Appenzellerland
«Da packt mich grad das Fernweh»: Am Heiden Festival wurde Musik aus der ganzen Welt gespielt

Die verschiedenen Gruppen luden am Heiden Festival das Publikum zum Zuhören und Mittanzen ein.

Nadine Küng
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Zu Gast am Heiden Festival: Maestrale (links am Akkordeon Filippo Gambetta, in der Mitte am Piano Fabio Vernizzi, rechts an der Violine Sergio Caputo).

Zu Gast am Heiden Festival: Maestrale (links am Akkordeon Filippo Gambetta, in der Mitte am Piano Fabio Vernizzi, rechts an der Violine Sergio Caputo).

Eine ausgelassene Stimmung herrscht am Freitagabend im Kirchgemeindehaus in Heiden. Bal Folk-Tanz steht als Auftakt der fünften Ausgabe des Heiden Festival auf dem Programm. Zu den vielseitigen Klängen der ligurischen Gruppe Maestrale wird getanzt, gehüpft, geklatscht, gelacht. Die bunten, weiten Kleider wehen bei jeder Drehung. Leichtfüssig gleiten die Tänzerinnen und Tänzer – viele von ihnen sind barfuss – über den Fussboden, es macht nahezu den Eindruck, als würden sie schweben. Hier kommt pure Lebensfreude zum Ausdruck.

Das Klima ist familiär. Aus jeder Ecke ertönt eine andere Sprache, nebst Deutsch wird auch Italienisch, Französisch oder Englisch gesprochen. «Wir kommen aus verschiedenen Regionen der Schweiz und kommen an BalFolk-Festivals immer wieder zusammen», sagt eine der Tänzerinnen. Es seien immer etwa die gleichen Leute anzutreffen. Auch aus dem nahen Ausland sind Gäste angereist.

Chansons, Träumereien, Gipsy und Trinklieder

Nachdem die letzten Takte von Maestrale verklungen sind, geht es nach einer Umbauphase musikalisch mit Zéphyr Combo weiter. Neben dem Gesang beherrschen Esther Nydegger, Geert Dedapper, Reto Bischofberger und Leon Schaetti zusammen zahlreiche Instrumente: Geige, Gitarre, Querflöte, Akkordeon, Klavier und Schlagzeug gehören dazu, ausserdem eine Drehleier und ein Helikon.

Die schweizerisch-belgische Gruppe gibt eine bunte Mischung aus Chansons, Träumereien, Gipsy und Trinkliedern zum Besten. Die feierliche Stimmung von vorhin nimmt sogleich wieder Fahrt auf. Noch bis spätabends wird weitergetanzt, von Ermüdung keine Spur. Im Gegenteil, wie eine weitere Tänzerin erklärt: «Nach durchgetanzten Nächten habe ich jeweils mehr Energie als davor.»

Am frühen Samstagnachmittag ist die Stimmung im Lindensaal gemütlich, während draussen ein heftiger Herbstwind bläst. Das Publikum lauscht aufmerksam den Melodien von Maestrale. Die Gruppe ist bereits 2018 für das Festival nach Heiden gereist. Damals traten Filippo Gambetta am Akkordeon und Sergio Caputo, Geige, noch mit dem Gitarristen Carmelo Russo auf, der inzwischen verstorben ist. Zum Trio gehört neu Fabio Vernizzi am Piano.

Maestrale lassen in ihre Kompositionen Melodien aus Frankreich, Skandinavien und aller Welt einfliessen. Die Leidenschaft, mit der die drei musizieren, überträgt sich auf das Publikum, manche wippen mit dem Fuss mit oder nicken im Takt. Schliesslich verabschiedet sich die Gruppe mit einem «grazie di cuore!» von den Besuchern, die für eine kurze Zeit in andere Welten eintauchen konnten. «Da packt mich grad das Fernweh», sagt etwa ein Zuhörer beim Verlassen des Saals.

Tradition mit Neuem kombinieren

Auch Maestrale hat den Auftritt genossen. «Ich hoffe, dass wir wieder kommen können», sagt der Akkordeonist Filippo Gambetta. «Ich mag die Atmosphäre, es ist so schön hier.» Für den Rest des Festivals sind die drei Musiker jedoch nicht mehr zugegen; sie machen sich direkt auf den Weg nach Mittelitalien, um dort ihr nächstes Konzert zu geben.

In der FEG begeistern derweil Töbi Tobler und Patrick Sommer mit ihren Eigenkompositionen. Zwischen den Stücken unterhalten sie mit Stückansagen und Anekdoten spontan und mit viel Witz ihr zahlreich erschienenes Publikum. Musikalisch kombinieren auch sie Tradition mit Neuem; Tobler am Hackbrett und Sommer am Kontrabass oder dem Gimbri, einer marokkanischen Basslaute. Dieses habe er von einem Freund geschenkt bekommen und, nachdem es eine Weile ungebraucht in seiner Stube gestanden habe, irgendwann zum Musizieren mitgenommen. So seien dann die ersten Stücke entstanden. Mit einem am Fuss befestigten Rhythmusinstrument verleiht Sommer dem Spiel und Gesang eine zusätzliche Würze.

Während Tobler und Sommer neben dem Gimbri auf zwei traditionellen Instrumenten spielen, ist ihre Musik sehr persönlich, lässt sich nicht in eine bestimmte Stilrichtung einordnen. «Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Stücken», sagt Patrick Sommer. Tobler ergänzt: «Am wichtigsten ist uns, dass wir authentische Klänge erzeugen.» Das gelingt. Die beiden sind perfekt aufeinander abgestimmt, die Musik lebt von der Stimmung des Moments.

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