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Aufgeklärt, ungeklärt, sistiert

ALTSTÄTTEN. Was wurde aus all den Bränden, Vandalenakten, Verkehrsunfällen, also all den grösseren und kleineren «Ereignissen» und Verbrechen des letzten Jahres? Wir fragten nach bei Petra Hutter, Leitende Staatsanwältin im Untersuchungsamt Rheintal.
René Schneider
Alois Viertl in Au beim Aufräumen seiner verwüsteten Garage am Abend des 26. August 2011. Die Frau war von der Hauptstrasse über den Vorplatz in Fenster und Autos gedonnert. Sie bleibt unbestraft. (Bild: Archiv/René Schneider)

Alois Viertl in Au beim Aufräumen seiner verwüsteten Garage am Abend des 26. August 2011. Die Frau war von der Hauptstrasse über den Vorplatz in Fenster und Autos gedonnert. Sie bleibt unbestraft. (Bild: Archiv/René Schneider)

Ungeklärt sistiert (s. Kasten) sind die beiden sonderbaren Fälle mit anonymen Anschlägen auf Privatpersonen: Ende August wird eine 13-Jährige in Heerbrugg aus einem vorbeifahrenden Auto mit einer ätzenden Flüssigkeit bespritzt und an den Augen verletzt. Auch der junge Mann, der in Balgach mit seinem Auto absichtlich einen Velofahrer anfährt und verletzt, bleibt bis jetzt unbehelligt. Petra Hutter betont: Man habe beide Fälle «nicht auf die leichte Schulter genommen, sondern massiv ermittelt und abgeklärt» – bis heute aber erfolglos.

Fall Bignoni noch offen

Noch nicht geklärt ist auch der Fall Mario Bignoni. Der ehemalige Spieler des FC Gossau war zwei Wochen vermisst und dann tot im Alten Rhein gefunden worden. Dieser Fall sei nicht eingestellt. Es werde «voll ermittelt», und es sei «noch nicht alles ausgeschöpft», sagt Petra Hutter. Wie Bignoni ums Leben kam, sei nach wie vor unbekannt. Theoretisch sei «alles möglich», also Unfall, Gewalt, Selbsttötung.

Dagegen sind die Täter bekannt, die im Sommer in Altstätten und Buchs nachts mit einem Auto unterwegs waren, wahllos anhielten und Passanten zusammenschlugen. Hier laufen noch Abklärungen. Auch der Raubüberfall von zwei Männern auf einen 67-Jährigen auf dem Rastplatz Kriessern scheint vor der Klärung: Hier habe man Verdächtige.

Prügeleien und Autoknacker

Bekannt ist den Untersuchungsbehörden ebenso, welche drei Männer Ende Juni in einem Mehrfamilienhaus in Au im Streit zwei Mieter verprügelten. Dieser Fall stehe kurz vor dem Abschluss.

Die über 20 Auto-Aufbrüche im Mai in Altstätten haben Asylbewerber aus Tunesien begangen. Drei Täter seien eindeutig überführt. Der Strafbefehl hat ihnen aber noch nicht übergeben werden können, weil sie inzwischen untergetaucht sind.

Noch offen ist ein weiterer, eher kurioser Fall: Im Juni stehlen Unbekannte in Oberriet sieben Reitsättel im Wert von 25 000 Franken. Des Diebstahls ist eine Frau verdächtigt worden, sagt Petra Hutter, aber der Verdacht habe nicht erhärtet werden können.

Ungeschoren kommt auch die 23-jährige Frau davon, die Mitte Februar im Bus von Altstätten nach Heerbrugg wegen einer Billett-Kontrolle randaliert, um sich schlägt und den Bus beschädigt. Sie ist von der angerückten Polizei übernommen worden. Rheintal Bus AG verzichtete «angesichts der besonderen Lebenslage und -umstände der Frau» auf eine Anzeige, ist bei RTB zu erfahren.

Relativ einfach sind die Ermittlungen meist nach Verkehrsunfällen. Weil die Verursacher und Umstände meist schnell feststehen. Anderseits dauern diese Verfahren oft zeitlich sehr lang, wenn Menschen verletzt oder gar getötet werden. Weil die Parteien dann medizinische Gutachten, technische Expertisen und anderes verlangen.

Insgesamt wurden letztes Jahr in unserer Region im Strassenverkehr fünf Kinder angefahren.

Pendent ist der Unfall auf der Ochsen-Kreuzung in Widnau vom Juni mit fünf Verletzten und hohem Sachschaden. Einen Strafbefehl mit Bussen- und (bedingten) Geldstrafen erhielten dagegen die Verursacher der schweren Unfälle Mitte August und Anfang September auf der A13 bei Widnau.

Der Fahrer, der letzten Januar in Kriessern frontal in einen RTB-Bus auf Dienstfahrt fuhr, bekam eine Busse.

Die Ermittlungen zum Grossbrand im Altstätter Kirlen-Quartier wurden mangels Ergebnissen vorläufig eingestellt. Theoretisch könne als Brandursache nichts ausgeschlossen werden, sagt Petra Hutter, also weder Fahrlässigkeit noch Brandstiftung oder ein technischer Defekt. «Die Brandursache liess sich nicht feststellen.» Beim Brand in der Föhnnacht wurden drei Gebäude zerstört.

Brand in Asylunterkunft

Auch der Schwelbrand in der Asylunterkunft in Rüthi mit 10 000 Franken Schaden ist geklärt: Drei Asylbewerber waren unvorsichtig gewesen. Auch sie bekamen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft.

Ein Österreicher, der im Februar mit 120 statt mit 50 km/h durch Rheineck gerast war, hat noch keinen Strafbefehl. Dieser Fall ist noch hängig. Der 22-Jährige, der im März in Au ausserorts statt mit 80 mit 136 km/h fuhr, muss eine Busse von 1500 Franken bezahlen, nebst einer (bedingten) Geldstrafe von 28 Tagessätzen zu 90 Franken.

Ebenfalls pendent sind die Untersuchungen im Fall des Brandes in Montlingen, wo im März ein Schopf brannte und ein 33-Jähriger verletzt wurde.

Ebenso ist der Brandfall an einem frühen Sonntagmorgen im November in Marbach noch hängig, bei dem ein Wohnhaus mit Scheune abbrannte. Das Haus hatte im Umbau gestanden.

Das Verfahren nach dem Brand in der Kapelle im Riet bei Oberriet wurde sistiert. Petra Hutter bezweifelt, dass die Brandursache je wird geklärt werden können.

Frau auf Zebrastreifen verletzt

Einen Strafbefehl setzte es in Rheineck ab, wo im April jemand eine 64-jährige Frau auf dem Zebrastreifen anfuhr. Noch offen ist ein ähnlicher Fall in St. Margrethen, wo im April eine 63-jährige Velofahrerin angefahren wurde.

Einen Strafbefehl bekam auch die Frau, die im Mai in Berneck mit ihrem Auto eine Kollision mit einem Töfffahrer verursachte und diesen schwer verletzte. Petra Hutter: Das war einer dieser schweren Unfälle, den jemand wegen einer kleinen Unaufmerksamkeit verursachte. Die Frau hatte beim Linksabbiegen den Töff übersehen.

Noch offen sind die Ermittlungen im Fall der beiden Brände vom 8. Mai in Kriessern und in Balgach, wo (wohl zufällig) zur Mittagszeit je ein Haus brannte.

Ebenso ist der Fall des Elfjährigen noch nicht abgeschlossen, der im Mai in Eichberg von einem Gerüst gefallen und ins Spital geflogen worden war.

Im Juli nickte eine 73-Jährige Autofahrerin am Steuer kurz ein und verletzte zwei Personen in einem anderen Auto. Sie bekam eine (bedingte) Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 30 Franken. Wegen ihrer geleisteten erheblichen Zahlungen an die Geschädigten sowie der Einsicht und Reue der Frau verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine Busse. Petra Hutter geht davon aus, «dass das Strassenverkehrsamt die Fahrtüchtigkeit dieser Dame sehr genau überprüfen wird.»

Frau bleibt unbestraft

Nicht bestraft wurde dagegen die Frau, die im August in Au spektakulär von der Hauptstrasse weg über das Trottoir in eine Garage donnerte und dabei einen Zaun, Schaufenster sowie eine Reihe von Autos beschädigte. Der Fall wurde eingestellt, weil der Frau kein Verschulden nachgewiesen werden konnte. Staatsanwältin Petra Hutter: «Die Frau war nüchtern, hatte keine Medikamente oder Drogen genommen, es war kein Sekundenschlaf.» Man vermute, dass die Frau wegen der Hitze (es herrschten 30 Grad) einen kurzen Aussetzer gehabt hatte. Die Frau konnte sich an nichts erinnern. Sie hatte aber auch keinen Anlass, aufgrund von gesundheitlichen Problemen oder eines momentanen Unwohlseins nicht zu fahren. Darum wurde das Verfahren ohne Verurteilung eingestellt. Das kommt einem Freispruch gleich.

Kein Verfahren wurde eröffnet nach einem Arbeitsunfall im Februar in Rüthi. Dort geriet ein 57-Jähriger beim Schweissen mit dem Fuss unter ein umkippendes schweres Maschinenteil. Es lag kein Fremdverschulden vor, hatten die Ermittlungen ergeben. Genauso lag kein Fremdverschulden vor, als in Rebstein eine Woche später ein 43-Jähriger bei der Gemüsezentrale von einem Förderband eingeklemmt wurde. Auch dieses Verfahren wurde gar nicht erst eröffnet.

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