Auf die Spitze gebracht

Garten

Bert Stankowski
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Junge Igel müssen sich noch Fett anfressen. (Bild: Bert Stankowski)

Junge Igel müssen sich noch Fett anfressen. (Bild: Bert Stankowski)

Die Abende sind noch recht mild, gerne gehe ich beim Eindunkeln mit dem Hund noch schnell spazieren. Nur so ein bisschen um die Häuser ziehen, abschalten und einschalten der Gehirnzellen. Zum Beispiel: Worüber soll ich wohl in der nächsten Gartenkolumne schreiben? Plötzlich zieht der Hund mich an seiner Leine hinter sich her (normalerweise ist es ja umgekehrt, schliesslich ist er schon älter und etwas faul) und strebt in eine dunkle, mit Brombeeren und anderem Gebüsch überwachsene Ecke. Was soll das wieder, den­- ke ich und höre schon ein Schnüffeln und leises Grunzen wie von einem Zwergschweinchen oder so. Meister Igel ist unterwegs und schlägt sich den Bauch voll. Die tapsenden Geräusche kleiner Füsse sind unverkennbar.

«Aha», werden Sie nun sagen, «aha, jetzt hat er sein Thema gefunden», also nicht der Igel sondern ich, «aber was hat das mit Garten zu tun?» Nun, wenig oder sehr viel. Die markante Vergrösserung unseres Siedlungsraums hat seinen Lebensraum an den Rand geschoben. Hecken wie hier gibt es weniger, Nahrung ist nicht mehr viel vorhanden – und viele Igel gehen in einigen Wochen hungrig in ihr «Überwinterungsbett». Dabei hat sich der Igel den neuen Verhältnissen recht gut angepasst: Auf meinen Hund reagiert er überhaupt nicht, Nacht für Nacht streift er durch unser Wohnquartier und sucht und sucht, und findet weniger und weniger.

Würden wir Gartenbesitzer und auch die Hauswarte der Blocksiedlungen etwas mehr auf ihn achten, kämen er und seine Nachkommen schon durch den Winter. Aber eben alles muss perfekt gepflegt sein, sonst gibt es schnell Reklamationen der Anwohner. Mit mehr Umsicht würde es den Igeln besser gehen – und uns Menschen nicht mal stören. Hecken aus einheimischen Gehölzen, am liebsten die mit Stacheln, wären ideale Schlafquartiere, Kinderstuben und Überwinterungsorte. Ein breiter Saumgürtel aus Gräsern und Wiesenblumen gäbe seinen Nahrungstieren wie Schnecken, Würmern und Insekten Platz zum Leben.

Im Herbst das Laub nicht in die Grünabfuhr geben, es zu einem Haufen schichten und mit Sträucherschnitt zudecken. Hier fände er einen idealen Platz zum Überwintern. Das Laub verrottet, das Ästedach bleibt bestehen und Mama Igel kann hier ihre drei bis fünf Jungen aufziehen. Alles wäre paletti. Der Igel würde es danken. Aber eben, wäre, würde, sollte …

Bert Stankowski

Weisslingen

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