Asylbewerber pickeln und putzen fürs Museum

ALTSTÄTTEN. Die letzten Tage arbeiteten Asylbewerber vom Altstätter Empfangs- und Verfahrenszentrum für das Museum Schloss Prestegg. Unter anderem haben sie den vor sieben Jahren wiederentdeckten Gewölbekeller unter dem Garten fertig freigelegt. Jetzt putzen sie Fenster und Ausstellungsstücke.

Max Tinner
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Asylbewerber aus dem Empfangs- und Verfahrenszentrum Altstätten haben den vor sieben Jahren wiederentdeckten Gewölbekeller unter dem Museumsgarten in kräftezehrender Handarbeit vom darin entsorgten Schutt befreit. (Bild: Max Tinner)

Asylbewerber aus dem Empfangs- und Verfahrenszentrum Altstätten haben den vor sieben Jahren wiederentdeckten Gewölbekeller unter dem Museumsgarten in kräftezehrender Handarbeit vom darin entsorgten Schutt befreit. (Bild: Max Tinner)

Sieben Jahre nach der Entdeckung des Gewölbes unter dem Lusthäuschen im Museumsgarten ist es nun freigelegt. Dieser Tage haben Asylbewerber aus dem Empfangs- und Verfahrenszentrum die letzten Kubikmeter Schutt lose gepickelt und aus dem Keller gebuckelt.

Als man 2007 bei Leitungsarbeiten in der Rabengasse das Gewölbe unter dem Gartenhäuschen entdeckte, war dies auch für die Museumsleitung eine Überraschung. Der etwas abseits der mehrere Hundert Jahre alten Prestegg gelegene Keller wurde irgendwann nicht mehr gebraucht, war als günstige, nahe gelegene Entsorgungsmöglichkeit für Bauschutt noch willkommen und ist dann mit der Zeit vergessen gegangen.

Schweisstreibende Arbeit

Die Freilegung erwies sich als mühselige Angelegenheit. Zunächst versuchte man, den Schutt maschinell herauszusaugen. Das ging, solange das Material nicht zu grob und trocken war. Bald stiess man aber auf feuchteren Schutt, der sich über die Jahrzehnte zu einer kompakten, widerspenstigen Masse verfestigt hatte. Diese liess sich nur in Handarbeit lockern und rausschaffen. Solange der Keller noch gut gefüllt war, ging dies zudem nur in gebückter Haltung. Museumskustos Thomas Stadler, eigentlich schon einige Jahre im Pensionsalter, packte zusammen mit Stammtischfreunden und Jahrgängern selbst mit an und weiss darum aus eigener Erfahrung, wie schweisstreibend und kräfteraubend die Arbeit war.

Umso erfreuter und dankbarer war er, als das Museum Hilfe von unerwarteter Seite bekam: von Asylbewerbern aus dem Empfangs- und Verfahrenszentrum. Letzten Winter übernahmen sie die Pickel und Schaufeln. Als plötzlich ein Stein von der Decke fiel, stellte man die Arbeiten aus Sicherheitsgründen ein. Es zeigte sich dann zwar, dass er sich nicht aus dem Gewölbe selbst gelöst hatte, sondern von einer an dessen Rand eingemauerten Säule. Trotzdem hielt man es für gescheiter, das Gewölbe für die weiteren Freilegungsarbeiten abzustützen, selbst wenn das Stützwerk die Arbeit in den beengten Verhältnissen auch nicht gerade erleichterte. Nun ist der Keller aber freigelegt und das Gewölbe gereinigt. Um die 120 m3 oder über 200 Tonnen Schutt dürfte man von Hand herausgeholt haben, rechnet Thomas Stadler überschlagsmässig aus. Wie man den Gewölbekeller künftig nutzen will, steht noch nicht fest. Stadler ist es aber ein Anliegen, dass auch dieser Raum für die Öffentlichkeit zugänglich wird.

Auch im Rheintal herrschte Not

Mit der Freilegung des Gewölbekellers war der Einsatz der Asylbewerber fürs Museum nicht fertig. Zurzeit putzen sie Fenster und Ausstellungsstücke. Thomas Stadler ist auch für diese Hilfe dankbar. Gerne zeigt er den Asylbewerbern dafür in der Pause das eine oder andere Ausstellungsstück. Mit Hilfe des Betreuers Ferzad Rashidi, der seine Ausführungen übersetzt, hat Stadler den Asylbewerbern zum Beispiel einen Hungertaler gezeigt und ihnen klargemacht, dass – wie ihre Heimat heute – auch das Rheintal einst Zeiten der Not erlebte.

Thomas Stadler lobt das Engagement der Asylbewerber. «Wenn man ihnen etwas sagt, dann machen sie's auch», sagt er. Entgegen der landläufigen Meinung seien die meisten Asylbewerber durchaus arbeitswillig und machten keine Probleme, betont Bernd Hammerer, Leiter Betreuung im Empfangs- und Verfahrenszentrum Altstätten. Dennoch würden die Leute für Arbeitseinsätze ausserhalb des Zentrums sorgfältig ausgewählt. Erst, wer sich in der internen Beschäftigung bewährt habe, werde für Arbeiten zugunsten der Bevölkerung eingesetzt.

Dem Partyvolk hinterherputzen

In Altstätten sind dies nicht nur Arbeiten fürs Museum. Willkommen sind die Dienste der Asylbewerber auch für die Ausmerzung wuchernder exotischer Pflanzen, für einfachen Unterhalt an Meliorationskanälen im Riet oder auch für Aufräumarbeiten den Strassen entlang. Seit einiger Zeit räumen Asylbewerber auch den Unrat zusammen, den das Partyvolk am Wochenende hinterlässt. Jeweils ab halb sieben Uhr putzen die Asylbewerber am Sonntagmorgen das Städtli. Bis halb zehn müssen sie damit fertig sein – damit die Kirchgänger ein sauberes Städtli vorfinden.

Das Empfangs- und Verfahrenszentrum benötigt laufend Kleidung, vor allem Herrenkleider, für neu angekommene Asylbewerber. Kleiderspenden sind willkommen. Auskunft gibt Bernd Hammerer, Leiter Betreuung, Tel. 079 946 12 63, E-Mail bernd.hammerer@bfm.admin.ch.

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