Aus Trotz

Stichwort

Andreas.ruedisueli@rheintalmedien.ch
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Ein Journalistenkollektiv hat die 77 St. Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten nach ihrem Lohn gefragt. 72 von ihnen haben geantwortet. Grundlage für die Anfrage ist das kantonale Öffentlichkeitsgesetz (Ausgabe vom Donnerstag).

Fünf Vorsteher haben die Auskunft verweigert. Vier davon präsidieren Rheintaler Gemeinden. Christa Köppel (Widnau), Christian Sepin (Au), Reto Friedauer (St. Margrethen) und Silvia Troxler (Balgach) haben die laut Gesetz berech­tigte Anfrage der Journalisten nicht beantwortet. Sie gaben bekannt, erst an den Bürgerversammlungen im März Auskunft zu erteilen.

Die Vier verstossen damit willentlich und wissentlich gegen das Gesetz – so sehen es die Journalisten. Denn nach einer Anfrage dürfen bis zur Antwort höchstens 30 Tage vergehen. Diese sind längst abgelaufen.

Es fällt schwer, den Sinn hinter dieser Verweigerung zu erkennen. Dass sie die Bürger persönlich informieren wollen, wie die vier Rheintaler Gemeindevorsteher schreiben, wirkt heuchlerisch. Schliesslich ist das Gesetz seit über zwei Jahren in Kraft – und bisher ist keiner der Vier auf die Idee gekommen, sein Gehalt freiwillig öffentlich zu machen. Andere Gemeindepräsidenten im Tal haben das längst getan. Dass sie es erst jetzt zu tun gedenken, zu spät und nur unter dem Druck der Medien, weckt den Verdacht, Köppel, Sepin, Troxler und Friedauer ignorierten die Vorschriften aus reinem Trotz.

Dem Bürger ist das wohl einerlei. Er erfährt sowieso bald, wer wie viel verdient. Doch ist es beruhigend, wenn ausgerechnet Gemeindechefs ein Gesetz missachten, das ihnen nicht gefällt?

Andreas Rüdisüli

andreas.ruedisueli@rheintalmedien.ch