Angefahren und liegen gelassen

In Reute hat am Mittwoch ein Unbekannter ein Reh angefahren und Fahrerflucht begangen. Das Tier brach sich beim Unfall den Rücken und musste erlöst werden. Die Empörung ist gross.

Daniel Walt
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Herzzerreissend: Das angefahrene Reh bei Reute. (Bild: Leserbild)

Herzzerreissend: Das angefahrene Reh bei Reute. (Bild: Leserbild)

Es sind herzzerreissende Bilder, die ein Ostschweizer auf Facebook gepostet hat. Sie zeigen ein Reh, das hilflos auf einer Strasse sitzt. Es ist offensichtlich von einem Auto angefahren und dabei so stark verletzt worden, dass es nicht mehr aufstehen kann. Mit grossen Augen blickt es in die Kamera. Der Fotograf seinerseits macht seiner Entrüstung mit Worten Luft. Wenn man schon ein Tier anfahre, könne man das zumindest bei der Polizei oder beim Wildhüter melden, schreibt er auf Facebook über den Unbekannten, der Fahrerflucht begangen hat.

Der Facebook-Beitrag verbreitete sich in der Folge rasend schnell im Netz – bis Freitagmittag wurde er bereits über 500 Mal geteilt. Die Aufnahmen seien am Mittwochabend gegen 19 Uhr in Schachen bei Reute entstanden, erklärt der Mann auf Anfrage. «Als ich das verletzte Reh auf der Strasse entdeckte, habe ich angehalten, bin ausgestiegen und habe die Unfallstelle gesichert. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, erinnert er sich. Als er sich dem Reh näherte, habe es geschrien und verzweifelt versucht aufzustehen – vergebens.»

«Wenn man ein Reh anfährt, merkt man das»

Der Mann alarmierte in der Folge einen ihm bekannten Wildhüter, der umgehend vor Ort kam und das Tier von den Schmerzen erlöste. «Dass man ein Reh anfährt, kann jedem passieren. Dann sollte man aber auch dazu stehen und sich bei den entsprechenden Stellen melden», sagt der Mann. Der Wildhüter, der am Mittwoch vor Ort kam, hält auf Anfrage fest, beim verletzten Tier habe es sich um ein etwa halbjähriges, eher schmächtiges Reh gehandelt. «Sein Rücken war gebrochen», sagt der Wildhüter. Der Kadaver des Tiers sei entsorgt worden, was nach Wildunfällen vielfach der Fall sei. Dann nämlich, wenn das Tier zu starke Verletzungen erlitten hat und das Fleisch durch den Ausstoss von Adrenalin ungeniessbar geworden ist.

Für Ueli Frischknecht, Mediensprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei, steht fest: «Wenn man ein Reh anfährt, merkt man das.» In Ausserrhoden seien Wildunfälle der Polizei zu melden. Diese veranlasse in der Folge alles Weitere – beispielsweise das Erlösen des Tiers von den Schmerzen bis zur Entsorgung des Kadavers. Mit Verweis auf die früher einbrechende Dämmerung sagt Frischknecht, derzeit gingen vermehrt Meldungen über Wildunfälle ein. Menschen, die ein Tier anfahren und einfach das Weite suchen, verletzen ihre Meldepflicht, wie Ueli Frischknecht betont – ihnen droht dafür eine Busse. Aber weil am Auto oftmals nicht sehr grosse Schäden entstehen, sind die Chancen sehr gering, die verantwortlichen Autolenker jeweils noch zu finden.

Wildunfall: Keine polizeilichen Konsequenzen

Florian Schneider, Mediensprecher der St. Galler Kantonspolizei, sagt, dass besonders Rehunfälle jederzeit passieren können. «Entweder bleiben die Rehe bockstill auf der Strasse stehen und werden deshalb erfasst. Oder dann springen sie im letzten Moment aus dem Dunkeln vor ein Auto», hält er fest. Er vermutet, dass viele nach einem solchen Unfall in der ersten Panik und aus Unwissenheit weiterfahren. «Wer sich nach einem Wildunfall meldet, hat keine Konsequenzen zu befürchten. Ihm wird der Schaden am Fahrzeug sogar noch ersetzt», hält der Mediensprecher fest.