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Aus der Küferei an die Armeespitze

Der in St. Margrethen geborene und aufgewachsene Paul Rickert diente als Berufsoffizier in der Schweizer Armee; die letzten acht Jahre seiner Laufbahn im Rang eines Korpskommandanten. Nachstehendes Interview gab Rickert dem St. Margrether Dorfblatt «Mosaik».
Paul Rickert vor etwa 20 Jahren. (Bild: pd)

Paul Rickert vor etwa 20 Jahren. (Bild: pd)

Herr Rickert, erzählen Sie uns doch über ihre Jugendzeit und das Leben im damaligen St. Margrethen.

Paul Rickert: Geboren wurde ich 1936 als jüngstes von drei Kindern. Mein Vater betrieb hinter dem «Grünen Baum» eine Küferei, welche er von seinem Vater übernommen hatte. Später gliederte er eine kleine Weinhandlung an. Ich darf sagen, dass ich eine glückliche Jugend verbrachte, obwohl wir im Geschäft oft mitarbeiten mussten.

Wie verbrachte man damals als junger Mensch seine knapp bemessene Freizeit?

Rickert: Es war Mode, dass man mit anderen zusammen im Wald eine Hütte baute, wo man sich dann traf und sich gemeinsam die Zeit vertrieb. Es bestand eine Rivalität zwischen den Unter- und den Oberdörflern. Die Grenze verlief ungefähr von der Metzgerei Hörnli zur Bäckerei Caviezel, also etwas unterhalb des heutigen Hochhauses Central.

Die Clique, zu der ich gehörte, hatte ihren Treffpunkt in einer Art Sandsteinhöhle am Schutzmühlebach.

Wie erlebten Sie die Schulzeit?

Rickert: 1943 kam ich in die erste Klasse zu Junglehrer Schildknecht. Er hat ja dann bis zur Pensionierung in St. Margrethen gewirkt. Später besuchte ich den Unterricht bei den bekannten Lehrern Guntli und Egger.

Wer ging denn mit Ihnen in die gleiche Klasse und bestehen noch Kontakte?

Rickert: Meine Schulzeit verbrachte ich mit Peter Dietz, Eugen Mattes, Ernst Rüesch, Paul Vogel, Werner Stricker, Walter Meli, Rita Looser und Marlies Pedron, um nur einige zu nennen. Wie es so im Leben ist, die Kontakte wurden seit der Schulzeit immer seltener, zumal ich schon in jungen Jahren von St. Margrethen wegzog.

Die Kontakte sind aber nie ganz eingeschlafen Wir pflegten sie an unseren regelmässigen Klassenzusammenkünften.

Können Sie sich an Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges erinnern?

Rickert: Da ich noch ein Kind war, sind mir nur ein paar bruchstückhafte Erinnerungen geblieben. Einmal, es muss 1944 gewesen sein, wurden wir aus der Schule nach Hause geschickt, weil die Alliierten gerade Bregenz bombardierten.

In jener Zeit lagen auf den Wiesen jeweils Büschel aus Stanniolpapier, welche die Bomber zur Täuschung des Radars abwarfen. Diese sammelten wir fleissig ein. Schliesslich kann ich mich erinnern, dass die Gemeinde jeder Familie im Bruggerhorn drei Aren Boden zur Bepflanzung zuwies. Darauf pflanzten wir Mais. Das Stecken der Maiskörner im späten Frühjahr war für uns Kinder jeweils das Signal, dass man ab diesem Zeitpunkt barfuss gehen durfte.

Haben Sie sich schon in Ihrer Jugendzeit in der Öffentlichkeit engagiert?

Rickert: Aber sicher. Ich gehörte der Jungwacht, später der Jungmannschaft an. Sodann war ich jahrelang Ministrant bei Pfarrer Romer. Schliesslich spielte ich nach Ende der Sekundarschule in der Musikgesellschaft Trompete. Irgendwie war das eine Selbstverständlichkeit, da mein Vater in der Musikgesellschaft zuerst als Klarinettist, später als Paukist sehr aktiv mittat. Zu jener Zeit war er überdies Präsident des Vereins.

Musikunterricht genoss ich beim Dirigenten der Musikgesellschaft. Der wohnte in Hard, und so sattelte ich jeden Samstagnachmittag mein Velo und fuhr mit der Trompete auf dem Gepäckträger nach Hard.

Wie gingen dann die weitere Ausbildung und der Einstieg in das Berufsleben vor sich?

Rickert: Nach der Sekundarschule besuchte ich von 1952 bis 1956 das Lehrerseminar in Rorschach.

In dieser Zeit wohnte ich aus Platzgründen nicht im Internat, wie es üblich war, sondern zu Hause bei meinen Eltern. Nach der Erlangung des Lehrerpatentes suchten die meisten meiner Mitschüler eine Anstellung möglichst nahe am bisherigen Wohnort. Ich aber übernahm eine Lehrerstelle in Libingen im Toggenburg, wo ich vier Jahre an der Unterstufe unterrichtete. 1960 wechselte ich für drei Jahre nach Häggenschwil.

Dort leitete ich in meiner Freizeit wie schon zuvor in Libingen den Kirchenchor, war Mitglied in der Musikgesellschaft, unterrichtete in der Freizeit die Jungbläser und führte die Jungschützenkurse. Mit einem Wort, ich war im Dorfleben so aktiv, wie dies damals für Lehrer selbstverständlich war. Übrigens lernte ich im Kirchenchor meine Frau kennen. Wir heirateten 1962.

Wie aber wurden Sie schliesslich Berufssoldat der Armee?

Rickert: Ich absolvierte 1956 die RS in Herisau als Minenwerfer und in der Folge davon die normale Laufbahn bis zum Hauptmann. Da ich nicht unbedingt mein ganzes Leben Primarlehrer bleiben wollte, nahm ich 1963 im Platanenhof Uzwil eine neue Stelle an. Ich beabsichtigte, mich im Bereich Jugenderziehung oder Massnahmenvollzug weiterzubilden und sah meine berufliche Zukunft in diesem Betätigungsfeld.

1965, nach dem Abverdienen des Hauptmanns, wurde mir das Angebot gemacht, in die Instruktion zu wechseln. Es war ein sehr schwieriger Entscheid, denn dass dieser Beruf mit häufigen Ortsabwesenheiten das Familienleben belasten würde, war mir und meiner Frau klar. Wir hatten damals bereits zwei Kinder. Wir haben uns für den Entscheid ein halbes Jahr Zeit gegeben. Nach dem Abwägen aller Konsequenzen nahm ich die Herausforderung an.

Meine Frau unterstützte mich in der Folge alle Jahre hindurch tatkräftig als eine Art Alleinerziehende, indem sie für die Familie und vor allem für unsere Kinder da war.

Wie verlief dann Ihre militärische Karriere?

Rickert: Der Beruf des Instruktionsoffiziers ist zu einem Teil mit demjenigen eines Erwachsenenbildners vergleichbar.

Als solcher war ich wechselnd an den Infanterieschulen Herisau, der Offiziersschule in Bern, der Schiessschule Walenstadt und in Generalstabskursen tätig. 1976/1977 durfte ich die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg besuchen.

Danach arbeitete ich während fünf Jahren in Bern in der Abteilung Planung Infanterie. Die zwei folgenden Jahre leitete ich die Infanterieschulen St. Gallen-Herisau.

Drei weitere Jahre diente ich als Stabschef im Feldarmeekorps 4, bevor mir das Kommando der Mechanisierten Division 11 übertragen wurde. Weitere zwei Jahre später beförderte mich der Bundesrat zum Korpskommandanten und übertrug mir das Kommando des Feldarmeekorps 4. Damit gehörte ich der höchsten Führungsstufe unserer Armee an. Dieses Kommando hatte ich von 1990 bis zu meiner Pensionierung 1997 während acht Jahren.

Haben Sie heute noch militärische Aufgaben?

Rickert: Ich habe mich zurückgenommen. Sobald man aus dem Kommando ausgeschieden ist, verfügt man nicht mehr über die Informationen, um Fachfragen sachkundig beurteilen zu können. Ich halte daher keine Vorträge mehr, und ich beteilige mich nicht mehr an öffentlichen Diskussionen. Das heisst aber nicht, dass ich mir nicht meine persönliche Meinung bilde, die ich im Freundeskreis durchaus vertrete.

Aber Sie engagierten sich im Zivilleben?

Rickert: Noch während meiner Berufszeit war ich acht Jahre Mitglied des Bezirksschulrates. Nach der Pensionierung stand ich sieben Jahre lang dem Verein Walter-Zoo, Gossau, vor. In dieser Zeit initiierte und leitete ich den Umbau des Zoos von einer Einzelgesellschaft in eine Aktiengesellschaft. Dadurch bekam er eine sichere finanzielle Grundlage. Daneben wirkte ich im Vorstand mehrerer, teils ziviler, teils militärischer Verbände mit.

In den letzten Jahren habe ich diese Ämter nach und nach abgegeben und ich bin heute vorwiegend Privatmann. Langweilig wird es mir deswegen jedoch keineswegs. Ich gehe auf die Jagd, zum Fischen, und ich lese sehr viel. Daneben gibt es mit zehn Grosskindern genug Unterhaltung.

Vielen Dank, Herr Rickert, für dieses Gespräch.

Interview: Paul Gerosa

Paul Rickert war in den 1990er-Jahren einer der Schweizer «Generäle». (Bild: Paul Gerosa)

Paul Rickert war in den 1990er-Jahren einer der Schweizer «Generäle». (Bild: Paul Gerosa)

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