Aus Freude an den Schafen

KRIESSERN. Diesen Frühling wurde die Schafzuchtgenossenschaft OH Oberriet-Hirschensprung in einen Verein umgewandelt. Das 50-jährige Bestehen feiert man gleichwohl. Am Montag ist in Kriessern Jubiläumsschau.

Max Tinner
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Der ganze Stolz der Züchter: Jährlich werden die Schönsten der Schönen unter den Schafen gekürt. Links vorne Vereinspräsident Urs Steiger. (Archivbild: Max Tinner)

Der ganze Stolz der Züchter: Jährlich werden die Schönsten der Schönen unter den Schafen gekürt. Links vorne Vereinspräsident Urs Steiger. (Archivbild: Max Tinner)

Seit diesem Frühling ist die Schafzuchtgenossenschaft OH Oberriet-Hirschensprung keine Genossenschaft mehr, sondern ein Verein. Die Umwandlung hatte rechtliche Gründe. Man hat jetzt aber auch die Möglichkeit, Mitglieder aufzunehmen, die selber keine Schafe besitzen. Dass die Fangemeinde wächst, verdanken die Schäfler nicht zuletzt ihrer Schafschau in Kriessern und der Sie-und-Er-Schafausstellung in Oberriet. Letztere findet 2013 zum 15. Mal statt. Sie zieht von Jahr zu Jahr mehr Publikum an, nicht zuletzt Familien mit Kindern.

Intern pflegt man die Kameradschaft beim monatlichen Züchterhöck und beim jährlichen Ausflug. Dieser führt nicht nur auf den Montlinger Schwamm oder Hohen Kasten: Heuer war man im Wallis, andere Jahre führte die Reise nach Paris, Tschechien, Ungarn. «Klar war man da nicht schon am gleichen Abend wieder zurück», lacht Urs Steiger, der den Verein seit der letzten Hauptversammlung präsidiert.

So viel Harmonie herrschte nicht immer. Tatsächlich war vor 50 Jahren ein Streit der Grund für die Gründung der Schafzuchtgenossenschaft OH. Damals war es zu Meinungsverschiedenheiten gekommen, die man nicht überwinden konnte. Zu zehnt spalteten sich Schafhalter von Kriessern und Oberriet 1962 von der früheren Organisation ab und gründeten eine eigene Genossenschaft.

Ein Widder für alle

Nebst der Führung eines gemeinsamen Herdebuchs war eine der hauptsächlichen genossenschaftlichen Aufgaben die gemeinsame Sömmerung der Schafe auf einer Alp im Bündnerland. Dafür schloss man auch gemeinsam eine Versicherung ab, die die Schafhalter bei Abgängen einzelner Tiere während der Alpzeit entschädigte. Früher führte die Genossenschaft auch noch eine Gemeinschaftsweide für die Wochen vor und nach der Alpzeit. Auf der stand jeweils auch ein genossenschaftseigener Widder, der für Nachwuchs in der Herde sorgte.

Mit der Wolle in den Kehricht

Die Genossenschaft organisiert auch den gemeinsamen Verkauf der Schafschurwolle. Früher war das lukrativ: Bis in die 80er-Jahre war die Wolle gefragt. Dann aber wurde sie von synthetischen Textilien verdrängt, und die Inlandwollzentrale wurde geschlossen. Weil keine Nachfrage mehr bestand, blieb vielen Schafhaltern nichts anderes übrig, als die Schurwolle zu entsorgen. Mittlerweile hat man neue Nutzungen für die Wolle gefunden, zum Beispiel als Isolationsmaterial im Hausbau, als Füllstoff für Matratzen und Decken oder als isolierendes Vlies in Winterjacken. «Das deckt die Kosten für die Schur zwar noch immer nicht, aber besser als sie in der Kehrichtverbrennungsanlage zu entsorgen ist es allemal», sagt Urs Steiger. Auch vom Fleisch der Schafe wird man nicht reich. Man steht in Konkurrenz zu Billigimporten aus Neuseeland. Immerhin konnte eine gewisse Nachfrage nach den biologisch aufgezogenen Alplämmern aufgebaut werden. Für diese bekommt man einen Zuschlag, dank dem knapp die Kosten für die Sömmerung gedeckt sind.

Alles andere als rentabel

17 der 24 Mitglieder des Schafzuchtvereins OH halten aktuell noch Schafe, 350 der Rasse Weisses Alpenschaf, 60 Schwarzbraune Alpenschafe und 30 Braunköpfige Fleischschafe. Rentabel sind sie unterm Strich nicht, sie sind ihnen lediglich ein Hobby. «Wir halten Schafe, weil wir Freude an ihnen haben», bringt es Urs Steiger auf den Punkt.