, von der Sucht wegzukommen.

Erschwernis Datenschutz

Hans Sonderegger wirkte zudem viele Jahre in der Gesundheitskommission der Gemeinde Rheineck mit. Auch die evangelische Kirchenvorsteherschaft und noch verschiedene andere Kommissionen und Vorstände schätzten sein grosses Engagement. «Früher informierte die Fürsorgeabteilung der Gemeinde uns vom Blauen Kreuz, wer unsere Betreuung und Hilfe braucht», erinnert sich Hans Sonderegger.

«So konnten wir zu den Alkoholabhängigen gehen und sie betreuen und begleiten. Wir versuchten auch, diese Menschen in den Verein zu integrieren.» Die Dankesschreiben seitens der Gemeinde bedeuten für das Ehepaar Sonderegger Zeichen der Wertschätzung ihrer Arbeit.

Heute, in den Zeiten des Datenschutzes, sei es viel schwieriger, an die Betroffenen heranzukommen. Da sei der Blaukreuzverein viel mehr darauf angewiesen, dass Angehörige eines Alkoholabhängigen sich melden würden, sagt der langjährige Präsident des Blaukreuzvereins Rheineck. «Die Betreuung und der Umgang mit Alkoholkranken braucht viel Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis, aber auch eine Beharrlichkeit».

Der 86-Jährige hat nun nach 54 Jahren das Präsidentenamt in jüngere Hände gegeben. Dass Lydia Schmid neue Präsidentin ist, freue ihn sehr. Das segensreiche Wirken des Blaukreuzvereins Rheineck wird somit auch nach 110 Jahren weitergehen.

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