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AU: Boxen bringt Abwechslung in den Alltag

Der Boxclub Rheintal führte am Montagmorgen ein Schnuppertraining für Asylsuchende durch. Erschienen sind neun Eritreer, die unter der Leitung von Walter Walser trainierten. Die grösste Barriere zwischen Leiter und Teilnehmern ist die Sprache.
Remo Zollinger
Der Eritreer Mulugeta Tesfay (rechts) ist einer von neun jungen Männern, die am Montagmorgen den Boxsport näher kennenlernten. Er sagt: «Ich hoffe, ich erinnere mich beim nächsten Mal an die Ausdrücke, dann lerne ich etwas dazu». (Bild: Remo Zollinger)

Der Eritreer Mulugeta Tesfay (rechts) ist einer von neun jungen Männern, die am Montagmorgen den Boxsport näher kennenlernten. Er sagt: «Ich hoffe, ich erinnere mich beim nächsten Mal an die Ausdrücke, dann lerne ich etwas dazu». (Bild: Remo Zollinger)

Remo Zollinger

Montagmorgen im Clubraum des Boxclubs Rheintal, im Keller eines Mehrfamilienhauses in Au. «Weiter! Weiter! Weiter! Weiter!», ruft Walter Walser. Der 75-jährige Boxlehrer spornt die Teilnehmer an, macht Bewegungen vor, die die Männer nachmachen – seine Anweisungen verstehen sie aber kaum. «Es ist schwierig, weil sie unsere Sprache noch nicht gut verstehen», wird Walser nach dem Training sagen. «Aber sie haben sehr gut mitgemacht, ich habe gleich gesehen, dass sie sich bewegen wollen.»

Gleich denkt Andrea Marciello, ein 18-jähriger Boxer, der Walser beim Training engagiert unterstützt. Er bereitet sich zurzeit auf die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium vor, «an einem Morgen kann ich aber schon mal eine Pause einlegen». Sein bester Freund sei Eritreer, weshalb er die Menschen aus diesem Land ein wenig kenne.

Der Boxclub Rheintal ging auf die Gemeinde zu

Er habe an zwei Tagen in der Woche Deutschunterricht, sagt Mulugeta Tesfay aus Eritrea. Er könne die Sprache daher noch nicht so gut, das Boxtraining spreche ihn aber dennoch an. «Ich hoffe, ich erinnere mich beim nächsten Mal an die Ausdrücke, dann lerne ich etwas dazu», sagt er und verspricht, wieder zu kommen.

Das nächste Boxtraining für Asylsuchende findet am nächsten Montag statt. Die Initiative für das Training ging vom Boxclub Rheintal aus. Walter Walser sagt, der Boxclub werde als Verein von der Gemeinde unterstützt und könne ihr so etwas zurückgeben. Indem er den Männern aus Ostafrika hilft, sich zu integrieren. Bei der Gemeinde schätzt man Walsers Initiative. «Es ist eine sinnvolle Sache, weil das Training diesen Menschen etwas Abwechslung und Zerstreuung im Alltag verschafft», sagt Rico Dietrich, Integrationsbeauftragter der Gemeinde Au.

In dieser Funktion hat er einen abwechslungsreichen Ar- beitsalltag mit vielen Aufgaben. Zu ihnen gehört es auch, gewisse Schweizer Werte vorzuleben. Etwa die Pünktlichkeit. Zwei, drei Minuten zu spät kommen die Asylsuchenden im Clubraum an, Dietrich sagt: «Um 9 Uhr soll das Training beginnen, nicht um fünf nach Neun!»

Abgesehen von den sprachlichen Hürden unterscheidet sich das Training nicht gross von anderen Anfängertrainings. Im Hintergrund läuft das Lied «The Eye of the Tiger», von der Kabine aus hört man Walser Anweisungen geben. «Jetzt mit der Führungshand arbeiten», sagt er und wartet geduldig, bis die Teilnehmer ihm folgen. Walser behandelt die Asylsuchenden nicht anders als andere Schüler, hat keine Berührungsängste.

«Das dürft ihr auf der Strasse nicht brauchen!»

Spricht der erstaunlich fitte 75-Jährige über Boxen, versprüht er Begeisterung. Voller Freude umschreibt er die hohen Anforderungen des Boxsports; spricht von der Körperkoordination, den Grundschritten, der Trefferflächen. Und warnt die Teilnehmer: «Was ihr hier lernt, dürft ihr auf der Strasse nicht brauchen, sonst kommt die Polizei!» Am besten würden sie das Gelernte gar nie brauchen: «Ausser hier.»

Ein Rohdiamant, sagt Walser, sei nicht dabei gewesen. Er habe schon auch auf die sportliche Veranlagung der Asylsuchenden geachtet: «Auch unter ihnen gibt es bemerkenswerte Talente, die gefördert werden sollen», sagt er. Derzeit trainiert er mit einem unbegleiteten Jugendlichen, einem 16-jährigen Iraner, der in der Marienburg in Thal wohnt. «Er hat in seiner Heimat schon Kämpfe bestritten und ist sehr lernwillig.»

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