Aus Forstgemeinschaft wird eine AG

Die Forstgemeinschaft Mittelrheintal soll in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Dem Grundsatzentscheid wurde an der Hauptversammlung im Februar zugestimmt. Der offizielle Umwandlungsbeschluss steht noch aus. Dazu ist ein Eintrag ins Handelsregister nötig.

Angelika Rieger
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Die Forstgemeinschaft Mittelrheintal ist auch für Privatwaldbesitzer tätig. (Bild: Archiv/Angelika Rieger)

Die Forstgemeinschaft Mittelrheintal ist auch für Privatwaldbesitzer tätig. (Bild: Archiv/Angelika Rieger)

Den Eintrag ins Handelsregister hat das zuständige Amt vorerst verweigert. Doch die Forstgemeinschaft blieb hartnäckig. Daraufhin stellte das Amt in Aussicht, das Begehren nochmals zu prüfen. Die FGM erfüllte ihrerseits die Forderungen: Zusammen mit dem Grundsatzentscheid der Mitglieder wurden der inzwischen erarbeitete Statutenentwurf sowie der Entwurf eines Aktionärsbindungsvertrages ans Eidgenössische Amt für das Handelsregister geschickt. Auch wollte das Amt über den zeitlichen Ablauf der Umwandlung im Bilde sein. «Uns ist es ernst mit der AG», sagt Betriebsleiter Josef Benz. Sollte es mit der Umwandlung nicht klappen, wäre die FGM gezwungen, eine neue AG zu gründen. Dies wäre aber um einiges aufwendiger als die Umwandlung.

Haftung spricht für AG

Die FGM ist seit ihrer Gründung im Jahr 1974 ein privatrechtlicher Zusammenschluss von Grundbesitzern und als Verein aktiv. Längst führt sie aber nicht mehr nur für ihre Mitglieder Arbeiten aus. Wird sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, trägt sie nur noch ein begrenztes Risiko. Zwar ist die Umwandlung in eine AG ein unüblicher Schritt für eine Forstgemeinschaft, der aber aufgrund ihrer Entwicklung als nötig erachtet wird. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung, der Waldbau und die Holzernte sind noch immer Zweck der FGM, die rund 500 ha Wald bewirtschaftet. Doch eine Forstgemeinschaft muss wirtschaftlich arbeiten. So sind es heute auch in grossem Masse Private, welche die Dienstleistungen der FGM beanspruchen. «Da stellt sich die Frage der Haftung», begründet Josef Benz die Umwandlungsabsichten. Ein denkbares Szenario ist beispielsweise, dass Energielieferungen nicht eingehalten würden und es daraufhin zu einer Schadenersatzklage käme. Josef Benz rechnet zwar nicht damit, der Vorstand der FGM möchte sich aber absichern. Ein weiterer Grund, der für eine AG spricht, ist der enorme Druck durch externe Unternehmer, dem sich die FGM zunehmend ausgesetzt sieht. Aktionäre der Aktiengesellschaft wären die Ortsgemeinden Lüchingen, Marbach, Balgach und St. Margrethen. Die Umwandlung der FGM ist ein erster Schritt mit Blick in die Zukunft. Für spätere Beteiligungen, Zusammenschlüsse, Pacht- und Bewirtschaftungsverträge sei man mit einer AG viel flexibler. Mittelfristig verfolgt der Vorstand das Ziel, die Geschäftsabwicklungen zu vereinfachen. «Eine einzige Rechnungsführung würde für die zehn Gemeinden, deren Wälder die Forstgemeinschaft bewirtschaftet, vieles vereinfachen», erklärt Benz. Aber auch für die FGM selber würde sich der bürokratische Aufwand verringern.

Die FGM ist ein Forstbetrieb, der Aufträge im und ausserhalb des Waldes ausführt. Der Betrieb macht einen jährlichen Umsatz von 1,4 Mio. Franken. Viele Arbeiten können in der Region ausgeführt werden, wofür die FGM dankbar ist. «Das gibt eine gewisse Grundauslastung.» Josef Benz, der nicht nur Betriebsleiter der FGM, sondern auch Revierförster ist, hat die Entwicklung der Holzwirtschaft im Auge. Derzeit gebe es viel Holz, weil es bis in hohe Lagen abgeführt werden könne. Die Sägereien seien voll eingedeckt. In den Sommermonaten werde sich dies aber ändern. Noch immer ist der Holzpreis auf dem Tiefpunkt. Trotzdem konnte die FGM auch heuer einen guten Rechnungsabschluss erzielen. Nach Abschreibungen von 74 000 Franken und weiteren Abzügen konnte der Gewinn von 42 000 dem Eigenkapital zugeschrieben werden. Ein weiteres Standbein für die FGM, dem die Mitglieder an der HV zustimmten, ist die Beteiligung an einer Aktiengesellschaft: Zusammen mit der Forstgemeinschaft Sennwald wird eine AG für die Hackschnitzelaufbereitung gegründet. Die neu gegründete AG übernimmt hierfür von einem Grabser Betrieb den Hacker mit dem Lastwagen.

Gutes Team

Um ihre Aufgaben zu erfüllen, braucht die FGM sorgfältig ausgebildetes Personal. Neben Förster Josef Benz werden vier Forstwarte und ein Lernender beschäftigt. Für jedes Segment gibt es einen Spezialisten. Dies schätzen viele Private, Bauämter und die Ortsgemeinden.