Antonius, der Bettelmönch

«Antonius, du kreuzbraver Mann, führ mich dorthin, wo mein Autoschlüssel sein kann.» Antonius von Padua ist für viele der Lieblings-Heilige. Am heutigen Todestag steht nicht nur Padua Kopf, sondern auch Lissabon, wo er die Kindheit verbrachte.

Christoph Klein Altstätten
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«Antonius, du kreuzbraver Mann, führ mich dorthin, wo mein Autoschlüssel sein kann.»

Antonius von Padua ist für viele der Lieblings-Heilige. Am heutigen Todestag steht nicht nur Padua Kopf, sondern auch Lissabon, wo er die Kindheit verbrachte.

Ferdinand Martim de Bulhões e Taveira wurde etwa 1195 in eine Adelsfamilie geboren. Ganz jung studierte er Theologie, und mit etwa 17 Jahren wurde er bereits zum Priester geweiht. Ein Schlüsselerlebnis war 1220, als er miterlebte, wie die Gebeine der marokkanischen Märtyrer beigesetzt wurden: Diese waren als Franziskanermissionare nach Nordafrika aufgebrochen, um einen moslemischen Herrscher zum Christentum zu bekehren. Sie hatten ihren Versuch mit dem Leben bezahlen müssen. So trat der junge Mann dem Orden des Franziskus bei, jenes Mannes, der den Ruf Gottes gehört hatte «Franz, stelle mein verfallenes Haus wieder her».

Der Franziskanerorden war zu einer starken Kraft in der Kirche geworden, die er von innen her verändern wollte. Im Hochmittelalter befasste sich die Kirche sehr mit Fragen der Macht – Macht vor allem gegenüber dem Kaiser, aber auch Macht im Heiligen Land, die sie mit Kreuzzügen zu erringen versuchte. Welchen Gegensatz dazu stellten die braun gekleideten Bettelmönche dar!

An der Person Antonius – so sein Ordensname – fasziniert, dass er einerseits ganz einfach lebte (in den letzten Monaten seines Lebens etwa auf einem luftigen Sitz in einer Baumkrone), andererseits aber zu den grössten Intellektuellen seiner Zeit gehörte: Enormes Bibelwissen und grosse geistige Schärfe verbanden sich bei ihm mit einer sensationellen Begabung zum Predigen und spielten gerade in der damaligen Auseinandersetzung der Kirche mit dem leibfeindlichen Ansatz der Katharer eine wichtige Rolle. Bis zu 30 000 Leute hörten Antonius' Predigten zu, natürlich im Freien, weil Kathedralen dazu zu klein waren; und Franziskus ernannte ihn zum ersten theologischen Lehrer für seinen Orden. Viele Wunder und Heilungen, auch nach seinem Tod, machten ihn äusserst populär.

Was bleibt von Antonius? Ein eindrückliches Zeugnis eines Mannes, der sich durch und durch für die christliche Botschaft begeistern liess. Der nicht an irgendeinem bequemen Punkt stehenblieb, sondern konsequent war. Und vor allem: Der begriff, dass man christliche Botschaft nicht intellektuell verkürzt weitergeben kann. Sondern nur so, dass klar bleibt, wie sehr sie jede und jeden persönlich herausfordert.