Ammann überlässt nichts dem Zufall

Mit grosser Freude und Respekt vor seiner neuen Aufgabe reiste der frisch gewählte Rüthner Nationalrat Thomas Ammann am Montag nach Bern. Auf seine erste Session im Bundeshaus hat er sich minutiös vorbereitet.

Ralph Dietsche
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Die Reise kann beginnen: Der Rüthner Gemeindepräsident Thomas Ammann fährt mit der Bahn an die Wintersession ins Bundeshaus nach Bern. (Bild: Ralph Dietsche)

Die Reise kann beginnen: Der Rüthner Gemeindepräsident Thomas Ammann fährt mit der Bahn an die Wintersession ins Bundeshaus nach Bern. (Bild: Ralph Dietsche)

RÜTHI/BERN. Es ist Montag, 8.30 Uhr. Der Rüthner Gemeindepräsident Thomas Ammann hat bereits die dringendsten Geschäfte, die über das Wochenende hereingekommen sind, abgearbeitet und die erste Sitzung im Rathaus hinter sich. Trotz Erkältung und einer kurzen Nacht ist er gut gelaunt. Heute ist für ihn ein besonderer Tag. Er reist zum ersten Mal in seiner Politkarriere als Nationalrat an die Session nach Bern.

Dementsprechend perfekt leuchtet seine orange Krawatte, glänzen die polierten Schuhe und sitzt die Frisur. Der frisch gewählte Bundesparlamentarier schlürft an einer Tasse Tee aus einer Ricola-Kräutermischung und geht das Tagesprogramm des ersten Sessionstages ein letztes Mal durch. Er ist gut vorbereitet. Zum einen durch die Fraktionssitzung, zum anderen durch den Parlamentsdienst und die persönliche Vorbereitung. An diesem Montag steht die Vereidigung der 52 neu gewählten Nationalräte an. Ein erhebender Moment für den Rüthner.

Platz Nummer 115

Im Parlamentssaal durfte Ammann vor rund anderthalb Wochen schon einmal stehen und sogar Probe sitzen. Dies war am Einführungstag für die neuen Nationalräte. Ammann wurde der Platz 115 zugeteilt. In der Zwischenzeit kennt der Rüthner auch seine Sitznachbarn und ist froh, dass er mit ihnen deutsch sprechen kann. Links sitzt die Luzernerin Andrea Gmür-Schönenberger, rechts der Walliser Roberto Schmidt. Bei der am Montagnachmittag gestarteten Wintersession werden spannende Themen behandelt. In medialer Hinsicht dominieren sicher die Bundesratswahlen. «Die SVP hat aus meiner Sicht klar einen Anspruch auf einen zweiten Sitz. Bei einem Hearing werden sich uns die drei offiziellen Kandidaten vorstellen. Ich bin sehr gespannt darauf», sagt Ammann. Wen er wählen wird, hat der frische Bundesparlamentarier noch nicht entschieden. Weitere Themen werden das Budget 2016, die Entwicklungshilfe sowie die Landwirtschaftskürzungen sein, zu denen es letzte Woche in Bern eine Demo gab.

Alles muss geübt sein

Nach einem kurzen Blick auf die Uhr greift Ammann nach seinen Koffern und dem Ersatzanzug, eilt zum Bahnhof Rüthi und trifft dort auf sein Kollegenpärchen Carmen und Leo Büchel sowie auf seine Schwiegereltern Rösli und Werner Pridgar, die bereits in Altstätten den Zug bestiegen haben. Sie begleiten Thomas Ammann auf der Bahnfahrt nach Bern und werden dabei sein, wenn er vereidigt wird. Die Stimmung ist locker und freudig.

Ammann wird gefragt, ob er den Eid auch geübt habe. Strahlend erinnert er daran, dass er diesen vor 15 Jahren schon im Kantonsrat ablegen durfte und er diesen immer noch im Griff habe. Kurzerhand zeigt er seinen Begleitern, was er am Nachmittag vor dem Gesamt-Bundesrat machen wird. Thomas Ammann strahlt so sehr, dass nichts mehr an seine Erkältung erinnert. Er strahlt sie einfach weg. Für ihn ist heute ein Freudentag. Auch wenn seine Frau Gabi und die vier Kinder die Vereidigung nicht live miterleben. «Die Platzkarten für uns Nationalräte sind stark limitiert. Sie werden mich später einmal im Bundeshaus besuchen», freut sich der Familienpolitiker schon heute.