Anstehen für den Stempel

LUSTENAU. Die Kauflust der Schweizer in Vorarlberg bereitet den österreichischen Zollbeamten jede Menge Arbeit. Jährlich müssen rund 700 000 Ausfuhrzettel abgestempelt werden.

Susi Miara
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Am Wochenende sind am Grenzübergang in Lustenau bis zu drei Mitarbeiter der Bundespolizei damit beschäftigt, die Ausfuhrscheine abzustempeln. (Bild: Susi Miara)

Am Wochenende sind am Grenzübergang in Lustenau bis zu drei Mitarbeiter der Bundespolizei damit beschäftigt, die Ausfuhrscheine abzustempeln. (Bild: Susi Miara)

Interspar Dornbirn stellt für 50 Prozent der Geschäfte im Messepark die Formulare für die Mehrwertsteuer-Rückerstattung aus. Pro Woche sind es bis 2000 Formulare, wobei 50 Prozent auf das Wochenende (Freitag 20 Prozent und Samstag 30 Prozent) fallen, sagt Interspar-Geschäftsleiter Wolfgang Hafner. Rechnet man die restlichen 50 Prozent der Messepark-Geschäfte dazu, die selber ihre Formulare ausstellen, sind es 4000 bis 5000 Formulare, die jede Woche nur von Messepark-Kunden aus der Schweiz an der Grenze abgestempelt werden.

Warteschlangen am Zoll

Das spüren auch die Mitarbeiter der Bundespolizei an den Grenzübergängen in Lustenau, Hohenems und Höchst. Einkaufstouristen, die sich die Mehrwertsteuer erstatten lassen wollen, müssen am Zoll den Ausfuhrschein abstempeln lassen. Dies sorgt vor allem am Freitag und am Wochenende für lange Warteschlangen und Parkplatzprobleme, wie der stellvertretende Zollamt-Amtsleiter Wolfgang Hämmerle auf Anfrage erklärt. «Am Samstag werden allein in Lustenau zwischen 2000 bis 2500 Ausfuhrbelege kontrolliert und abgestempelt.» Genau so viele sind es auch am Grenzübergang in Hohenems. In Höchst sind es weit weniger. «Dort kommen wir an einem Samstag auf 250 Ausfuhrbescheinigungen», sagt Hämmerle. Jährlich kommen so etwa 700 000 Ausfuhrscheine mit einem Einkaufsvolumen von 120 Millionen Euro zusammen. Bis zu drei Beamte der Bundespolizei sind täglich allein in Lustenau mit dieser Arbeit beschäftigt. Dieser Grenzübergang hat nämlich die längsten Öffnungszeiten.

Kontrollen kaum möglich

«Unter diesen Umständen sind die nötigen Kontrollen kaum mehr möglich», erklärt Hämmerle. Bei Stichproben werden immer wieder Personen erwischt, die einen Beleg abstempeln lassen, die Ware jedoch nicht ausführen. Die Zahl der Ausfuhrzettel sei sogar gestiegen, sagt Hämmerle. Weil Österreich eine EU-Aussengrenze ist, werden auch Ausfuhrscheine aus Deutschland an den Grenzübergängen bearbeitet.

Chaotisch wird es, wenn zusätzlich Reisebusse mit japanischen Touristen die Grenze überqueren. «Dann stehen rund 150 Japaner vor unserem Schalter, um sich die Ausfuhrbescheinigungen abstempeln zu lassen.» Kritisch seien auch die räumlichen Verhältnisse vor und im Zollgebäude. «Diese sind für diesen Ansturm nicht eingerichtet», betont Hämmerle. Er würde sich wünschen, dass der Betrag für die Mehrwertsteuerrückerstattung (heute 75 Euro) der Freigrenze für Schweizer Einfuhr (300 Franken) angepasst werden würde. «Ein Versuch, diese Mindestgrenze für die Mehrwertsteuerrückerstattung von 75 auf 175 zu erhöhen, sei jedoch bereits kläglich gescheitert. «Die Wirtschaft hat sich dagegen vehement gewehrt.»