Au
Abwasserreinigungsanlage Rosenbergsau erhält ein Solarfaltdach über den Becken

Die Abwasserreinigungsanlage Rosenbergsau bekommt ein 3000 Quadratmeter grosses Solarfaltdach. Die Stromprodkution wird um 400000 Kilowattstunden gesteigert.

Kurt Latzer
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Das Solarfaltdach über den Becken der ARA in Chur wurde als Pilotanlage 2017 in Betrieb genommen und bisher erfolgreich betrieben. Die Verantwortlichen der ARA Rosenbergsau besuchten die Anlage und haben sich entschieden, es der ARA Chur gleichzutun.

Das Solarfaltdach über den Becken der ARA in Chur wurde als Pilotanlage 2017 in Betrieb genommen und bisher erfolgreich betrieben. Die Verantwortlichen der ARA Rosenbergsau besuchten die Anlage und haben sich entschieden, es der ARA Chur gleichzutun.

Bild: pd

Heute produziert die ARA in Au zwei Drittel der benötigten Energie selbst. Erzeugt wird diese durch zwei Blockheizkraftwerke, ein kleiner Teil durch Photovoltaik auf den Maschinenhäusern und auf der Lagerhalle. Nun soll ein 3000 Quadratmeter grosses Solarfaltdach die eigene Stromproduktion um etwa 400000 Kilowattstunden steigern.

«Weil wir dachten, ein solches Faltdach könnte in unser Konzept passen, haben wir die Anlage in der ARA Chur besichtigt», sagt Maurizio Schirinzi, Geschäftsführer der ARA Ro­senbergsau. Weitere Abklärungen ergaben, die Standardmodule des Herstellers aus dem Bündnerland passen auch auf die Becken der Auer ARA.

Die einfahrbaren 1280 Pho­tovoltaik-Paneele sollen die Becken in der Rosenbergsau in einer Höhe von sechs Metern überspannen. «Damit wir mit Lastwagen unter den geschlossenen Solarmodulen durchfahren können, beträgt die Mindest­höhe viereinhalb Meter», sagt der Geschäftsführer.

Stromerzeugung, Wetter- und Sonnenschutz

In der Schweiz stehen bereits einige Anlagen der DHP Technology AG im Einsatz. Nicht nur über Klärbecken, sondern auch als Überdachung von Parkflächen und anderen Arealen wandeln die Solarfaltdächer Sonnenlicht in Strom um.

Das Faltdach in der Churer ARA wurde 2017 als Pilotpro­- jekt in Betrieb genommen. «In Au handelt es sich um die dritte ARA im Kanton St.Gallen, die eines unserer Dächer bekommt», sagt Sabina Schlosser, Mediensprecherin der DHP Technology AG. Gemäss des Herstellers kann der vom Solarfaltdach lokal produzierte Solarstrom zu 100 Prozent auf der Kläranlage verbraucht werden.

Wie sich während des Betriebs der Pilotanlage in Chur zeigte, haben die Solarfaltdächer weitere positive Eigenschaften. Sie spenden wertvollen Schatten; in den Klärbecken reduziert sich das Algenwachstum nachweislich; an heissen Sommertagen werden die Mitarbeiter vor Hitze und UV-Strahlung geschützt; das Solar-Faltdach fährt je nach Wetterlage automatisch ein und aus, um sich vor Sturm, Hagel und Schnee zu schützen.

1,8 Gigawatt-Stunden Strom produziert die ARA

Zurzeit ist in der ARA der Bau einer zusätzlichen Reinigungsstufe zum Eliminieren von Mikroverunreinigungen in Planung. Mit dem Betrieb dieser Stufe nimmt der Stromverbrauch deutlich zu. Mit dem Solarfaltdach ist es möglich, den heutigen Stand der Eigenversorgung mit Energie zu halten. «Wir gehen davon aus, den Strombedarf für die neue Reinigungsstufe mit der Energie vom Solardach zu decken», sagt Maurizio Schirinzi.

Heute produziert die ARA mit allen Stromerzeugern etwa 1,8 Gigawatt-Stunden Strom. Der Verbrauch liegt bei zirka 2,6 Gigawatt-Stunden. «Auch nach Inbetriebnahme der neuen Reinigungsstufe und des Solarfaltdaches kratzen wir mit der Eigenproduktion von Strom an der 70-Prozent-Marke», sagt der ARA-Geschäftsführer. Schirinzi hofft, das Solarfaltdach im ersten Quartal 2022 und die neue Reinigungsstufe Mitte 2024 in Betrieb nehmen zu können. Das neue «Kraftwerk» über den Becken kostet etwa 1,2 Millionen Franken.

Für die Finanzierung und den Betrieb des Faltdaches standen zwei Varianten zur Auswahl: Nur die Fläche zur Verfügung zu stellen und das Ganze durch eine Firma betreiben zu lassen, oder die Anlage selber zu kau- fen und allein zu nutzen. Nach eingehender Prüfung entschied sich der Verwaltungsrat für Letzteres.