Auf zwei Rädern unterwegs: Dank «OhO» ist dieser Rheintaler wieder mobil

Mario Beck leidet seit Jahren an Gicht. Durch die Spendenaktion Oho hat der Rheintaler ein E-Bike bekommen – und ist damit trotz Krankheit wieder mobil. Sein E-Bike ist für ihn viel mehr als nur ein Velo. 

Linda Müntener
Drucken
Teilen
Bei Wind und Wetter ist Mario Beck auf seinem E-Bike unterwegs. (Bild: Mareycke Frehner)

Bei Wind und Wetter ist Mario Beck auf seinem E-Bike unterwegs. (Bild: Mareycke Frehner)

Es steht neben der Eingangstür, mit einem Schloss gesichert, im Körbchen liegt eine leere Einkaufstasche. Er ist auf ihm an diesem kalten, nebligen Wintermorgen durch Heerbrugg gefahren. So, wie er es jeden Tag tut. Sein E-Bike ist sein Begleiter, der ihm sein Leben ein wenig leichter macht. «Ich bin sehr dankbar dafür», sagt Mario Beck.

Mario Beck leidet seit Jahren an Gicht. In seinem Blut sammelt sich zu viel Harnsäure an. Dadurch bilden sich Ablagerungen – schmerzhafte Ablagerungen. Regelmässig muss er sich von einem Arzt Wasser in den Beinen entfernen lassen, hinzu kommen Durchblutungsstörungen. Gerade in der kalten Jahreszeit macht ihm seine Krankheit zu schaffen – trotz Medikamenten und Therapie. Die Stoffwechselerkrankung strahlt bis in die Finger und in beide Füsse aus. Jeder Tritt tut weh. «Meine Nerven sind komplett kaputt», sagt er. In den Zehen habe er kaum noch Gefühl. Das Gleichgewicht zu halten, fällt ihm oft schwer. Wie soll man so von einem Ort zum anderen gelangen?

Auf einem gewöhnlichen Velo zu fahren, ist für den 50-Jährigen unmöglich. Ihm fehlt die Kraft, um in die Pedale zu treten. «Vor allem dann, wenn es bergauf geht.» Mit der Unterstützung des E-Bike-Motors ist der Rheintaler wieder mobil. Das Treten geht fast von alleine.

An der frischen Luft fühlt er sich besser

Sein E-Bike hat er anderen Ostschweizerinnen und Ostschweizern zu verdanken. Durch die Weihnachtsspendenaktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern» (OhO) hat Mario Beck das Gefährt geschenkt bekommen. Dieses ist für ihn nicht nur ein Fortbewegungsmittel.

«Das E-Bike gibt mir ein Stück Selbständigkeit zurück.»

Der 50-Jährige fährt damit zum Einkaufen, zur Bank, zur Post, macht Besorgungen für sich und seine Mitbewohnerin, besucht seine Mutter oder seine Enkelkinder. «Ich bin jeden Tag mit dem Velo unterwegs», sagt Mario Beck. Egal ob bei Wind, Regen oder Schnee – so lange es seine Gesundheit noch zulässt, will Mario Beck in Bewegung bleiben. Früher wohnte er in einem Haus mit grossem Garten und Sitzplatz. Er pflanzte selber Gemüse und Früchte an, ging spazieren mit seinem Hund, der unlängst eingeschläfert werden musste. In der Natur kann Mario Beck seinen Gedanken freien Lauf lassen. Das tut ihm gut. Er leidet unter Depressionen, er «kämpft mit dem Kopf», wie er seine Krankheit beschreibt. Draussen fühlt er sich besser.

Kauf nur dank Spenden möglich

Sein silberfarbenes Gefährt hat rund 2000 Franken gekostet. Das ist mehr Geld, als Mario Beck im Monat zur Verfügung steht. Der gelernte Landwirt arbeitete zuletzt als Eisenleger. Heute lebt er von der Invalidenrente und ist angewiesen auf Ergänzungsleistungen, die ihm nach «einem jahrelangen Kampf» zugesprochen wurden. «Ich hätte mir ein solches Velo niemals leisten können», sagt er.

Ostschweizer helfen Ostschweizern macht’s möglich. OhO will die soziale Verantwortung in der Ostschweiz stärken. Und den Menschen zeigen, dass sie nicht alleine gelassen werden. Im Jahr 2005 vom St.Galler Tagblatt gegründet, unterstützt OhO als unabhängiger Verein Ostschweizerinnen und Ostschweizer aus den Kantonen St.Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden in finanziellen Notlagen. Der Verein sammelt jeweils während der Vorweihnachtszeit und überweist die Spenden, wenn immer möglich, bis Weihnachten. Jedes Gesuch muss begründet sein und die Notsituation genau darlegen.

Mario Becks Gesuch wurde vom Beirat geprüft und bewilligt. Auf die Weihnachtsspendenaktion aufmerksam gemacht haben ihn Mitarbeitende von «Contact». Die Kontakt- und Anlaufstelle der Sozialen Dienste Mittelrheintal ist für Mario Beck ein Dreh- und Angelpunkt. Hier kann er mit Leuten über seine Sorgen reden, hier steht ihm die Tür immer offen, hier bekommt er Unterstützung bei der Vorbereitung von Behördengängen. Oder bei der Wohnungssuche: Mario Beck würde gerne nach Rüthi ziehen, in die Nähe seiner Tochter und seiner Enkelkinder. Ein schwieriges Unterfangen, denn kostengünstige Sozialwohnungen gebe es in dieser Gegend kaum, sagt er.  

Auch er gibt anderen etwas zurück

Dass es mit einer neuen Wohnung klappt – das wünscht sich Mario Beck zu Weihnachten. Das Fest am Heiligabend verbringt er mit seiner Mitbewohnerin. «Wir laden Freunde zu uns ein und kochen gemeinsam.» Anderen etwas geben, auch wenn man selber nicht so viel hat – für Mario Beck eine Selbstverständlichkeit. Es tue ihm leid, dass für seine Enkelkinder keine grossen Weihnachtsgeschenke drinliegen. Doch darum gehe es bei diesem ohnehin Fest nicht, sagt der Rheintaler. «Ich habe Weihnachten im Herzen, ich muss dafür keine Kugeln aufhängen.»

Beherzter Einsatz auf vier Rädern

Der Amriswiler Stefan Keller nahm mit seinem Sohn Benjamin an der Rallye «Knights of the Island» durch das Britische Königreich teil. Die beiden machten damit auf die Aktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern» aufmerksam und sammelten 2500 Franken.
Desirée Müller