Aufstieg im Blut

Der FC Rheineck steigt auf, von Reto Wälter

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Die Kollegen nebenan sind in einer misslichen Situation: Es ist für sie so, wie wenn in der Champions League Cluj gegen Barcelona spielt und sie begründen müssten, wieso Cluj gewinnen wird. Dass Rheineck einen ähnlichen Dress wie die Katalanen trägt, passt dabei ins Bild, Rheineck kontrolliert das Spiel, ist ballsicher und trickreich.

Rheineck ist der Favorit: Die Unterrheintaler haben die höchstdotierte Mannschaft. Die beiden Ex-Profis, Goalie Carlos Silva, sicherer Rückhalt, und Philipp Meyer, Denker und Lenker im defensiven Mittelfeld, sind Antreiber und Vorbilder. Sie sind umgeben von Routiniers, die seit Jahren zusammen spielen und von denen viele in höheren, ja überregionalen Ligen Erfahrung sammelten. Dazu kommen hungrige Nachwuchs-Spieler, die bei den Junioren auf höchstem regionalen Niveau spielten. Das Durchschnittsalter beträgt 25,3 Jahre – die Mannen sind im besten Fussball-Alter.

Ein Kader von 21 Spielern in der Vorbereitung, und in den Trainings waren stets mindestens 17 Spieler anwesend, halten die Intensität hoch und befeuern den Konkurrenzkampf. Obwohl nur gegen Höherklassige getestet wurde, gab es nebst einem Unentschieden nur Siege. Rheineck ist also bereit für den Aufstieg, auch weil alle Verletzten wieder fit sind. Denn wären gegen Ende der Vorrunde nicht bis zu neun Stammspieler ausgefallen und damit Punkte verloren gegangen, wären Au und Rebstein nicht Aufstiegs-Konkurrenten, sondern nur noch abgeschlagene Verfolger.

Das Wort Konkurrent ist sowieso übertrieben: Au wird seinem Namen gerecht, da ausser den Trainern und Dauer-Optimist Zanoni eh niemand an den Aufstieg glaubt – nicht einmal die Spieler. Würde man bei Rebstein die Punkte abzählen, die sie sich in der Nachspielzeit sicherten, müsste Solenthaler vor dem Abstiegsstrudel warnen und könnte nicht in Sonnenbräu getränkten Aufstiegs-Halluzinationen schwelgen. Und noch ein Punkt: Ex-Profi Emilio Knecht ist als Aktiver seit seiner Zeit als B-Junior mit jeder Mannschaft aufgestiegen. Diese Serie hielt er auch als Trainer, und es gibt keinen Grund, dass sie vor seiner Auszeit Ende Saison reissen sollte. Knecht hat das Aufsteigen im Blut und kann diese Siegermentalität seinen Spielern vermitteln.

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