Aufgeschoben, nicht aufgehoben

THAL. Der Entscheid, ob in Thal das Kirchgemeindehaus saniert oder ob ein neues gebaut werden soll, wird vertagt. An der Bürgerversammlung wird die Kirchenvorsteherschaft keinen Antrag stellen.

Marianne Bargagna
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Melanie Tobler Dudler (Bild: mb.)

Melanie Tobler Dudler (Bild: mb.)

Noch im Januar zeigte sich die Vorsteherschaft der Evangelischen Kirchgemeinde Thal-Lutzenberg zuversichtlich, an der diesjährigen Bürgerversammlung eine Antwort auf die Frage, ob das 54-jährige Kirchgemeindehaus für etwa anderthalb Millionen Franken saniert oder für rund drei Millionen Franken ein neues gebaut werden soll, zu erhalten. Daraus wird nichts. Nachdem in der jüngsten Vergangenheit noch weitere Ideen aufgetaucht seien, habe die Vorsteherschaft beschlossen, an der Bürgerversammlung noch keine Anträge zu stellen, sagte an der Vorgemeinde vom Dienstagabend Präsident Roland Grossenbacher. Noch seien viele Fragen rund um das Kirchgemeindehaus offen. Geklärt aber ist die Nachfolge für den aus beruflichen Gründen vorzeitig zurücktretenden Präsidenten. Am Sonntag stellt sich die bisherige Vizepräsidentin Melanie Tobler Dudler zur Wahl als Präsidentin.

Pfarrhaus Buechen verkaufen

Sie wird wohl gewählt werden. Und sie wird es dann auch sein, die sich zusammen mit der Kirchenvorsteherschaft mit den Fragen rund um das Kirchgemeindehaus auseinandersetzen muss. Am Dienstag war es noch Roland Grossenbacher, der Erklärungen abgab und betonte, dass die Kirchenvorsteherschaft für einen Neubau sei, denn «sie ist überzeugt, dass die Investition in einen Neubau unseren Bedürfnissen am besten gerecht wird und weitere Entwicklungen nicht behindert», wird im Amtsbericht begründet. Seit der Information im Januar seien aber weitere Ideen aufgetaucht. So sei eine zweite Sanierungsvariante berechnet worden. Diese würde Kosten von etwas mehr als einer Million Franken verursachen. Auch bezüglich Standort gibt es zusätzliche Möglichkeiten. Zum Beispiel das Feuerwehrdepot im Dorf, das näher an der Kirche liege als das heutige Kirchgemeindehaus. Dazu sagt der Thaler Gemeinderatsschreiber Christoph Giger auf Anfrage, dass das eine unter anderen Möglichkeiten sein könnte, aber erst mittelfristig.

Am Dienstagabend sagte Roland Grossenbacher auch, dass die Kantonalkirche klipp und klar mitgeteilt habe, dass sie eine Sanierung oder einen Neubau nur bewillige und unterstütze, wenn das Pfarrhaus Buechen verkauft werde. Da die Evangelische Kirchgemeinde Thal-Lutzenberg im direkten Finanzausgleich steht, kann die Kantonalkirche ein gewichtiges Wort mitreden. Was der direkte Finanzausgleich bedeutet, erklärte Kassier Rolf Wilhelm: «Die Kantonalkirche bezahlt an jeden Franken, den wir für den Unterhalt von Gebäuden aufwenden, 60 Rappen.»

Entscheid in einem halben Jahr?

All diese Informationen führten zu einer lebhaften Diskussion. Ein Votant meinte, dass es gescheiter wäre, das Pfarrhaus Thal zu verkaufen. Ein anderer schlug vor, den evangelischen Teil der Kirche den Katholiken zu verkaufen. Und ein dritter sagte, dass das Pfarrhaus Buechen, ein Wohnhaus, so schnell wie möglich verkauft werden solle.

An Vorschlägen und Ideen wird es der Kirchenvorsteherschaft bei der Behandlung des Geschäftes «Kirchgemeindehaus» nicht fehlen. Grossenbacher versprach, dass die Vorsteherschaft alle Optionen sauber abkläre und voraussichtlich in einem halben Jahr wieder zu einer Bürgerversammlung einlade.

Ersatzwahlen

Doch vorher, am kommenden Sonntag, stehen noch Ersatzwahlen an. Als Nachfolgerin für Roland Grossenbacher stellt sich Melanie Tobler Dudler zur Verfügung. Sie gehört der Kirchenvorsteherschaft seit dreieinhalb Jahren an. Ein Sitz in der Vorsteherschaft bleibt vakant. Melanie Tobler ist aber zuversichtlich, dass jemand gefunden werden kann. Eine Ersatzwahl gibt es auch in der Geschäftsprüfungskommission. Claudia Dörig tritt wegen Wohnortswechsels zurück. Vorgeschlagen wird Martha Triet aus Buechen. Und neu soll Pfarrer Klaus Steinmetz die Kirchgemeinde in der Synode vertreten. Als neue Stimmenzählerin stellt sich Karin Rümmelin zur Verfügung.

An der Bürgerversammlung wird den Stimmberechtigten auch eine Änderung der Kirchgemeindeordnung vorgeschlagen. Und zwar, dass neu ab Juli 2014 nebst dem «St. Galler Tagblatt» und dem «Rheintaler» auch die «Appenzeller Zeitung» amtliches Publikationsorgan sein wird, dies vor allem für die Kirchbürger aus Lutzenberg.

Ertragsüberschüsse

Über Rechnung 2011 und Budget 2012 informierte Kassier Rolf Wilhelm. Die Rechnung schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 12 000 Franken ab. Budgetiert war ein solcher von 56 000 Franken. Die Schlechterstellung sei unter anderem auf unerwartete Mindereinnahmen aus der Vermietung des Pfarrhauses Buechen zurückzuführen.

Für das Jahr 2012 wird ein Ertragsüberschuss von 20 000 Franken erwartet, dies bei unverändertem Steuerfuss.