Auch mit ihnen ist nicht zu spassen

REBSTEIN. Böse Geister müssen künftig noch mehr auf der Hut sein. Denn jeweils um die Klausenzeit tauchen die Rhintaler Perchtawiiber aus den Nebelschwaden der Wälder auf. Die erste weibliche Perchtengruppe der Schweiz wurde am letzten Freitag in Rebstein gegründet.

Angelika Rieger
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Die erste weibliche Perchtengruppe der Schweiz: Die Rhintaler Perchtawiiber lassen das Brauchtum in seiner ureigensten Form aufleben. Wie die männlichen Perchten werden auch sie den Unholden in den Raunächten entgegentreten und spektakuläre Auftritte bieten. (Bild: Angelika Rieger)

Die erste weibliche Perchtengruppe der Schweiz: Die Rhintaler Perchtawiiber lassen das Brauchtum in seiner ureigensten Form aufleben. Wie die männlichen Perchten werden auch sie den Unholden in den Raunächten entgegentreten und spektakuläre Auftritte bieten. (Bild: Angelika Rieger)

Leuchtende Augen, figurbetonte Kostüme aus Leder und Fell, Schellen und Masken, die den Charakter ihrer Trägerin spiegeln, sind die Erkennungszeichen der Rhintaler Perchtawiiber. Mit ihnen ist künftig ebenso wenig zu spassen wie mit ihren männlichen Pendants. Als Jäger des Bösen werden die Wiiber Ylvi, Menja, Mara, Aisha und Mia sowie die Jäger Kyra, Ronja und Enya bösen Geistern den Kampf ansagen.

Bereits eine Menge Fans

Damit sind künftig auch die hiesigen Fasnachtsumzüge und andere Anlässe im Rheintal wie die Obervogel-Prämierung in Rebstein um eine Attraktion reicher: Acht Frauen haben sich zur ersten weiblichen Perchtengruppe der Schweiz zusammengefunden und hatten bereits viel Spass miteinander. Denn kaum aus der Taufe gehoben, hatten die Rhintaler Perchtawiiber ihren ersten Auftritt. Sie präsentierten sich mit Ketten, Schellengeläut und lautem Johlen am letzten Samstag am Klausenumzug im deutschen Sonthofen zusammen mit 500 Kläusen, Bärbele, Krampussen und Hexen – und haben seither eine Menge Fans. Unter anderen ihre teuflischen Brüder, die Riettüfel Triber, die ebenfalls in Sonthofen auftraten. Sie waren es, die die Rhintaler Perchtawiiber nicht nur motivierten, die Gruppe zu gründen, sondern auch allerhand Unterstützung boten. «Worüber wir sehr froh waren», erklärt Präsidentin Monika Segmüller.

Ein Dreivierteljahr investierten die acht Frauen in die Planung. Letzten Freitag wurde der Verein in Rebstein gegründet. Dort wurden die Statuten hinterlegt, das Vereinslokal befindet sich im «Hirschen» in Hinterforst. Jede Einzelne hat sich engagiert, auch als es um die Kleiderbeschaffung ging. Denn Perchtenkostüme sind nicht ab Stange und nicht überall zu haben. Dafür sind die Frauen ins österreichische St. Peter gereist.

Ein wenig sexy darf's schon sein

Die Kostüme am richtigen Ort zu besorgen, hat sich gelohnt: Jedes Kostüm ist ein Unikat und wurde von der jeweiligen Trägerin ausgesucht. Einig waren sich die Frauen lediglich in einem: Auf den Leib geschneidert und etwas sexy sollte es sein. «Jede wusste sofort, was sie wollte», erklären die Frauen. Mit Rossschwänzen und Hörnern ausgestattet, nahmen sie auch für die Masken einen weiten Weg in Kauf. Die wurden mit viel Herzblut in Handarbeit von Eddy Smania in Geroldswil gefertigt.

Die Rhintaler Perchtawiiber sind eine bunt gemixte Gruppe ganz unterschiedlicher Frauen. Dennoch haben sie viel gemeinsam: Alle sind vom Traditionellen und dem Mystischen der Perchten fasziniert. Und alle sind über 40 und im Rheintal verwurzelt. Ein Wurzelstock ist deshalb ihr Markenzeichen. Er wird auf einem Wagen von drei Jägern gezogen. Sie erkennt man an der Fellmütze, dem Fuchs über der Schulter und dem langen Ledermantel. Die Jäger schauen aber auch, dass während eines Auftritts alles rund läuft. Denn die Frauen haben zwar nicht so schwere Kostüme wie ihre männlichen Kollegen zu tragen, doch sind auch sie mit den Masken in ihrer Sicht eingeschränkt. «Und das sturzfreie Laufen auf den hohen Plateauschuhen mussten wir erst üben», lacht Menja.

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