Auf der Jagd nach dem perfekten Bild

RHEINECK/ENGADIN. Die Jeans werden schon mal in Mitleidenschaft gezogen. Das stört Christof Sonderegger nicht im Geringsten. Denn dem Rheinecker, einem der gefragtesten Fotografen für Tourismus und Freizeit der Schweiz, geht es in erster Linie um das perfekte Bild mit einer gewissen «Swissness».

Alexandra Pavlovic
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Fotograf Christof Sonderegger in Aktion. (Bild: Rudolf Hirtl)

Fotograf Christof Sonderegger in Aktion. (Bild: Rudolf Hirtl)

Knien, liegen, stehen. Wenn man so fit ist wie der 60-jährige Fotograf Christof Sonderegger, kann die Suche nach der besten Aufnahmeposition schon mal einer turnerischen Glanzleistung gleichkommen. Für die Tourismusorganisation Engadin St. Moritz hat er den Auftrag, Katalogbilder zu «schiessen». Dank seiner 25-jährigen Erfahrung im Bereich der Tourismus- und Freizeitfotografie gehört er zu den Besten seines Fachs.

Die Ruhe selbst

Die erste Station führt von der Talstation Furtschellas auf 2312 Metern ins Restaurant La Chüdera. Eine grosse Terrasse empfängt den Fotografen und seine Entourage. Der Blick ins Tal – atemberaubend. Kaum angekommen, ist Christof Sonderegger in seinem Element. Die Lokalität inspiziert er genau. Jeder Winkel wird akribisch analysiert. Von Hektik keine Spur. Im Gegenteil. Er ist die Ruhe selbst. Vom übrigen Treiben lässt er sich kaum beeindrucken. Noch eine kleine Absprache mit der Projektleiterin Sophie Parisod, und schon geht's los.

Passende Objekte für die Aufnahme, wie Tisch und Stühle, werden vom Fotografen eigenhändig positioniert. Auch die Statisten packen mit an. Sind die Objekte platziert und die Kameraeinstellungen optimiert, klickt bereits der Auslöser. Das erste Bild ist nach wenigen Minuten im Kasten. Die Statisten wechseln die Outfits, Sonderegger erteilt genauste Anweisungen für die nächste Pose. Noch kurz das Weinglas zurechtgerückt, den Topf Edelweiss richtig positioniert, und auf geht's zum zweiten Sujet. Auch dieses ist schnell abgelichtet.

Für Sonderegger ist die Glaubwürdigkeit der Fotografie ausschlaggebend. Die einzelnen Kompositionen müssen stimmig sein. Im Zeitalter der digitalen Bildbearbeitung kann man einiges verschönern und retuschieren. Für Sonderegger ist dies kein Verbrechen. Aber: «Es kommt immer darauf an, was man mit dem Bild aussagen möchte.» Programme wie Photoshop seien für ihn nichts weiter als eine Möglichkeit, die Bilder zu optimieren.

Auf die Frage, wie frei er während eines Shootings agieren könne, sagt er: «Es gibt einige strikte Vorgaben, die es zu erfüllen gilt. Möchte ein Auftraggeber ein Bike oder Auto in den Fokus rücken, so ist es für mich Pflicht, dies zu erfüllen. Was ich mit der restlichen Umgebung mache, bleibt mir überlassen.»

Lieber Sonne als Wolken

Nicht jeder von Sondereggers Aufträgen gestaltet sich so einfach wie jener im Engadin. Manch ein Klient komme mit konkreten Vorstellungen auf ihn zu. «Der Kunde will Berge, irgendwo ein schönes Haus und eine grossartige Landschaft sehen. Solche Vorgaben sind nicht immer hilfreich.» Ihm nützten die schönsten Motive nichts, wenn er sie nicht in einem Bild vereinen könne. Vielen Kunden fehle das optische Vorstellungsvermögen. Gewisse Einzelheiten, die für die Harmonie eines Bildes wichtig seien, würden einfach übersehen, sagt Sonderegger. Hier seien sein Wissen und seine Erfahrung als Fotograf gefragt. Nebst der Schwierigkeit, alles ins rechte Licht zu rücken, bezeichnet Sonderegger das Wetter als die grösste Herausforderung. Möglichst kein Wind, kleine Wolken vielleicht, dafür umso mehr Sonne.

Sondereggers digitales Archiv umfasst 40 000 Bilder, zusätzlich besitzt er 10 000 Dia-Scans aus der Zeit, in der er noch analog fotografierte. «Wirklich brauchen tut ein Fotograf jedoch knapp tausend», sagt er. Für ihn zählt die Qualität der Bilder, nicht die Quantität. Christof Sonderegger will das perfekte Bild.

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