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Anspannung wandelt sich in Genuss

Endlich ist der Tag gekommen, an welchem ich mich auf den Bodensee wagen soll. Mehrmals musste der Termin verschoben werden, denn einem Risiko durch Föhn oder Gewitter setze ich mich sicher nicht aus. Zum ersten Mal darf ich den Bereich des Stegs betreten, der Seglern vorbehalten ist.
Susanne Tempelmann manövriert das Boot per Elektromotor sicher aus der Hafenanlage von Staad.

Susanne Tempelmann manövriert das Boot per Elektromotor sicher aus der Hafenanlage von Staad.

Endlich ist der Tag gekommen, an welchem ich mich auf den Bodensee wagen soll. Mehrmals musste der Termin verschoben werden, denn einem Risiko durch Föhn oder Gewitter setze ich mich sicher nicht aus. Zum ersten Mal darf ich den Bereich des Stegs betreten, der Seglern vorbehalten ist. Ein wenig nervös und angespannt bin ich schon. Schuld daran sind wohl die Bilder in meinem Kopf – von rasanten Wendemanövern, bei denen das Segelboot im rechten Winkel zum See steht, oder hohe Wellen, die meine Standfestigkeit auf die Probe stellen.

Phantasie und Realität

Auf dem Katamaran von Susanne und Udo Tempelmann aus Rheineck fühle ich mich von dem Moment an wohl und sicher, als ich mit beiden Füssen auf dem Boot stehe und weiss, ich darf mich überall festhalten – jedes Seil vermag mein Gewicht zu halten.

Kaum bin ich an Bord, bin ich beschäftigt. Ich verstaue die Planen unter Deck, helfe Leinen einzufädeln und versuche, Gleichgewicht zu halten. Meine Gedanken schweifen erneut ab: ich sehe mich bereits unfreiwillig im Bodensee schwimmen und ich weiss nicht, wie ich all die Kommandos innert kürzester Zeit beherrschen soll. Dann weicht meine Phantasie der Realität, Udo Tempelmann und seine Frau Susanne übernehmen das Kommando. Sie haben seit zehn Jahren einen Liegeplatz im Hafen Staad und die nötige Erfahrung, Segel für den Bodensee zu setzen. Sie strahlen Kompetenz aus und wecken mein Vertrauen. Ausser mir hat Udo zwei Arbeitskollegen aufs Boot mitgebracht. Patrick Grawehr steht kurz vor der Prüfung für den Segelschein, und Robert Bosch betritt wie ich schwankendes Neuland.

Ausfahrt aus dem Hafen

Schnell ist der Katamaran startklar, und unter Einsatz des Hilfsmotors steuert Susanne auf die Hafenausfahrt von Staad zu. Bis diese erreicht ist, gilt es, die seitlichen Rümpfe herauszuziehen. Diese geben dem Katamaran Stabilität. Mit Bewunderung schaue ich Udo zu, wie er gewandt seine Positionen wechselt und den Katamaran für den See tauglich macht. Dabei steigt er wie selbstverständlich über den Rumpf und steht auf der netzartigen Verbindung «neben» dem Boot. Diese akrobatische Aufgabe wird mir – zum Glück – nicht übertragen. Nachdem wir den Hafen verlassen haben, liegt der See einladend vor uns und zeigt sich von seiner freundlichen Seite. Die Wolken verziehen sich, es bläst eine angenehme Brise – nicht zu stark und nicht zu lau. Jetzt entspanne ich mich das erste Mal und beginne die Schönheit der Segeltour zu geniessen. Susanne hält die Pinne und ist verantwortlich, den Kurs zu halten. Zunächst bleibt offen, ob uns der Wind gar bis Langenargen führen wird. Kurs und Wind sprechen dafür. Wir entschliessen uns aber, noch bei Tageslicht zurückzukehren und geniessen die für mich ungewohnte Perspektive auf das Schweizer Ufer. Dann fasse ich meinen ganzen Mut und folge der Aufforderung, die Pinne zu übernehmen. Damit übernehme ich nicht nur die Aufgabe, das Boot auf Kurs zu halten, ich komme dem Ende des Bootes und damit auch dem See recht nah. Voller Stolz bemerke ich, dass ich mich nicht vom See angezogen fühle und auch den Kurs – fast – im Griff habe. Das Segeln beginnt mir richtig Freude zu bereiten.

Physik des Segelns

Mit jedem Handgriff lerne ich mehr über die Physik des Segelns. Da alle drei Männer an Bord Vermessungsingenieure sind, ist diese Perspektive auch naheliegend. So erfahre ich, ein langes Boot fährt schneller als ein kurzes. Jedes Schiff löst dreiecksförmige Wellen aus. Diese Wellen selbst zu überfahren, erzeugt Widerstand, der sich negativ auf die Geschwindigkeit auswirkt. Je länger das Schiff ist, desto länger dauert es, bis die eigene Welle erreicht wird. Die Abbremsung reduziert sich, das Schiff fährt schneller.

Der Katamaran, in welchem ich meinen Hobby-Test absolviere, erreicht recht hohe Geschwindigkeiten. Wir fahren 6,3 Knoten oder 11,7 km/h, und ich fühle mich sicher.

Am Wind oder gegen den Wind

Es ist faszinierend, zu erleben, wie das Segelboot die Windkraft nutzt und elegant über den See gleitet. Mal fahren wir mit, mal gegen den Wind. Ich erlebe Wendemanöver, das Setzen und Einholen der Segel.

Für einen Abend bin ich Teil einer Gruppe, die einem – wie ich jetzt meine – wunderschönen Hobby nachgeht. Die angenehme Atmosphäre und die Freundlichkeit lassen mich nicht nur den Sonnenuntergang, sondern die ganze Segeltour geniessen.

Robert Bosch schnuppert zum ersten Mal beim Segeln. Er zieht einen der beiden seitlichen Rümpfe ein, die dem Katamaran Stabilität geben.

Robert Bosch schnuppert zum ersten Mal beim Segeln. Er zieht einen der beiden seitlichen Rümpfe ein, die dem Katamaran Stabilität geben.

Die Fahrt geht los, der Katamaran verlässt den Hafen Staad.

Die Fahrt geht los, der Katamaran verlässt den Hafen Staad.

Susanne Tempelmann holt vor der Hafeneinfahrt die Segel ein.

Susanne Tempelmann holt vor der Hafeneinfahrt die Segel ein.

Der Bodensee zieht alle Register der Sympathie und zeigt sich von seiner schönsten Seite. (Bilder: Monika von der Linden)

Der Bodensee zieht alle Register der Sympathie und zeigt sich von seiner schönsten Seite. (Bilder: Monika von der Linden)

Während der Steuermann Kurs auf die Hafenausfahrt nimmt, richtet Udo Tempelmann sämtliche Leinen für ein sicheres Manöver.

Während der Steuermann Kurs auf die Hafenausfahrt nimmt, richtet Udo Tempelmann sämtliche Leinen für ein sicheres Manöver.

Unter der Fahne der Schweiz gleitet der Katamaran über den Bodensee.

Unter der Fahne der Schweiz gleitet der Katamaran über den Bodensee.

Arbeitskollege Patrick Grawehr steht kurz vor der Prüfung für seinen Segelschein. Jede Übung ist ihm nun willkommen.

Arbeitskollege Patrick Grawehr steht kurz vor der Prüfung für seinen Segelschein. Jede Übung ist ihm nun willkommen.

Die Fahne der Hansestadt Bremen gehört in die Heimat Tempelmanns.

Die Fahne der Hansestadt Bremen gehört in die Heimat Tempelmanns.

Bis zu 6,3 Knoten erreicht der Katamaran an Geschwindigkeit.

Bis zu 6,3 Knoten erreicht der Katamaran an Geschwindigkeit.

Unter kritischem Blick von Patrick Grawehr halte ich das Segelboot mit der Pinne auf Kurs.

Unter kritischem Blick von Patrick Grawehr halte ich das Segelboot mit der Pinne auf Kurs.

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