AUS CHRISTLICHER SICHT: Wie die Zeit doch vergeht

Wann haben Sie das zum letzten Mal gesagt? Bei der letzten Klassenzusammenkunft? Als Sie wieder einmal in einem alten Fotoalbum geblättert haben oder als Sie am Morgen in den Spiegel schauten? Ja, wie die Zeit doch vergeht.

Andreas Brändle
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Sonne, Meer und Uhr – Zeugen einer stetig vorrückenden Zeit. (Bild: pd)

Sonne, Meer und Uhr – Zeugen einer stetig vorrückenden Zeit. (Bild: pd)

Wann haben Sie das zum letzten Mal gesagt? Bei der letzten Klassenzusammenkunft? Als Sie wieder einmal in einem alten Fotoalbum geblättert haben oder als Sie am Morgen in den Spiegel schauten? Ja, wie die Zeit doch vergeht.

Bei der Jungbürgerfeier in Diepoldsau nahm der Gemeinderat Thomas Bolt das Geburtsjahr der jungen Erwachsenen zum Anlass, auf dieses Jahr zurückzuschauen – 1998. Was war damals alles passiert? Dass mein Sohn Daniel in diesem Jahr geboren wurde, natürlich, aber sonst, was war da schon wieder …? Ja, die Flugzeugtragödie in Halifax, Windows 98 und die Fussball-WM in Frankreich, langsam kommt es wieder. Ach, wie die Zeit doch vergeht.

Wenn man jemanden lange nicht mehr gesehen hat und man begegnet der Person zufällig wieder auf der Strasse, im Zug oder beim Einkaufen, dann sagt man auch oft: «Wie die Zeit doch vergeht.»

In der Bibel haben Zeiten und Zahlen eine grosse Bedeutung. Die Zahl 40 kommt zum Beispiel immer wieder vor. 40 Tage fastet Jesus in der Wüste, 40 Jahre irrte das Volk Israel in der Wüste umher, bis es ins Gelobte Land einziehen durfte. Oder die Zahl 7. Sieben Jahre musste Jakob für Sarah arbeiten und dann nochmals sieben Jahre für Leah. Sprichwörtlich sind ja die sieben fetten und die sieben mageren Jahre. Oder im Buch Prediger denkt der Autor auch über die Zeit nach: Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde, geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit, pflanzen hat seine Zeit, ausreissen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit und so weiter und so fort.

Diese Art der Zeit nennt die Bibel mit dem griechischen Wort «Chronos». Es ist die Zeit, die einfach dahinfliesst, die Zeit, die verweht und vergeht. Daneben kennt die Bibel den Ausdruck «Kairos». Damit ist die Zeit gemeint, wenn etwas passiert.

Ich denke, das haben wir alle schon erlebt. Wie ein Bach plätschert die Zeit dahin, ruhig in seinem Bett – und dann plötzlich passiert ganz vieles miteinander. Das ist der Chronos und der Kairos. Vor 2000 Jahren wartete das Volk auf den Messias. Die Zeit plätscherte dahin und er wollte und wollte nicht kommen. Und plötzlich – der Kairos – war er da, Jesus Christus, und er hat die Zeit in zwei Teile geteilt. In eine Zeit vor ihm – vor Christus – und in eine Zeit nach ihm – nach Christus. Er wurde «der Anker in der Zeit».

Als Menschen brauchen wir beides: den Chronos, die Zeit, die vergeht, oder wie es in einem Lied von Peter Strauch heisst: «Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.» Aber wir brauchen auch den Kairos, wenn etwas passiert, oder wie es in einem Lied heisst: «Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde! Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt.»