AU: Fährunglück führte zu Projektarbeit

Dario Zoller hat soeben die Oberstufe abgeschlossen. Als Abschlussarbeit hat er das Modell einer Rheinmühle gebaut. Diese schwimmenden Mühlen wurden am Alpenrhein bis Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben.

Kurt Latzer
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Kurt Latzer

Er hat den Plausch an seiner kleinen Mühle. Stolz erklärt Dario Zoller auf dem Sitzplatz vor seinem Elternhaus, wie die Mühle gebaut ist. «Und sie funktioniert, Wasserrad, Übersetzung und Mühlstein drehen sich», sagt der in wenigen Tagen 15-Jährige. Und wie kommt man heutzutage als Jugendlicher auf die Idee, ein solches Teil zu bauen? Dario lächelt und sagt: «Ich habe meinem Vater einen Text über ein Fährunglück abgetippt, das sich 1835 auf dem Rhein ereignet hat.» Beim Unfall sei eine Frau flussabwärts getrieben und unter eine Rheinmühle geraten.

Rheinmühle: Der Lehrer hatte keine Ahnung

Weil ihn wundernahm, wie einst so eine Mühle aussah, begann er zu recherchieren. «Im August beginne ich die Schreinerlehre. Deshalb hatte ich beschlossen, bei der Abschlussarbeit der Schule mit Holz zu arbeiten. Als ich im Museum Rhein-Schauen in Lustenau ein altes Modell einer Rheinmühle gesehen hatte, stand fest, was ich bauen würde», sagt Dario Zoller. Erneut beginnt der Jugendliche zu lächeln, als die Rede auf seinen Lehrer fällt – was der zur Idee meinte. «Der hat keine Ahnung gehabt, konnte sich unter Rheinmühlen nichts vorstellen», sagt der Teenager. Erst als er dem Lehrer die Pläne einer alten Flussmühle zeigte, habe dieser der Projektarbeit zugestimmt. «Die Pläne mit Massangaben habe ich vom Museum Rhein-Schauen bekommen», sagt der Wassermühlenbauer. Seine Mühle ist 34 Zentimeter lang, im Massstab 1:40. Etwa 50 Arbeitsstunden hat der Schulabgänger in die Recherche, die Planung, die Materialliste und den Bau seiner Flussmühle investiert. Und sie ist schön geworden, ein interessantes Modell für den Anschauungsunterricht. «Auch wenn die dritte Ankerkette und ein Holzsteg fehlen», sagt der angehende Schreiner. Mit dem Bau hat Dario Zoller auch seine Liebe zum Detail bewiesen. Denn nicht nur das Wasserrad, ein hölzernes Zahnrad mit Übersetzung, und der Mühlstein sind zu sehen, sondern auch der Auffangbehälter für das Mehl und ein Reservemühlstein im Obergeschoss der Mühle. Von dort aus habe der Müller das Getreide in einen Trichter gefüllt, das vom darunterliegenden Stein gemahlen wurde. Wie viele dieser Flussmühlen einst im Alpenrhein zu sehen waren, weiss Dario nicht. So weit habe seine Recherche nicht gereicht. Die Abschlussarbeit hat dem jungen Auer die Note 5,5 eingebracht. «Nicht ganz so befriedigend», sagt Dario. Ihn ärgern die Punktabzüge, die er für die Dokumentation kassiert hat. Weil da­rin die Schrift nicht überall so gross war, wie sie hätte sein sollen. Mehr zum Fährunglück von 1835 findet man unter dem Titel «Weinhandel über den Rhein» auf der Homepage www. rebweg-au.ch. Diese Seite betreut Darios Vater, Hubert Zoller.