«Anfangs fand ich es übertrieben»

RÜTHI. Während sechs Jahren fuhren Mitglieder der Frauen- und Mütter-Gemeinschaft (FMG) Rüthi nach Ulm zum Weihnachtsmarkt. Aufgrund der Terrorwarnungen in Deutschland geht es in diesem Jahr nach Innsbruck.

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Das Vorstandsteam der Frauen- und Müttergemeinschaft Rüthi (hintere Reihe von links): Brigitte Büchel (Kassierin), Carmen Saxer (Kursleitung), Brigitte Bäuerle (Präsidentin); vordere Reihe von links: Caroline Winter (Aktuarin), Sabina Bösch (Beisitz Rägaboga). (Bild: pd)

Das Vorstandsteam der Frauen- und Müttergemeinschaft Rüthi (hintere Reihe von links): Brigitte Büchel (Kassierin), Carmen Saxer (Kursleitung), Brigitte Bäuerle (Präsidentin); vordere Reihe von links: Caroline Winter (Aktuarin), Sabina Bösch (Beisitz Rägaboga). (Bild: pd)

Frau Saxer, Sie sind im Vorstand der FMG, wie kam es dazu, den Besuch des Weihnachtsmarktes in Deutschland abzusagen und ein anderes Ziel anzubieten?

Carmen Saxer: Bei unserer Vorstandssitzung am letzten Freitag verkündete unsere Aktuarin, Caroline Winter, dass sie Bedenken habe wegen der Terrorwarnungen für deutsche Weihnachtsmärkte und nicht mit nach Ulm fahren werde.

Hat Caroline Winter ihren Entscheid begründet?

Saxer: Caroline Winter ist Deutsche. Sie erhielt mehrere Anrufe, unter anderem von ihren Eltern ihrer Schwester aus Deutschland, die eigentlich auch nach Ulm kommen wollte. Alle informierten sie über die tagtägliche Medienberichterstattung zur Terrorgefahr in Deutschland und meinten, sie solle sich den Weihnachtsmarktbesuch in Ulm gut überlegen.

Wie haben Sie und die anderen Vorstandsmitglieder reagiert?

Saxer: Anfangs kam es mir lächerlich und übertrieben vor. Was in Deutschland passiert, erschien irgendwie weit weg. Wir haben kurz darüber geredet und dann einstimmig beschlossen, ein anderes Ziel auszusuchen, um kein Risiko einzugehen.

Statistisch gesehen ist es wahrscheinlicher, dass Sie auf dem Weg nach Innsbruck mit dem Auto verunglücken, als einem Terroranschlag in Ulm zum Opfer zu fallen ...

Saxer: Ich weiss. Aber ich fühle mich jetzt beruhigter. Denn wenn in Ulm etwas passieren würde, trügen wir vom Vorstand die Verantwortung. Dann würden wir uns fragen müssen, warum wir trotz der bekannten Gefährdung hingefahren sind.

Wie haben die 42 Personen, die sich bislang für den Weihnachtsbummel angemeldet haben, auf die Verlegung reagiert?

Saxer: Wir haben alle angerufen und unseren Entscheid mitgeteilt. Die Reaktionen waren ganz unterschiedlich.

Manche haben es verstanden, da sie selbst Bedenken hatten, andere hatten gar nichts mitbekommen von den Warnungen, und wieder anderen war es eigentlich egal, dass es jetzt nach Innsbruck geht.

Interview: Andrea Plüss

Es sind noch sechs Plätze frei für die Fahrt am Samstag, 27. November, zum Weihnachtsmarkt nach Innsbruck. Kontakt: Carmen Saxer, Telefon 071 766 14 83.